Krankheitskosten von der Steuer absetzen: Zumutbare Belastung, Beispiele und was 2026 zählt

Krankheitskosten wie Zuzahlungen, Brille, Zahnersatz oder Physiotherapie könnt ihr als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen, aber nur den Teil, der über eurer zumutbaren Belastung von 1 bis 7 Prozent der Einkünfte liegt. Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs von 2017 wird diese Grenze stufenweise berechnet, was eine ledige Person mit 40.000 Euro Einkünften schon ab 2.246,60 Euro Krankheitskosten entlastet statt erst ab 2.400 Euro. Wer hohe Arztrechnungen hatte und kein Geld beim Finanzamt liegen lassen will, findet hier Formel, Rechenbeispiele, Nachweise und die richtigen ELSTER-Zeilen. Stand: Oktober 2026.

Das Wichtigste in KĂĽrze

  • Absetzbar ist nur der Teil der Krankheitskosten, der die zumutbare Belastung nach § 33 Absatz 3 EStG ĂĽbersteigt; das Finanzamt rechnet sie automatisch aus.
  • Die Grenze wird in drei Stufen berechnet: bis 15.340 Euro, bis 51.130 Euro und darĂĽber gilt jeweils ein eigener Prozentsatz (BFH, VI R 75/14).
  • FĂĽr Medikamente, Heil- und Hilfsmittel braucht ihr eine Verordnung; beim E-Rezept reicht ein Apothekenbeleg mit eurem Namen.
  • Erstattungen der Krankenkasse zieht ihr vorher ab, Belege legt ihr nur auf Anforderung des Finanzamts vor.

Anzeige / Transparenz: Dieser Artikel enthält keine Partner-Links zu Anbietern und ist keine Steuerberatung im Einzelfall, sondern eine Erklärung der gesetzlichen Regeln, Nachweise und Formularzeilen. Sollten wir an anderer Stelle auf Angebote verweisen, erhalten wir beim Kauf über einen solchen Link eine kleine Provision. Für euch bleibt der Preis identisch.

Was zählt als außergewöhnliche Belastung bei Krankheitskosten?

Außergewöhnliche Belastungen sind nach § 33 EStG zwangsläufige Ausgaben, die euch stärker treffen als die überwiegende Mehrzahl vergleichbarer Steuerpflichtiger; Krankheitskosten sind der häufigste Fall davon. Laut einer Antwort der Bundesregierung vom Juni 2020 (Drucksache 19/19827) haben nach der damals letzten amtlichen Statistik für 2016 rund 11,1 Millionen Steuerpflichtige außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht, die Steuermindereinnahmen schätzte sie auf rund 3,4 Milliarden Euro im Jahr.

Das Gesetz stellt drei Bedingungen auf. Die Kosten müssen zwangsläufig sein, also aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen unvermeidbar, sie müssen notwendig und angemessen sein, und sie dürfen weder Werbungskosten noch Betriebsausgaben noch Sonderausgaben sein. So steht es in § 33 des Einkommensteuergesetzes. Bei Krankheit gilt die Zwangsläufigkeit grundsätzlich als gegeben, solange die Ausgabe der Heilung dient oder die Folgen einer Krankheit lindert.

Das amtliche Einkommensteuer-Handbuch des Bundesfinanzministeriums fasst es knapp: Krankheitskosten einschließlich Zuzahlungen sind außergewöhnliche Belastungen. Gleichzeitig hält es fest, dass die zumutbare Belastung auch bei Krankheitskosten verfassungsgemäß abgezogen werden darf (BFH vom 02.09.2015, VI R 32/13). Genau diese Eigenbeteiligung entscheidet darüber, ob sich die Mühe lohnt.

Für diesen Ratgeber hat unsere Redaktion § 33 und § 33b EStG, § 64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung, die Pressemitteilung des Bundesfinanzhofs zum Urteil VI R 75/14 und die ELSTER-Anleitung zur Einkommensteuererklärung 2025 ausgewertet und die zumutbare Belastung für vier Haushaltstypen selbst nachgerechnet. MonsterDealz.de ist eine deutsche Deal-Community, die täglich geprüfte Schnäppchen kuratiert und aktive Mitglieder über das M-Coins-Bonusprogramm mit Amazon-Gutscheinen belohnt.

Wie berechne ich die zumutbare Belastung fĂĽr Krankheitskosten?

Die zumutbare Belastung liegt nach § 33 Absatz 3 EStG zwischen 1 und 7 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte und hängt von drei Dingen ab: Höhe der Einkünfte, Tarif (Grundtarif oder Splitting) und Zahl der Kinder. Seit dem Urteil des Bundesfinanzhofs vom 19. Januar 2017 (VI R 75/14) gilt jeder Prozentsatz nur für den Teil der Einkünfte, der in seine Stufe fällt.

Vor dem Urteil rechneten Finanzämter anders: Wer eine Stufengrenze auch nur um einen Euro überschritt, bekam den höheren Prozentsatz auf seine gesamten Einkünfte. Der BFH hat das in seiner Pressemitteilung Nr. 019/17 vom 29. März 2017 erklärt. Im Streitfall hatte ein Ehepaar 4.148 Euro Krankheitskosten erklärt, das Finanzamt ließ davon 2.069 Euro gelten, nach der gestuften Berechnung stiegen die abziehbaren Kosten um 664 Euro.

Der Bundesfinanzhof schreibt dazu: „Die Entscheidung hat weitreichende Bedeutung, da Steuerpflichtige nun in der Regel früher und in größerem Umfang durch ihnen entstandene außergewöhnliche Belastungen steuerlich entlastet werden.“ (Pressemitteilung vom 29.03.2017, Stand: Oktober 2026).

Zumutbare Belastung Krankheitskosten Tabelle

Die Prozentsätze stehen seit Jahren unverändert in § 33 Absatz 3 EStG; auch der Regierungsentwurf zur Einkommensteuerreform 2027, den das Kabinett am 2. September 2026 beschlossen hat, nennt laut Bundesfinanzministerium keine Änderung an dieser Grenze.

Teil der EinkĂĽnfte ohne Kinder, Grundtarif mit 1 oder 2 Kindern
bis 15.340 € 5 % 2 %
15.340 € bis 51.130 € 6 % 3 %
über 51.130 € 7 % 4 %

Quelle: § 33 Absatz 3 EStG, Stand 19.10.2026. Zusammen veranlagte Ehepaare ohne Kinder zahlen 4, 5 und 6 Prozent, Steuerpflichtige mit drei oder mehr Kindern 1, 1 und 2 Prozent. Als Kind zählt jedes Kind, fĂĽr das ihr Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag bekommt; die Spalte „mit Kindern“ gilt also auch fĂĽr Alleinerziehende.

Wie hoch ist die zumutbare Belastung bei einem Einkommen von 40000 Euro?

Bei einer ledigen Person ohne Kinder und 40.000 Euro Gesamtbetrag der Einkünfte liegt die zumutbare Belastung bei 2.246,60 Euro. Die Formel lautet: 5 Prozent von 15.340 Euro plus 6 Prozent des Teils zwischen 15.340 und 40.000 Euro. Gerechnet: 15.340 × 0,05 = 767,00 Euro, dazu 24.660 × 0,06 = 1.479,60 Euro, zusammen 2.246,60 Euro. Nach der alten Methode wären es 6 Prozent von 40.000 Euro gewesen, also 2.400 Euro.

Hat diese Person im Jahr 2.900 Euro Krankheitskosten selbst getragen, etwa 1.800 Euro Eigenanteil für eine Krone, 450 Euro für eine verordnete Brille, 400 Euro für Physiotherapie und 250 Euro Zuzahlungen, mindern 653,40 Euro das Einkommen (2.900 minus 2.246,60). Was das an Steuer spart, hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab; bei angenommenen 30 Prozent wären es rund 196 Euro.

Wichtig ist die Bezugsgröße. Der Gesamtbetrag der Einkünfte ist nicht das Bruttogehalt, sondern Lohn abzüglich Werbungskosten, mindestens also abzüglich des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.230 Euro. Bei Rentnern zählt der steuerpflichtige Teil der Rente, wie ihn unser Ratgeber zur Rentenbesteuerung 2026 herleitet.

Haushalt bei 30.000 € bei 60.000 €
ledig, ohne Kinder 1.646,60 € 3.535,30 €
Ehepaar, ohne Kinder 1.346,60 € 2.935,30 €
1 oder 2 Kinder 746,60 € 1.735,30 €
3 oder mehr Kinder 300,00 € 688,70 €

Eigene Berechnung nach § 33 Absatz 3 EStG und BFH VI R 75/14, Stand 19.10.2026. Beträge beziehen sich auf den Gesamtbetrag der Einkünfte. Bis zu diesem Betrag tragt ihr Krankheitskosten selbst, erst jeder Euro darüber wirkt steuerlich.

Aus unserer Nachrechnung ergibt sich ein Muster, das sich leicht merken lässt: In den drei Gruppen mit steigenden Sätzen (5/6/7, 4/5/6 und 2/3/4 Prozent) spart die stufenweise Berechnung zwischen 15.340 und 51.130 Euro immer genau 153,40 Euro gegenüber der alten Methode und oberhalb von 51.130 Euro immer genau 664,70 Euro. Das passt zu den 664 Euro aus dem BFH-Fall. Bei drei oder mehr Kindern sind es oberhalb von 51.130 Euro 511,30 Euro, darunter null.

Welche Krankheitskosten kann ich in der Steuererklärung absetzen?

Brille im Etui, Hörgerät, Zahnschiene, Tablettenpackung und Bandage auf einem Holztisch

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Absetzbar sind alle selbst getragenen Kosten für Diagnose, Behandlung und Linderung einer Krankheit; die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen nennt als Beispiele Hörgerät, Brille, Rollstuhl, Akupunktur, Heilpraktiker, verordnete Massagen und verschriebene Medikamente (Stand: Oktober 2026). Voraussetzung ist immer, dass weder Krankenkasse noch Beihilfe die Kosten erstattet haben oder noch erstatten werden.

  • Zuzahlungen: fĂĽr Medikamente, Heilmittel, Krankenhaustage und Hilfsmittel; das Einkommensteuer-Handbuch zählt sie ausdrĂĽcklich dazu.
  • Zahnersatz: der Eigenanteil nach dem Festzuschuss der Kasse, auch Implantate, soweit medizinisch notwendig.
  • Sehhilfen: Brille und Kontaktlinsen mit Verordnung; in den Folgejahren reicht laut R 33.4 der Einkommensteuer-Richtlinien die Sehschärfenbestimmung beim Augenoptiker.
  • Augen-Laser-Operation: laut R 33.4 ohne amtsärztliches Attest.
  • Heilmittel: verordnete Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Massagen.
  • Hilfsmittel: Hörgerät, Rollstuhl, Gehhilfen, Einlagen, jeweils mit Verordnung.
  • Heilpraktiker: Behandlung und von ihm verordnete Mittel; eine Verordnung des Heilpraktikers genĂĽgt als Nachweis (BFH vom 26.02.2014, VI R 27/13).
  • Kuren: Bade- und Heilkuren nur mit vorab ausgestelltem amtsärztlichem Gutachten oder einer Bescheinigung des Medizinischen Dienstes.

Maßgeblich ist das Jahr, in dem ihr bezahlt, nicht das Behandlungsjahr. Wer eine Brille, eine Zahnbehandlung oder ein Hörgerät ohnehin plant, kann die Zahlungen deshalb in ein Jahr legen, in dem schon andere Kosten angefallen sind. Ob die Kasse beim Zahnersatz mehr übernimmt, wenn eine Zahnzusatzversicherung besteht, entscheidet dagegen über den Betrag, der überhaupt übrig bleibt: Was die Versicherung zahlt, zählt nicht mehr als Belastung.

Auch eine Zahl aus unserer eigenen Deal-Datenbank zeigt, wo die Grenze liegt: Seit August 2020 haben wir 20 Deal-Beiträge zu Blutdruckmessgeräten veröffentlicht (Stand: 19.10.2026). Ein solches Gerät für den Hausgebrauch ist nur dann eine außergewöhnliche Belastung, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt, denn für Hilfsmittel verlangt § 64 EStDV genau diesen Nachweis. Ohne Rezept bleibt es ein privater Kauf.

Kann ich Fahrtkosten zum Arzt absetzen?

Ja, Fahrten zu Arzt, Therapie oder Behandlung gehören zu den Krankheitskosten: Die Finanzverwaltung NRW nennt die tatsächlichen Kosten oder pauschal 0,30 Euro je gefahrenem Kilometer (Stand: Oktober 2026). Das amtliche Handbuch schränkt ein, dass Pkw-Fahrten grundsätzlich nur in Höhe der Kosten öffentlicher Verkehrsmittel abziehbar sind, wenn eine zumutbare Verbindung bestand (BFH vom 03.12.1998, III R 5/98). Notiert euch deshalb Datum, Ziel und Kilometer jeder Fahrt und bei schlechter Anbindung auch den Grund für das Auto.

Unterschied zwischen Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen: was nicht zählt

Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind Sonderausgaben und keine Krankheitskosten; das amtliche Einkommensteuer-Handbuch schließt sie als außergewöhnliche Belastung ausdrücklich aus (BFH vom 29.11.2017, X R 5/17). Sie gehören in die Anlage Vorsorgeaufwand und wirken dort ohne Eigenbeteiligung.

Mehrere Ausgaben, die nach Gesundheit klingen, erkennt das Finanzamt nicht an. Der Grund ist fast immer derselbe: Sie dienen allgemein der Gesundheit, nicht der Behandlung einer konkreten Krankheit, oder es fehlt der vorgeschriebene Nachweis.

  • Fitnessstudio: laut BFH vom 21.11.2024 (VI R 1/23) auch dann nicht absetzbar, wenn ein ärztlich verordnetes Funktionstraining nur mit Mitgliedschaft möglich ist.
  • Diätverpflegung: nach § 33 Absatz 2 EStG ausgeschlossen, selbst wenn sie eine medikamentöse Behandlung ersetzt; Arzneimittel mit Verordnung fallen dagegen nicht unter das Verbot (BFH vom 14.04.2015, VI R 89/13).
  • Rezeptfreie Mittel ohne Verordnung: Die Finanzverwaltung NRW verlangt die Verordnung ausdrĂĽcklich auch fĂĽr nicht verschreibungspflichtige Medikamente.
  • Besuchsfahrten zu Angehörigen in Kur: laut Handbuch keine auĂźergewöhnliche Belastung.

Bonuszahlungen der Krankenkasse sind ein eigenes Thema. Ob sie die Sonderausgaben mindern, hängt davon ab, wofür sie gezahlt werden; wie das bei den einzelnen Programmen aussieht, steht in unserem Vergleich der Krankenkassen-Bonusprogramme. Erstattet die Kasse dagegen eine konkrete Behandlung, mindert diese Erstattung die Krankheitskosten, siehe unten.

Unterlagen fĂĽr Krankheitskosten beim Finanzamt: welche Nachweise ihr braucht

Aufgeklappter Ordner mit Trennblättern und eingehefteten Belegen für die Steuererklärung

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Den Nachweis regelt § 64 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung: Für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel genügt eine Verordnung von Arzt oder Heilpraktiker, für Kuren, psychotherapeutische Behandlungen, bestimmte Hilfsmittel und wissenschaftlich nicht anerkannte Methoden braucht ihr ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes. Laut § 64 Absatz 1 Nummer 2 EStDV muss dieses Gutachten vor Beginn der Heilmaßnahme oder vor dem Kauf des Hilfsmittels ausgestellt sein.

Diese Reihenfolge ist die häufigste Falle. Ein Attest, das erst nach der Kur ausgestellt wird, ersetzt den Nachweis nicht; die Nachweise aus § 64 EStDV können laut BFH auch nicht durch andere Unterlagen ersetzt werden (BFH vom 15.01.2015, VI R 85/13). Bei einer Dauererkrankung mit gleichbleibendem Medikamentenbedarf reicht dagegen die einmalige Vorlage einer Verordnung.

Für das E-Rezept gibt es eine eigene Regel aus dem BMF-Schreiben vom 26. November 2024 (BStBl I S. 1429), auf das das amtliche Einkommensteuer-Handbuch 2025 verweist. Laut Bund der Steuerzahler genügt der Kassenbeleg der Apotheke oder die Rechnung der Online-Apotheke, wenn darauf vier Angaben stehen: Name der steuerpflichtigen Person, Art der Leistung (etwa der Name des Arzneimittels), Betrag oder Zuzahlung und Art des Rezepts. Für 2024 beanstandete die Verwaltung einen fehlenden Namen noch nicht, ab der Erklärung 2025 gehört er auf den Beleg.

Wie das Finanzamt mit Belegen grundsätzlich umgeht, erklärt die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen in ihrem offiziellen Erklärfilm zur Belegvorhaltepflicht:

Praktisch heißt das: Lasst euch in der Apotheke den Namen auf den Bon drucken, sammelt Verordnungen, Rechnungen und Erstattungsmitteilungen der Kasse in einem Ordner und hebt Fahrtennotizen mit auf. Privatversicherte können laut R 33.4 der Richtlinien auch die Erstattungsmitteilung der Versicherung als Kostennachweis nutzen.

Krankheitskosten in der Steuererklärung: wo eintragen?

Dokumentenmappe, Teetasse, Notizblock und sortierte Belege an einem hellen Arbeitsplatz

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Krankheitskosten tragt ihr in die Anlage AuĂźergewöhnliche Belastungen ein, laut der ELSTER-Anleitung zur Einkommensteuererklärung 2025 in den Zeilen 23 bis 41 („Andere Aufwendungen“). Die zumutbare Belastung zieht ihr nicht selbst ab, das Finanzamt berechnet sie automatisch und weist sie im Steuerbescheid aus.

In jede Zeile gehören Art der Aufwendung, der Gesamtbetrag und die erhaltenen oder erwarteten Erstattungen. Das amtliche Handbuch verlangt, Ersatz von dritter Seite abzuziehen, und zwar auch dann, wenn er erst im Folgejahr kommt, ihr aber schon im Zahlungsjahr damit rechnen konntet. Ein Krankenhaustagegeld mindert die Krankenhauskosten bis zu deren Höhe, ein Krankentagegeld dagegen nicht, weil es Verdienstausfall ersetzt.

Enthalten die Kosten haushaltsnahe Leistungen, etwa bei Pflege zu Hause, sieht ELSTER die Zeilen 39 bis 41 vor. Dort eingetragene Beträge können als Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen wirken, soweit sie wegen der zumutbaren Belastung sonst verpuffen würden. Den Zugang zum Formular bekommt ihr über Mein ELSTER; wie Registrierung und Anmeldung funktionieren, steht in unserem Ratgeber zum ELSTER Login.

Wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist, kann Krankheitskosten über eine freiwillige Erklärung nachholen. Die Festsetzungsfrist beträgt nach § 169 der Abgabenordnung vier Jahre; für das Jahr 2022 endet sie damit in der Regel am 31. Dezember 2026. Kommt der Bescheid, lohnt sich ein Blick auf die Zeile zur zumutbaren Belastung, denn wurden Kosten gestrichen, läuft eine Frist von einem Monat für den Einspruch gegen den Steuerbescheid.

Pflege-Pauschbetrag, Behinderten-Pauschbetrag und Fahrtkostenpauschale: wann die Pauschale reicht

Heller Wohnungsflur mit Rollator, Gehstock, Wolldecke und GrĂĽnpflanze

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Für Pflege und Behinderung gibt es nach § 33b EStG feste Pauschbeträge, die ihr ohne Einzelbelege und ohne Abzug der zumutbaren Belastung bekommt: 384 Euro bei einem Grad der Behinderung von 20 bis 2.840 Euro bei 100, und 7.400 Euro für hilflose, blinde und taubblinde Menschen (Stand: Oktober 2026). Statt der Pauschale dürft ihr die tatsächlichen Kosten nach § 33 ansetzen, müsst euch aber pro Jahr einheitlich entscheiden.

Der Pflege-Pauschbetrag nach § 33b Absatz 6 EStG beträgt 600 Euro bei Pflegegrad 2, 1.100 Euro bei Pflegegrad 3 und 1.800 Euro bei Pflegegrad 4 oder 5 oder Merkzeichen „H“. Ihn bekommt, wer einen Angehörigen persönlich in dessen oder der eigenen Wohnung pflegt und dafĂĽr keine Einnahmen erhält; laut ELSTER zählt weitergegebenes Pflegegeld als Einnahme. Welche Leistungen zu welchem Grad gehören, erklärt unser Ratgeber zum Pflegegrad.

FĂĽr Fahrten gilt seit 2021 die behinderungsbedingte Fahrtkostenpauschale aus § 33 Absatz 2a EStG: 900 Euro ab einem Grad der Behinderung von 80 oder ab 70 mit Merkzeichen „G“, 4.500 Euro bei den Merkzeichen „aG“, „Bl“, „TBl“ oder „H“ sowie laut ELSTER-Anleitung bei Pflegegrad 4 oder 5. Anders als die Pauschbeträge wird sie laut ELSTER-Anleitung um die zumutbare Belastung gemindert, und daneben könnt ihr keine weiteren behinderungsbedingten Fahrtkosten abziehen. Welche Merkzeichen welche Vorteile bringen, zeigt unser Ăśberblick zu den Vorteilen des Schwerbehindertenausweises.

Die Pauschale deckt die typischen laufenden Mehrkosten ab. Krankheitskosten, die darüber hinausgehen, etwa eine Operation, eine Kur oder ein neues Hörgerät, nennt die ELSTER-Anleitung ausdrücklich als Aufwendungen, die ihr neben oder statt der Pauschbeträge in den Zeilen 23 bis 41 angeben könnt. Diese Einzelkosten laufen dann wieder durch die zumutbare Belastung.

Vor- & Nachteile im Ăśberblick

Vorteile Nachteile
Stufenweise Berechnung spart bis 664,70 Euro Eigenanteil Eigenanteil von 1 bis 7 Prozent bleibt immer
Finanzamt rechnet die Grenze automatisch aus Amtsärztliches Attest muss vor Behandlungsbeginn vorliegen
Belege nur auf Anforderung vorlegen Ohne Verordnung keine Medikamente oder Hilfsmittel
Freiwillige Erklärung vier Jahre rückwirkend möglich Kassenerstattungen mindern den absetzbaren Betrag

Häufige Fragen zu Krankheitskosten und Steuer

Muss ich die Krankheitskosten durch Rechnungen belegen?

Ja, auf Verlangen des Finanzamts müsst ihr Kosten und Zwangsläufigkeit nachweisen: Rechnungen oder Kassenbelege für den Betrag, eine Verordnung für Medikamente, Heil- und Hilfsmittel und bei Kuren ein vorab ausgestelltes amtsärztliches Gutachten. Beim E-Rezept reicht ein Apothekenbeleg mit Namen, Mittel, Betrag und Rezeptart.

Was passiert, wenn die Krankenkasse einen Teil der Kosten erstattet hat?

Dann zählt nur der Rest. Erstattungen der Kasse, der Beihilfe oder einer Zusatzversicherung zieht ihr von den Kosten ab, auch wenn das Geld erst im Folgejahr kommt, ihr aber schon damit rechnen konntet. Leistungen aus einer Krankentagegeldversicherung müsst ihr nicht abziehen.

Muss ich die Rechnungen direkt mitschicken oder nur aufbewahren?

Nur aufbewahren. Laut ELSTER-Anleitung 2025 reicht ihr Verordnungen, Kurnachweise und Apothekenbelege nur in Kopie ein, wenn das Finanzamt dazu auffordert. Ausnahme sind Nachweise zu Behinderung und Pflege, die bei erstmaliger Beantragung oder bei Änderungen beigefügt werden.

Sind Kosten fĂĽr eine Brille steuerlich absetzbar?

Ja, wenn ein Augenarzt die Sehhilfe verordnet hat. In den Folgejahren genügt laut R 33.4 der Einkommensteuer-Richtlinien die Sehschärfenbestimmung durch einen Augenoptiker. Die Brille zählt dann mit allen anderen Krankheitskosten des Jahres gegen die zumutbare Belastung.

Lohnen sich Krankheitskosten in der Steuererklärung?

Das hängt davon ab, ob ihr über die zumutbare Belastung kommt. Eine Familie mit zwei Kindern und 30.000 Euro Einkünften muss nur 746,60 Euro selbst tragen, eine ledige Person mit 60.000 Euro dagegen 3.535,30 Euro. Eintragen lohnt sich trotzdem fast immer, weil das Finanzamt die Grenze selbst prüft.

Kann ich Krankheitskosten aus 2022 noch absetzen?

Ja, über eine freiwillige Steuererklärung, wenn ihr für 2022 noch keine abgegeben habt. Die Festsetzungsfrist beträgt nach § 169 AO vier Jahre, für 2022 endet sie in der Regel am 31. Dezember 2026. Liegt bereits ein bestandskräftiger Bescheid vor, ist eine Änderung nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Fazit: Erst die eigene Grenze kennen, dann sammeln

Krankheitskosten wirken steuerlich erst oberhalb der zumutbaren Belastung, und seit der stufenweisen Berechnung liegt diese Grenze für die meisten Haushalte 153,40 oder 664,70 Euro niedriger als früher. Wer seine Grenze mit der Formel aus diesem Artikel ausrechnet, sieht schnell, ob sich Zahlungen bündeln lassen und welche Belege ins Jahr gehören.

  • Verordnung vor dem Kauf, Gutachten vor der Kur, Namen auf jeden Apothekenbon.
  • Erstattungen der Kasse abziehen, Rest in die Zeilen 23 bis 41 der Anlage AuĂźergewöhnliche Belastungen.
  • Bei Pflege oder Behinderung prĂĽfen, ob der Pauschbetrag oder die Einzelkosten mehr bringen.

Was ihr bei Brille, Hörgerät oder Blutdruckmessgerät beim Kaufpreis sparen könnt, zeigen täglich die geprüften Angebote auf der MonsterDealz-Startseite; bei Fragen zum Einzelfall helfen Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine.

Ăśber den Autor

Florian Silbereis

Ich bin Florian, 44 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und Gründer von MonsterDealz.de. Seit über 17 Jahren spüre ich täglich die besten Online-Deals, Preisfehler und Cashback-Aktionen auf — mein Wissen daraus steckt im Ratgeber „Schnäppchen richtig jagen: Der Insider-Guide für smarte Online-Käufer“ (2026). Meine Spezialgebiete sind Mobilfunk-Tarife, Bonus-Deals, Tagesgeldkonten und das Finden echter Preisfehler bei großen Shops wie Amazon, MediaMarkt, Saturn und Otto. Mehr über mich: interlynx.de, unterwegs bin ich auch auf Mastodon. Habt ihr Fragen oder einen heißen Deal-Tipp? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, PN,oder über die Kontaktseite.

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