Pflegegrad 2026: Punkte, Leistungen und der Weg zum Bescheid

Ein Pflegegrad ist die gesetzliche Einstufung der Pflegebedürftigkeit nach dem Sozialgesetzbuch Elf — vergeben in fünf Stufen, berechnet aus einem Punktesystem mit sechs Modulen, das misst, wie selbstständig ein Mensch im Alltag noch ist. Ab 12,5 gewichteten Punkten beginnt Pflegegrad 1, ab 90 Punkten Pflegegrad 5 (§ 15 Absatz 3 SGB XI). Wer den Antrag stellt, entscheidet damit über Pflegegeld zwischen 347 und 990 Euro monatlich — und über einen Betrag, den fast alle übersehen. Dieser Ratgeber erklärt Punkte, Leistungen und den Weg zum Bescheid — Stand: September 2026.

Das Wichtigste in KĂĽrze

  • Der Pflegegrad entsteht aus sechs Modulen, die Selbstversorgung zählt mit 40 Prozent am stärksten (§ 15 Absatz 2 SGB XI).
  • Pflegegeld gibt es erst ab Pflegegrad 2: 347, 599, 800 und 990 Euro monatlich (§ 37 SGB XI).
  • Der Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich steht schon ab Pflegegrad 1 zu — und verfällt, wenn er liegen bleibt.
  • Die Pflegekasse muss spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang schriftlich entscheiden (§ 18c Absatz 1 SGB XI).

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Was ist ein Pflegegrad — und wer bekommt einen?

Ein Pflegegrad ist die Einstufung, mit der die Pflegekasse festhält, wie stark die Selbstständigkeit eines Menschen dauerhaft beeinträchtigt ist — und welche Leistungen daraus folgen. Pflegebedürftigkeit beginnt laut Medizinischem Dienst Bund bei mindestens 12,5 Punkten; darunter gibt es keinen Pflegegrad (Stand: September 2026). Maßgeblich ist dabei nicht die Diagnose, sondern der Alltag.

Der Medizinische Dienst Bund formuliert den Grundsatz so: „MaĂźstab ist der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen.“ Zwei Menschen mit derselben Erkrankung können deshalb in unterschiedlichen Pflegegraden landen: Entscheidend ist, was jemand ohne fremde Hilfe noch schafft.

Anspruch hat, wer in der Pflegeversicherung versichert ist und die Vorversicherungszeit erfüllt: mindestens zwei Jahre Mitgliedschaft in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung (§ 33 Absatz 2 SGB XI).

Für diesen Ratgeber hat unsere Redaktion den eigenen Magazin-Bestand ausgezählt: Von 992 veröffentlichten Beiträgen tragen 15 einen Antrags-, Formular- oder Vorlagen-Bezug im Titel — Pflegeleistungen kamen darin bis heute in keinem einzigen vor (eigene Auszählung, Stand: 3. September 2026). Für diesen Text hat unsere Redaktion deshalb das Sozialgesetzbuch Elf, die Angaben des Medizinischen Dienstes Bund und die Verfahrensbeschreibungen der Pflegekassen ausgewertet. MonsterDealz.de ist eine deutsche Deal-Community, die täglich geprüfte Schnäppchen kuratiert und aktive Mitglieder über das M-Coins-Bonusprogramm mit Amazon-Gutscheinen belohnt.

Was steht euch bei Pflegegrad 1 bis 5 zu?

Pflegegrad Punktesystem mit sechs Modulen als leere Checkliste

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Bei häuslicher Pflege gibt es zwei Hauptleistungen, die sich klar unterscheiden: Pflegegeld zwischen 347 und 990 Euro monatlich (§ 37 SGB XI) und Pflegesachleistung zwischen 796 und 2.299 Euro monatlich (§ 36 Absatz 3 SGB XI). Beide beginnen erst bei Pflegegrad 2; Pflegegrad 1 bekommt keine dieser beiden Leistungen.

Pflegegeld ist eine Geldleistung, die direkt auf das Konto der pflegebedürftigen Person fließt und frei verwendet werden darf. Die Pflegesachleistung ist dagegen ein Budget, mit dem ein zugelassener Pflegedienst abrechnet — das Geld sieht der Haushalt nie.

Pflegegrad Pflegegeld Pflegesachleistung
Pflegegrad 1 kein Anspruch kein Anspruch
Pflegegrad 2 347 € 796 €
Pflegegrad 3 599 € 1.497 €
Pflegegrad 4 800 € 1.859 €
Pflegegrad 5 990 € 2.299 €

Monatsbeträge bei häuslicher Pflege, Stand September 2026. Quelle: § 37 Absatz 1 und § 36 Absatz 3 SGB XI. Pflegegeld ist frei verfügbar und geht an die pflegebedürftige Person, die Pflegesachleistung ist ein zweckgebundenes Budget, über das ein zugelassener Pflegedienst abrechnet. Beide Spalten schließen sich nicht aus — die Kombinationsleistung mischt sie anteilig.

Dazu kommen der Entlastungsbetrag, der gemeinsame Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie Zuschüsse für Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld. In der stationären Pflege gelten eigene Beträge: 805 Euro bei Pflegegrad 2 bis 2.096 Euro bei Pflegegrad 5 (§ 43 Absatz 2 SGB XI).

Welche Kriterien bestimmen den Pflegegrad?

Den Pflegegrad bestimmen sechs Module, die unterschiedlich stark gewichtet werden — die Selbstversorgung mit 40 Prozent, die Mobilität dagegen nur mit 10 Prozent (§ 15 Absatz 2 SGB XI, Stand: September 2026). Jedes Modul bündelt mehrere Einzelkriterien, für die Punkte vergeben werden.

Der Medizinische Dienst beschreibt das Verfahren so: „Die Zuordnung zu einem Pflegegrad erfolgt anhand eines Punktesystems.“ Die Punkte je Modul werden addiert, einem Punktbereich zugeordnet und dann mit dem Modulgewicht in gewichtete Punkte umgerechnet.

Die sechs Module und ihre Gewichte:

  • Modul 1 – Mobilität: 10 Prozent. Aufstehen, Umsetzen, Fortbewegen in der Wohnung, Treppensteigen.
  • Modul 2 – Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: zusammen mit Modul 3 15 Prozent. Orientierung, Erinnern, Verstehen, Gespräche fĂĽhren.
  • Modul 3 – Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: zusammen mit Modul 2 15 Prozent. Nächtliche Unruhe, Ă„ngste, Aggression, Wahnvorstellungen.
  • Modul 4 – Selbstversorgung: 40 Prozent. Waschen, Ankleiden, Essen, Trinken, Toilettengang.
  • Modul 5 – Bewältigung krankheitsbedingter Anforderungen: 20 Prozent. Medikamente, Verbände, Injektionen, Arztbesuche.
  • Modul 6 – Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: 15 Prozent. Tagesablauf planen, Kontakte pflegen.

Das ist der Punkt, an dem sich viele verrechnen: Die Module 2 und 3 werden nicht addiert. Nach § 15 Absatz 3 Satz 2 SGB XI zählt nur der jeweils höhere der beiden gewichteten Werte. Wer beide zusammenzählt, kommt auf einen zu hohen Punktestand und wundert sich später über den Bescheid.

Warum die Selbstversorgung so schwer wiegt

Mit 40 Prozent trägt Modul 4 mehr als jedes andere — Hilfe bei Körperpflege, Ernährung und Toilettengang macht den größten Teil des täglichen Aufwands aus. Diese Punkte gehören im Termin am genauesten beschrieben.

Wo Demenz sichtbar wird

Die Module 2, 3 und 6 kommen zusammen auf 30 Prozent der Gewichtung. Ein Mensch mit Demenz, der sich körperlich noch gut bewegt, kann deshalb heute einen Pflegegrad bekommen, für den es früher keine Pflegestufe gab.

Wie werden aus Modulpunkten die fĂĽnf Pflegegrade?

Aus den gewichteten Punkten aller Module wird eine Gesamtpunktzahl zwischen 0 und 100 gebildet, und genau fünf Schwellen teilen diese Skala auf — beginnend bei 12,5 Punkten und endend bei 90 Punkten (§ 15 Absatz 3 SGB XI, Stand: September 2026). Die Grenzen sind starr: 26,9 Punkte sind Pflegegrad 1, 27,0 Punkte sind Pflegegrad 2.

Die fĂĽnf Stufen im Wortlaut des Gesetzes:

  • Pflegegrad 1: ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte — geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit.
  • Pflegegrad 2: ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte — erhebliche Beeinträchtigungen.
  • Pflegegrad 3: ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte — schwere Beeinträchtigungen.
  • Pflegegrad 4: ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkte — schwerste Beeinträchtigungen.
  • Pflegegrad 5: ab 90 bis 100 Gesamtpunkte — schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Eine Ausnahme gibt es: Bei besonderen Bedarfskonstellationen mit außergewöhnlich hohem Hilfebedarf kann Pflegegrad 5 auch unter 90 Punkten vergeben werden (§ 15 Absatz 4 SGB XI).

Für Kinder gilt eine eigene Systematik: Ihre Selbstständigkeit wird mit der altersgemäß entwickelter Kinder verglichen; Kinder bis 18 Monate erreichen schon ab 12,5 Punkten Pflegegrad 2 (§ 15 Absatz 6 und 7 SGB XI).

Pflegegeld oder Pflegesachleistung — was ist der Unterschied?

Der Unterschied ist der Empfänger des Geldes: Pflegegeld nach § 37 SGB XI geht an die pflegebedürftige Person selbst, die Pflegesachleistung nach § 36 SGB XI rechnet ein zugelassener Pflegedienst direkt mit der Kasse ab. Bei Pflegegrad 2 stehen sich 347 Euro Pflegegeld und 796 Euro Sachleistungsbudget gegenüber (Stand: September 2026) — das Sachleistungsbudget ist also mehr als doppelt so hoch, aber nicht frei verfügbar.

Pflegegeld setzt voraus, dass die häusliche Pflege anderweitig sichergestellt ist — in der Regel durch Angehörige. Das Gutachten muss sich nach § 18b Absatz 1 SGB XI ausdrücklich auch darauf erstrecken.

Kombinationsleistung: beides mischen

Beide Leistungen lassen sich mischen: Wer bei Pflegegrad 2 nur 40 Prozent des Sachleistungsbudgets für einen Pflegedienst verbraucht, erhält die restlichen 60 Prozent des Pflegegeldes ausgezahlt. Das ist der Regelfall in Haushalten, in denen Angehörige den Alltag tragen und ein Dienst nur die Körperpflege übernimmt.

Warum gibt es bei Pflegegrad 1 kein Pflegegeld?

Weil § 37 Absatz 1 SGB XI den Anspruch auf Pflegegeld ausdrücklich erst bei Pflegegrad 2 beginnen lässt — und § 36 Absatz 1 die Pflegesachleistung ebenso auf die Pflegegrade 2 bis 5 begrenzt (Stand: September 2026). Pflegegrad 1 ist im Gesetz als Vorstufe angelegt: geringe Beeinträchtigungen, die noch keine regelmäßige pflegerische Versorgung erfordern.

Leer geht Pflegegrad 1 trotzdem nicht aus. Der Gesetzgeber hat fĂĽr diese Stufe einen eigenen Leistungskorb gebaut, der auf Vorbeugung und Entlastung zielt statt auf Geldleistungen:

  • Entlastungsbetrag: 131 Euro monatlich nach § 45b SGB XI — die einzige Leistung, die ab Pflegegrad 1 gilt.
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Handschuhe, Desinfektion, Bettschutzeinlagen.
  • Wohnumfeldverbessernde MaĂźnahmen: Zuschuss fĂĽr barrierefreies Bad, Treppenlift, TĂĽrverbreiterung.
  • Pflegeberatung: Beratungsanspruch bei der Pflegekasse.
  • Zuschuss zur vollstationären Pflege: 131 Euro monatlich, wenn jemand mit Pflegegrad 1 ins Heim zieht (§ 43 Absatz 3 SGB XI).

Bei Pflegegrad 1 hängt finanziell also fast alles am Entlastungsbetrag. Wer ihn nicht abruft, hat von der Einstufung nichts.

Wie nutzt ihr den Entlastungsbetrag — und wann verfällt er?

Entlastungsbetrag bei Pflegegrad 1 finanziert Alltagshilfe im Haushalt

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Der Entlastungsbetrag beträgt bis zu 131 Euro monatlich und steht allen Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege zu — ausdrücklich auch bei Pflegegrad 1 (§ 45b Absatz 1 SGB XI). Über ein Jahr sind das 1.572 Euro, die vielen Haushalten schlicht durchrutschen.

Wie groĂź die LĂĽcke ist, hat das Bundesgesundheitsministerium selbst erheben lassen. Im amtlichen Kurzbericht zur Evaluation nach § 18c Absatz 2 SGB XI heiĂźt es: „16 % der PflegebedĂĽrftigen nutzten den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI fĂĽr Angebote zur UnterstĂĽtzung im Alltag. Dem entspricht, dass der Bekanntheitsgrad des Entlastungsbetrags nach § 45b SGB XI mit 69 Prozent doppelt so hoch ist wie der des Umwandlungsanspruchs“ (Institut fĂĽr Sozialforschung und Sozialwirtschaft im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums, Stand: Februar 2020). Zwei Drittel kennen die Leistung also — abgerufen hat sie nur ein Bruchteil.

WofĂĽr der Betrag verwendet werden darf

Er ist zweckgebunden. § 45b Absatz 1 Satz 3 SGB XI zählt vier Verwendungen auf:

  • Tages- oder Nachtpflege: stundenweise Betreuung in einer Einrichtung.
  • Kurzzeitpflege: vorĂĽbergehende vollstationäre Pflege.
  • Ambulante Pflegedienste: in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht fĂĽr Leistungen im Bereich der Selbstversorgung.
  • Angebote zur UnterstĂĽtzung im Alltag: nach Landesrecht anerkannte Dienste wie Haushaltshilfe, Betreuungsgruppen, Alltagsbegleitung.

Der letzte Punkt ist der praktisch wichtigste: Anerkannt sein muss der Anbieter nach dem Recht des jeweiligen Bundeslandes; die Nachbarin, die einkaufen geht, kann in der Regel nicht abrechnen.

Wann der Betrag verfällt

Der Entlastungsbetrag wird nicht ausgezahlt, sondern erstattet: Ihr geht in Vorleistung, reicht die Belege ein und bekommt das Geld zurück (§ 45b Absatz 2 SGB XI). Ein Antrag vorab ist nicht nötig; der Anspruch entsteht automatisch.

FĂĽr die Frist gilt der Wortlaut des Gesetzes: „Die Leistung nach Satz 1 kann innerhalb des jeweiligen Kalenderjahres in Anspruch genommen werden; wird die Leistung in einem Kalenderjahr nicht ausgeschöpft, kann der nicht verbrauchte Betrag in das folgende Kalenderhalbjahr ĂĽbertragen werden.“ Nicht genutzte Beträge aus 2026 sind also bis zum 30. Juni 2027 verwendbar — danach sind sie weg. Das Bundesgesundheitsministerium beschreibt denselben Mechanismus so: „Leistungsbeträge, die am Ende des Kalenderjahres noch nicht verbraucht worden sind, können noch bis zum Ende des darauffolgenden Kalenderhalbjahres ĂĽbertragen werden.“

Ein Haushalt, der zwei Jahre nichts abruft, verliert bis zu 1.572 Euro — das Guthaben des älteren Jahres verfällt zum 30. Juni, während der neue Jahresbetrag schon wieder aufläuft. Unsere Haushaltsbuch führen gibt eine einfache Struktur, um Belege und Erstattungen nebeneinander zu führen.

Wie beantragt ihr einen Pflegegrad?

Pflegegrad beantragen Antrag bei der Pflegekasse auf dem Schreibtisch

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Der Antrag geht an die Pflegekasse, die bei der Krankenkasse angesiedelt ist, und er ist an keine Form gebunden — ein Anruf genügt, um die Frist zu wahren. Wichtig ist das Datum: Leistungen werden nach § 33 Absatz 1 SGB XI vom Beginn des Monats der Antragstellung an gewährt, ein zu später Antrag kostet also volle Monatsbeträge (Stand: September 2026).

Der Ablauf in fĂĽnf Schritten:

  • Antrag stellen: formlos telefonisch oder schriftlich bei der Pflegekasse der eigenen Krankenkasse. Das Datum zählt.
  • Formular ausfĂĽllen: Die Kasse schickt ihr Antragsformular; darin gebt ihr auch an, ob Pflegegeld oder Sachleistung gewĂĽnscht ist.
  • Auftrag an den Medizinischen Dienst: Die Pflegekasse muss ihn laut § 18 Absatz 1 SGB XI innerhalb von drei Arbeitstagen ĂĽbermitteln.
  • Begutachtungstermin: Der Medizinische Dienst meldet sich und vereinbart einen Termin.
  • Bescheid: Die Pflegekasse entscheidet und schickt Bescheid samt Gutachten.

Zwei Fristen sichern das Verfahren ab: Erfolgt innerhalb von 20 Arbeitstagen keine Begutachtung, muss die Pflegekasse eine Liste mit mindestens drei unabhängigen Gutachtern schicken (§ 18 Absatz 3 SGB XI) — es sei denn, sie hat die Verzögerung nicht zu vertreten. Die Entscheidung selbst muss spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang schriftlich mitgeteilt werden (§ 18c Absatz 1 SGB XI).

Das Gutachten kommt zusammen mit dem Bescheid, sofern ihr nicht widersprecht (§ 18c Absatz 2 SGB XI). Lasst es euch schicken — ohne die Modulpunkte ist ein Widerspruch blind. Wer die Unterlagen ohnehin ordnet, findet in unserer Patientenverfügung-Vorlage, welche Erklärungen in dieselbe Mappe gehören.

Wie läuft die Begutachtung durch den MD ab?

Die Begutachtung ist ein persönliches Gespräch zu Hause, bei dem eine Gutachterin oder ein Gutachter den Alltag durchgeht und die Punkte in den sechs Modulen vergibt. Die Medizinischen Dienste haben nach eigenen Angaben „im Jahr 2025 bundesweit rund 3,1 Millionen Pflegebegutachtungen durchgefĂĽhrt – fast doppelt so viele wie 10 Jahre zuvor“ (Medizinischer Dienst Bund, Report PflegebedĂĽrftigkeit, Stand: 2026).

Zum Ablauf schreibt der Medizinische Dienst: „Die Begutachtung findet in der Regel als persönliches Gespräch mit einer Gutachterin oder einem Gutachter des Medizinischen Dienstes statt.“ Und weiter: „Die Erstbegutachtung findet immer als Hausbesuch statt.“ Wiederholungs- oder Höherstufungsbegutachtungen können dagegen auch telefonisch erfolgen.

Der Termin dauert laut AOK in der Regel bis zu einer Stunde. Gefragt wird nach Einschränkungen im Alltag: grundlegende Tätigkeiten wie Körperpflege und Ankleiden ebenso wie Orientierung, Erinnerungsvermögen und soziale Kontakte. Häufig bittet die Gutachterin darum, einzelne Handgriffe zu zeigen.

Das Gutachten enthält nicht nur den Pflegegrad, sondern nach § 18b Absatz 1 SGB XI auch Empfehlungen zu Prävention, Rehabilitation, Hilfsmitteln und Wohnumfeld. Empfohlene Hilfsmittel gelten mit eurer Zustimmung bereits als Antrag auf Leistungsgewährung (§ 18b Absatz 3 SGB XI) — eine ärztliche Verordnung ist dafür nicht nötig.

Wie bereitet ihr euch auf den Begutachtungstermin vor?

Begutachtungstermin für den Pflegegrad mit Angehörigen am Tisch vorbereiten

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Die wirksamste Vorbereitung ist eine vollständige Unterlagenmappe und eine zweite Person im Raum. Die AOK empfiehlt, „Medikamente oder den Medikationsplan sowie genutzte Hilfsmittel, die täglich benötigt werden“ bereitzuhalten, dazu Arztberichte der letzten zwölf Monate und die Pflegedokumentation (Stand: September 2026).

Was in die Mappe gehört:

  • Medikationsplan: alle Präparate mit Dosierung, auch die rezeptfreien.
  • Arztberichte der letzten zwölf Monate: Entlassungsbriefe, Facharztbefunde, Reha-Berichte.
  • Pflegedokumentation: falls bereits ein Pflegedienst im Haus ist.
  • Hilfsmittel griffbereit: Rollator, Toilettenstuhl, Hörgerät, Inkontinenzmaterial.
  • Pflegetagebuch: zwei Wochen dokumentierter Alltag mit Uhrzeiten und Hilfestellungen.

Die AOK rät ausdrücklich dazu, dass eine Vertrauensperson oder die hauptsächlich pflegende Person beim Termin anwesend ist. Der Grund ist praktisch: Viele Betroffene stellen sich besser dar, als der Alltag es hergibt — die Angehörige, die den Alltag kennt, kann das einordnen.

Der häufigste Fehler im Termin

Beschönigen. Wer auf die Frage „Können Sie sich selbst waschen?“ mit „ja, das geht schon“ antwortet, obwohl es zwanzig Minuten dauert und jemand daneben stehen muss, verschenkt Punkte in Modul 4 — dem Modul mit 40 Prozent Gewicht. Beschreibt den schlechten Tag, nicht den besten.

Was tun, wenn der Pflegegrad abgelehnt wurde?

Gegen den Bescheid ist der Widerspruch möglich, und dafĂĽr gilt eine kurze Frist: Die AOK weist darauf hin, „den Widerspruch innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids einzureichen“ (Stand: September 2026). Wer diese Frist verstreichen lässt, muss einen neuen Antrag stellen — und verliert die RĂĽckwirkung auf den ursprĂĽnglichen Antragsmonat.

Der Widerspruch selbst braucht zunächst keine Begründung; die lässt sich nachreichen, sobald das Gutachten ausgewertet ist. Es zeigt Modul für Modul, welche Punkte vergeben wurden — und wo eure Einschätzung abweicht.

Zum Verfahren schreibt die AOK: „Die Pflegekasse ĂĽberprĂĽft die Entscheidung nochmals. In der Regel wird der Medizinische Dienst mit einem Zweitgutachten beauftragt.“ Es kommt also meist zu einem neuen Termin, oft mit einer anderen Gutachterin.

So geht ihr strukturiert vor:

  • Fristwahrender Widerspruch: formlos und schriftlich, innerhalb eines Monats, Adresse steht im Begleitschreiben zum Bescheid.
  • Gutachten durchgehen: Modul fĂĽr Modul mit dem eigenen Pflegetagebuch abgleichen.
  • Abweichungen konkret benennen: nicht „zu wenig Punkte“, sondern „Modul 4, Waschen: tatsächlich ist tägliche Anleitung nötig“.
  • Belege nachreichen und beim Zweittermin dabei sein: Arztberichte, die im ersten Termin fehlten.

Eine Höherstufung läuft genauso: Verschlechtert sich der Zustand, stellt ihr einen neuen Antrag auf Pflegeleistungen — dasselbe Formular wie beim Erstantrag, gefolgt von einem neuen Hausbesuch und Gutachten.

Vor- & Nachteile des Pflegegrad-Systems im Ăśberblick

Das seit 2017 geltende System hat die Zahl der Leistungsempfänger auf 6 Millionen mehr als verdoppelt (Medizinischer Dienst Bund, Stand: 2025). Diese Bilanz hat zwei Seiten.

Vorteile Nachteile
Demenz zählt gleichberechtigt mit körperlichen Einschränkungen Punktegrenzen sind starr, 0,1 Punkte entscheiden über eine Stufe
Bundeseinheitliche Kriterien statt regionaler Auslegung Pflegegrad 1 bringt kein Pflegegeld und keine Sachleistung
Entlastungsbetrag schon ab Pflegegrad 1 mit 131 Euro monatlich Entlastungsbetrag muss vorgestreckt und belegt werden
Feste Fristen: 25 Arbeitstage bis zum Bescheid Leistungsbeträge steigen erst zum 1. Januar 2028 wieder

Häufige Fragen zum Pflegegrad

Was ist der Unterschied zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistungen?

Pflegegeld nach § 37 SGB XI wird an die pflegebedürftige Person ausgezahlt und ist frei verwendbar. Die Pflegesachleistung nach § 36 SGB XI ist ein Budget, über das ein zugelassener Pflegedienst direkt mit der Kasse abrechnet. Bei Pflegegrad 2 stehen 347 Euro Pflegegeld einem Sachleistungsbudget von 796 Euro gegenüber. Beides lässt sich als Kombinationsleistung anteilig mischen.

Wie verfällt der Entlastungsbetrag, wenn er nicht genutzt wird?

Nicht ausgeschöpfte Monatsbeträge laufen zunächst innerhalb des Kalenderjahres weiter auf. Was am Jahresende übrig ist, kann nach § 45b Absatz 1 SGB XI noch bis zum Ende des folgenden Kalenderhalbjahres verwendet werden — also bis zum 30. Juni des Folgejahres. Danach verfällt der Rest ersatzlos. Ein Guthaben aus 2026 muss demnach spätestens bis zum 30. Juni 2027 abgerufen sein.

Können mehrere Pflegegrade kombiniert werden?

Nein. Jede pflegebedürftige Person erhält genau einen Pflegegrad aus der Gesamtpunktzahl aller sechs Module (§ 15 Absatz 3 SGB XI). Kombinierbar sind die Leistungen innerhalb eines Grades: Pflegegeld und Sachleistung als Kombinationsleistung, dazu Entlastungsbetrag, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.

Wie lange dauert das Verfahren von Antragstellung bis Bescheid?

Die Pflegekasse muss ihre Entscheidung nach § 18c Absatz 1 SGB XI spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang schriftlich mitteilen. Erfolgt binnen 20 Arbeitstagen keine Begutachtung, habt ihr Anspruch auf eine Auswahlliste mit mindestens drei unabhängigen Gutachtern — sofern die Kasse die Verzögerung zu vertreten hat.

Welche Rolle spielt das Pflegetagebuch bei der Begutachtung?

Es ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber praktisch wertvoll. Über zwei Wochen notiert ihr Datum, Uhrzeit, Art und Dauer jeder Hilfestellung. Damit lassen sich nächtliche Unterstützung, Verhaltensauffälligkeiten und Anleitungsbedarf belegen, die im Gespräch sonst untergehen — genau die Punkte aus den Modulen 3, 4 und 5.

Wie lege ich Widerspruch gegen einen abgelehnten Pflegegrad ein?

Schriftlich und innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids, an die im Begleitschreiben genannte Adresse. Der Widerspruch selbst braucht keine BegrĂĽndung; die reicht ihr nach, sobald ihr das Gutachten Modul fĂĽr Modul ausgewertet habt. Die Pflegekasse prĂĽft die Entscheidung erneut und beauftragt in der Regel ein Zweitgutachten des Medizinischen Dienstes.

Kann ein Pflegegrad wieder aberkannt werden?

Ja. Nach § 33 Absatz 1 SGB XI kann die Zuordnung befristet werden, wenn der Medizinische Dienst eine Verringerung der Beeinträchtigungen erwartet — höchstens auf drei Jahre, wiederholbar. Vor Ablauf muss die Pflegekasse prüfen und mitteilen, ob und in welchem Pflegegrad die Leistungen weiterlaufen.

Ab welchem Pflegegrad bekommt man Pflegegeld?

Ab Pflegegrad 2. Die Beträge liegen bei 347 Euro (Pflegegrad 2), 599 Euro (Pflegegrad 3), 800 Euro (Pflegegrad 4) und 990 Euro (Pflegegrad 5) monatlich. Pflegegrad 1 erhält kein Pflegegeld, sondern den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich sowie Zuschüsse für Pflegehilfsmittel und Wohnumfeldverbesserung.

Was ist der Unterschied zwischen Pflegestufe und Pflegegrad?

Pflegestufen waren das alte System mit drei Stufen, das den Hilfebedarf in Minuten pro Tag maß. Pflegegrade gibt es seit 2017 in fünf Stufen; gemessen wird der Grad der Selbstständigkeit über sechs Module. Kognitive und psychische Beeinträchtigungen zählen seitdem gleichberechtigt mit.

Steigen die Leistungsbeträge 2026?

Nein. § 30 Absatz 1 SGB XI sieht die nächste Anpassung erst zum 1. Januar 2028 vor; sie richtet sich dann nach dem kumulierten Anstieg der Kerninflationsrate der letzten drei Jahre, begrenzt durch die Lohnentwicklung. Die zum 1. Januar 2025 um 4,5 Prozent erhöhten Beträge gelten damit auch im Jahr 2026 unverändert weiter.

Fazit: Punkte verstehen, Termin vorbereiten, Entlastungsbetrag abrufen

Der Pflegegrad ist eine Rechnung, keine Verhandlung: sechs Module, feste Gewichte, fünf Punktegrenzen ab 12,5 Punkten. Wer die Systematik kennt, kann den Begutachtungstermin so vorbereiten, dass der reale Alltag darin vorkommt — der einzige Hebel, den Angehörige wirklich haben.

Drei Faustregeln fĂĽr die Praxis:

  • Antrag frĂĽh stellen: Leistungen gibt es ab dem Monat der Antragstellung, nicht ab dem Termin.
  • Den schlechten Tag beschreiben: Modul 4 wiegt 40 Prozent, dort kostet Beschönigen am meisten.
  • Den Entlastungsbetrag abrufen: 131 Euro monatlich ab Pflegegrad 1, Reste verfallen zum 30. Juni des Folgejahres.

Ein Pflegeantrag steht selten allein. Wer die Unterlagen ohnehin sortiert, sollte Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Nachlassregelung in dieselbe Mappe legen — unsere Testament-Vorlage zeigt, worauf es dabei formal ankommt. Und wer den finanziellen Überblick behalten will, findet auf MonsterDealz.de laufend geprüfte Angebote für Alltag und Haushalt.

Dieser Ratgeber erklärt die gesetzliche Systematik und ersetzt keine individuelle Beratung. Verbindliche Auskünfte zum eigenen Fall gibt die zuständige Pflegekasse, die nach § 7a SGB XI auch zur Pflegeberatung verpflichtet ist.

Ăśber den Autor

Florian Silbereis

Ich bin Florian, 44 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und Gründer von MonsterDealz.de. Seit über 17 Jahren spüre ich täglich die besten Online-Deals, Preisfehler und Cashback-Aktionen auf — mein Wissen daraus steckt im Ratgeber „Schnäppchen richtig jagen: Der Insider-Guide für smarte Online-Käufer“ (2026). Meine Spezialgebiete sind Mobilfunk-Tarife, Bonus-Deals, Tagesgeldkonten und das Finden echter Preisfehler bei großen Shops wie Amazon, MediaMarkt, Saturn und Otto. Mehr über mich: interlynx.de, unterwegs bin ich auch auf Mastodon. Habt ihr Fragen oder einen heißen Deal-Tipp? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, PN,oder über die Kontaktseite.

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