Kündigung trotz Krankschreibung: Diese Fristen und Rechte gelten
Eine Krankschreibung ist kein Kündigungsschutz: Der Arbeitgeber darf auch dann kündigen, wenn ihr arbeitsunfähig gemeldet seid. Entscheidend ist nicht euer Gesundheitszustand am Tag des Zugangs, sondern der Kündigungsgrund — und ob ihr die Drei-Wochen-Frist des Kündigungsschutzgesetzes einhaltet. Deutsche Arbeitsgerichte haben 2024 genau 177.581 Verfahren zum Gegenstand Kündigungen erledigt, 82,9 Prozent davon durch Vergleich. Stand: September 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine krankheitsbedingte Kündigung ist ein Unterfall der personenbedingten Kündigung nach Paragraf 1 Absatz 2 Kündigungsschutzgesetz — die Krankheit selbst ist nie der Grund, sondern ihre Folgen für den Betrieb.
- Die Kündigungsschutzklage muss nach Paragraf 4 KSchG binnen drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung beim Arbeitsgericht sein; danach gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an wirksam.
- Wer mehr als sechs Wochen im Jahr arbeitsunfähig war, hat Anspruch auf ein betriebliches Eingliederungsmanagement — fehlt es, muss der Arbeitgeber vor Gericht deutlich mehr darlegen.
- Kündigt der Arbeitgeber aus Anlass der Arbeitsunfähigkeit, läuft die Entgeltfortzahlung nach Paragraf 8 Entgeltfortzahlungsgesetz weiter — auch über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus.
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Schützt eine Krankschreibung vor der Kündigung?
Nein. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hindert den Arbeitgeber nicht daran, das Arbeitsverhältnis zu beenden — sie ist ein Nachweis gegenüber Arbeitgeber und Krankenkasse, kein Schutzschild. Der allgemeine Kündigungsschutz hängt an zwei ganz anderen Zahlen: Nach Paragraf 1 Absatz 1 Kündigungsschutzgesetz muss das Arbeitsverhältnis ohne Unterbrechung länger als sechs Monate bestanden haben, und nach Paragraf 23 Absatz 1 KSchG gilt der Erste Abschnitt nicht in Betrieben mit zehn oder weniger Arbeitnehmern, sofern die Beschäftigung nach dem 31. Dezember 2003 begonnen hat.
Wer beides erfüllt, ist nicht unkündbar, sondern verlangt vom Arbeitgeber einen Grund, der in der Person, im Verhalten oder in dringenden betrieblichen Erfordernissen liegt. Die Krankschreibung selbst gehört zu keiner dieser drei Kategorien. Sie kann sogar völlig irrelevant sein: Wird ein Standort geschlossen, trifft die betriebsbedingte Kündigung genauso die Beschäftigten, die gerade zu Hause im Bett liegen.
Umgekehrt gilt aber auch: Die Krankschreibung macht eine Kündigung nicht automatisch wirksam. Wer wegen häufiger Fehlzeiten oder einer Langzeiterkrankung kündigen will, muss eine sehr hohe Hürde nehmen — dazu gleich mehr. In Kleinbetrieben unterhalb der Zehn-Personen-Schwelle fällt diese Hürde weg; dort bleiben nur allgemeine Grenzen wie das Maßregelungsverbot, das Benachteiligungsverbot und die Sittenwidrigkeit.
Wichtig für die Praxis: Die Paragrafen 4 bis 7 KSchG sind von der Kleinbetriebsklausel ausdrücklich ausgenommen. Die Drei-Wochen-Frist läuft also auch dann, wenn ihr in einem Betrieb mit drei Beschäftigten arbeitet und der Kündigungsschutz gar nicht greift. Wer sie verstreichen lässt, verliert selbst die Einwände, die im Kleinbetrieb noch möglich wären.
| Stichwort | Wert | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Wartezeit Kündigungsschutz | mehr als 6 Monate | Paragraf 1 Abs. 1 KSchG |
| Kleinbetriebsschwelle | mehr als 10 Arbeitnehmer | Paragraf 23 Abs. 1 KSchG |
| Kündigungsschutzklage | 3 Wochen ab Zugang | Paragraf 4 KSchG |
| Fristlose Kündigung | 2 Wochen ab Kenntnis | Paragraf 626 Abs. 2 BGB |
| Anspruch auf BEM | mehr als 6 Wochen AU im Jahr | Paragraf 167 Abs. 2 SGB IX |
| Entgeltfortzahlung | bis zu 6 Wochen | Paragraf 3 Abs. 1 EntgFG |
Die sechs Zahlen, die in einem Kündigungsfall mit Krankschreibung fast immer zuerst gebraucht werden. Teilzeitkräfte zählen bei der Betriebsgröße nur anteilig: bis 20 Wochenstunden mit 0,5, bis 30 Stunden mit 0,75.
Wann ist eine krankheitsbedingte Kündigung wirksam?

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz
Das Bundesarbeitsgericht prüft die soziale Rechtfertigung in drei Stufen, und alle drei müssen erfüllt sein. Erstens braucht es eine negative Gesundheitsprognose zum Zeitpunkt des Zugangs der Kündigung, zweitens eine erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen, drittens eine Interessenabwägung, die zulasten des Arbeitnehmers ausgeht. Fehlt eine Stufe, ist die Kündigung unwirksam — auch wenn die Fehlzeiten objektiv hoch waren.
Wie streng die erste Stufe ist, zeigt die Entscheidung des Zweiten Senats vom 13. Mai 2015. Eine dauerhafte Leistungsunfähigkeit wird danach erst dann angenommen, wenn die Ungewissheit über die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit so lange andauert, dass — so das Gericht wörtlich — „jedenfalls in den nächsten 24 Monaten mit einer Genesung nicht gerechnet werden kann“ (BAG, 13.05.2015, Az. 2 AZR 565/14). Einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren kann ein Arbeitgeber typischerweise mit einer Ersatzkraft überbrücken.
Auf der zweiten Stufe zählen konkrete Belastungen: Entgeltfortzahlungskosten über mehrere Jahre, Störungen im Betriebsablauf, dauerhaft nötige Überstunden der Kollegen. Ein pauschaler Hinweis auf „hohe Ausfallzeiten“ genügt nicht. Bei häufigen Kurzerkrankungen muss der Arbeitgeber die Fehlzeiten der vergangenen Jahre aufschlüsseln und darlegen, warum daraus eine Wiederholung folgt — eine sinkende Tendenz spricht gegen die Prognose.
Die dritte Stufe ist die Verhältnismäßigkeit. Dauer der Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten und die Frage, ob die Erkrankung betrieblich verursacht wurde, fließen ein. Vor allem aber gilt das Gebot des mildesten Mittels: Gibt es einen leidensgerechten anderen Arbeitsplatz, eine Umsetzung oder eine Anpassung der Arbeitsbedingungen, geht das der Beendigung vor. Wie weit der Arbeitgeber euch dabei einseitig anders einsetzen darf, steht in unserem Ratgeber zur Versetzung im Arbeitsrecht.
Was das BEM mit der Kündigung zu tun hat
Das betriebliche Eingliederungsmanagement ist die Pflicht des Arbeitgebers, nach längerer Krankheit gemeinsam mit euch nach Lösungen zu suchen. Ausgelöst wird sie, wenn Beschäftigte nach Paragraf 167 Absatz 2 SGB IX innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Beteiligt werden die Interessenvertretung, bei schwerbehinderten Beschäftigten die Schwerbehindertenvertretung und auf Wunsch der Betriebsarzt.
Hier liegt der häufigste Irrtum in beide Richtungen. Das BEM ist keine formelle Wirksamkeitsvoraussetzung: Eine Kündigung ist nicht schon deshalb unwirksam, weil kein Verfahren stattgefunden hat. Umgekehrt ist ein durchgeführtes BEM auch kein Freibrief. Was sich verschiebt, ist die Beweislast — und das entscheidet Prozesse.
Genau das hat der Zweite Senat am 7. Mai 2026 noch einmal bestätigt. Hat der Arbeitgeber ein pflichtiges BEM nicht durchgeführt, muss er darlegen und beweisen, dass das Verfahren keinen positiven Beitrag zur Vermeidung künftiger Arbeitsunfähigkeitszeiten hätte leisten können und dass keine milderen Mittel als die Beendigung zur Verfügung standen. Im entschiedenen Fall gelang ihm das nicht, die Revision wurde zurückgewiesen und das Arbeitsverhältnis blieb bestehen (BAG, 07.05.2026, Az. 2 AZR 184/25).
Praktisch heißt das: Eine Einladung zum BEM solltet ihr nicht reflexhaft ablehnen, aber auch nicht als Verhör missverstehen. Die Teilnahme ist freiwillig, die Ablehnung darf euch nicht zum Nachteil gereichen, und Diagnosen müsst ihr dort nicht offenlegen. Sinnvoll ist es, eine Vertrauensperson mitzunehmen und die besprochenen Maßnahmen schriftlich festhalten zu lassen.
Drei Wochen: die Frist für die Kündigungsschutzklage

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz
Das ist die wichtigste Frist des gesamten Themas. Wer geltend machen will, dass eine Kündigung unwirksam ist, muss nach Paragraf 4 KSchG innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung Klage beim Arbeitsgericht auf Feststellung erheben, dass das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgelöst ist. Versäumt ihr das, gilt die Kündigung nach Paragraf 7 KSchG als von Anfang an rechtswirksam — unabhängig davon, wie schlecht sie begründet war.
Die Frist beginnt mit dem Zugang, nicht mit dem Datum auf dem Schreiben und nicht mit dem Tag, an dem ihr wieder gesund seid. Eine Ausnahme nennt das Gesetz selbst: Bedarf die Kündigung der Zustimmung einer Behörde, läuft die Frist erst ab der Bekanntgabe der Behördenentscheidung. Das betrifft vor allem schwerbehinderte Menschen, bei denen das Integrationsamt zustimmen muss.
Gerichtsverfahren wegen einer Kündigung sind Alltag und enden selten mit einem Urteil. Das Statistische Bundesamt weist für 2024 insgesamt 177.581 vor den Arbeitsgerichten erledigte Verfahren zum Gegenstand Kündigungen aus; 147.298 davon endeten mit einem gerichtlichen Vergleich und nur 6.466 mit einem streitigen Urteil. Die durchschnittliche Verfahrensdauer lag bei 2,6 Monaten, bei den streitig entschiedenen Fällen dagegen bei 7,2 Monaten.
| Erledigungsart 2024 | Anteil |
|---|---|
| Gerichtlicher Vergleich | 82,9 Prozent |
| Rücknahme der Klage | 6,6 Prozent |
| Sonstige Erledigung | 4,0 Prozent |
| Streitiges Urteil | 3,6 Prozent |
| Versäumnis- oder Anerkenntnisurteil | 2,7 Prozent |
Alle vor deutschen Arbeitsgerichten 2024 erledigten Verfahren mit dem Gegenstand Kündigungen, Quelle: Statistischer Bericht Arbeitsgerichte 2024 des Statistischen Bundesamts, Tabellen 24281-06 und 24281-18, erschienen am 08.08.2025. Knapp 74 Prozent aller Verfahren waren binnen drei Monaten beendet.
Entgeltfortzahlung und Krankengeld nach der Kündigung

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Hier steckt der Schutz, den die Schlagzeilen meist unterschlagen. Nach Paragraf 3 Absatz 1 Entgeltfortzahlungsgesetz zahlt der Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit bis zu sechs Wochen weiter, sofern das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen ununterbrochen bestanden hat. Und Paragraf 8 Absatz 1 EntgFG stellt klar: „Der Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts wird nicht dadurch berührt, daß der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis aus Anlaß der Arbeitsunfähigkeit kündigt.“
Das ist eine echte Anlasskündigungssperre für das Geld, nicht für den Arbeitsplatz: Der Arbeitgeber muss die sechs Wochen auch dann vollständig zahlen, wenn das Arbeitsverhältnis vorher endet. Kündigt er dagegen aus anderen Gründen — betriebsbedingt, verhaltensbedingt — greift Absatz 2, und der Anspruch endet mit dem Arbeitsverhältnis. Wer den Vorwurf erhebt, die Krankheit sei der Anlass gewesen, muss das allerdings belegen; der zeitliche Zusammenhang allein reicht nicht.
Läuft die Arbeitsunfähigkeit über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus, springt die Krankenkasse ein. Nach Paragraf 192 Absatz 1 Nummer 2 SGB V bleibt die Mitgliedschaft bestehen, solange Anspruch auf Krankengeld besteht oder es bezogen wird — ihr fallt also nicht am Tag des Austritts aus der Versicherung. Wie hoch das Krankengeld ausfällt, wie lange es läuft und was passiert, wenn die Kasse eure Arbeitsunfähigkeit prüfen lässt, haben wir in der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst aufgeschrieben.
Auch die eigene Kündigung im Krankenstand ist erlaubt und ändert nichts an der Frist: Eine Arbeitsunfähigkeit schiebt eine laufende Kündigungsfrist nicht hinaus. Nur beim Geld ist Vorsicht geboten — wer selbst kündigt, sollte wissen, dass eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld drohen kann. Was dann gilt und wie sich Arbeitslosengeld und Grundsicherung unterscheiden, steht in unserem Vergleich zu Grundsicherung und Arbeitslosengeld.
Fristlos wegen vorgetäuschter Krankheit: Wann der Beweiswert kippt
Eine ärztliche Bescheinigung hat einen hohen Beweiswert, aber keinen absoluten. Der Fünfte Senat hat am 8. September 2021 entschieden, dass dieser Beweiswert erschüttert sein kann, wenn die bescheinigte Arbeitsunfähigkeit passgenau die Restlaufzeit des Arbeitsverhältnisses abdeckt. Im Fall kündigte eine Arbeitnehmerin am 8. Februar zum 22. Februar und legte am selben Tag eine Bescheinigung genau bis zum 22. Februar vor — die Entgeltfortzahlung entfiel (BAG, 08.09.2021, Az. 5 AZR 149/21).
Der Arbeitgeber muss die Bescheinigung dafür nicht widerlegen. Es genügt, dass er tatsächliche Umstände darlegt, die ernsthafte Zweifel begründen. Erst dann seid ihr am Zug und müsst konkret vortragen, welche Beschwerden bestanden und wie sie sich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt haben — üblicherweise, indem ihr den behandelnden Arzt von der Schweigepflicht entbindet.
Von dort ist es nicht weit zur außerordentlichen Kündigung. Wer eine Arbeitsunfähigkeit vortäuscht oder trotz Krankschreibung genesungswidrig arbeitet, riskiert eine Kündigung aus wichtigem Grund. Nach Paragraf 626 Absatz 2 BGB hat der Arbeitgeber dafür allerdings nur zwei Wochen Zeit, gerechnet ab Kenntnis der maßgebenden Tatsachen. Lässt er die Frist verstreichen, bleibt allenfalls die ordentliche Kündigung.
Für eine telefonische Krankschreibung gilt nichts anderes: Sie ist eine reguläre Bescheinigung mit demselben Beweiswert und denselben Grenzen. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, steht in unserem Ratgeber zur telefonischen Krankschreibung.
Wer besonderen Kündigungsschutz hat — und wer nicht

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Neben dem allgemeinen Kündigungsschutz gibt es Gruppen, bei denen eine Kündigung zusätzlich von einer Behörde abgesegnet werden muss oder ganz ausgeschlossen ist. Der bekannteste Fall ist die Schwerbehinderung: Nach Paragraf 168 SGB IX bedarf die Kündigung des Arbeitsverhältnisses eines schwerbehinderten Menschen durch den Arbeitgeber der vorherigen Zustimmung des Integrationsamtes. Ohne diese Zustimmung ist die Kündigung unwirksam, und zwar unabhängig vom Grund.
Dieser Schutz beginnt allerdings nicht am ersten Arbeitstag. Paragraf 173 Absatz 1 Nummer 1 SGB IX nimmt Beschäftigte aus, deren Arbeitsverhältnis zum Zeitpunkt des Zugangs der Kündigungserklärung ohne Unterbrechung noch nicht länger als sechs Monate besteht. In den ersten sechs Monaten fällt also beides zugleich weg: die Wartezeit des KSchG und der Sonderkündigungsschutz. Welche weiteren Nachteilsausgleiche an den Ausweis geknüpft sind, steht in unserer Übersicht zu den Vorteilen des Schwerbehindertenausweises.
Ähnliche Zustimmungs- oder Verbotsregeln gelten während Schwangerschaft und Mutterschutz, in der Elternzeit, in der Pflegezeit sowie für Mitglieder von Betriebsrat, Jugend- und Auszubildendenvertretung und Wahlvorstand. Für alle gilt derselbe Merksatz wie oben: Auch wer besonderen Schutz genießt, muss die Drei-Wochen-Frist im Blick behalten, sobald ein Kündigungsschreiben im Briefkasten liegt.
MonsterDealz.de ist eine deutsche Deal-Community, die täglich geprüfte Schnäppchen kuratiert und Verbraucherthemen einordnet — eine individuelle Rechtsberatung ersetzt dieser Beitrag nicht. Erste Anlaufstellen sind der Rechtsschutz der Gewerkschaft, ein Sozialverband oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht; einen kostenlosen Überblick über das deutsche Arbeitsrecht bietet die Broschüre Arbeitsrecht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
Dieselbe Drei-Wochen-Frist gilt für jeden anderen Kündigungsgrund — und sie wird am häufigsten dort verschenkt, wo der Vorwurf zunächst harmlos klingt. Das Bundesarbeitsgericht hielt eine fristlose Kündigung schon bei 135 Minuten falsch dokumentierter Arbeitszeit an sieben Tagen aufrecht. Wo genau die Grenze zwischen Abmahnung und Kündigung verläuft, steht in unserem Ratgeber zum Arbeitszeitbetrug.
Kündigungsschutzklage erheben: Vor- & Nachteile im Überblick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Ohne Klage wird die Kündigung nach drei Wochen automatisch wirksam | In der ersten Instanz trägt jede Seite ihre Anwaltskosten selbst, auch die Gewinnerseite |
| Vier von fünf Verfahren enden im Vergleich, häufig mit einer Abfindungsregelung | Ein Anspruch auf Abfindung entsteht durch die Klage nicht automatisch |
| Die Klage erzwingt, dass der Arbeitgeber Prognose, Belastung und BEM darlegt | Streitig entschiedene Verfahren dauerten 2024 im Schnitt 7,2 Monate |
| Sie gilt auch im Kleinbetrieb, wo der allgemeine Kündigungsschutz fehlt | Das Arbeitsverhältnis bleibt während des Verfahrens in der Schwebe |
Häufige Fragen zu Kündigung und Krankschreibung
Muss ich dem Arbeitgeber meine Diagnose mitteilen?
Nein. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die euer Arbeitgeber erhält, enthält keine Diagnose, und ihr müsst sie auch nicht nachreichen. Anzuzeigen sind nur die Arbeitsunfähigkeit und ihre voraussichtliche Dauer. Anders liegt es, wenn im Prozess der Beweiswert der Bescheinigung erschüttert ist — dann müsst ihr die Beschwerden und ihre Auswirkungen konkret vortragen, wenn ihr die Entgeltfortzahlung behalten wollt.
Gilt der Kündigungsschutz auch in der Probezeit?
Nein. Der allgemeine Kündigungsschutz setzt nach Paragraf 1 Absatz 1 KSchG voraus, dass das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat. Auch der Sonderkündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen greift laut Paragraf 173 Absatz 1 Nummer 1 SGB IX in den ersten sechs Monaten noch nicht. Die Drei-Wochen-Klagefrist läuft trotzdem, ebenso die Schriftform und der Schutz vor Schwangeren- und Elternzeitkündigungen.
Wie wirkt sich eine Krankschreibung auf den Resturlaub aus?
Urlaubstage, die in eine ärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit fallen, werden nicht auf den Jahresurlaub angerechnet — ihr könnt sie später nehmen. Endet das Arbeitsverhältnis, bevor der Urlaub genommen werden kann, wird er abgegolten und ausgezahlt. Eine Freistellung in der Kündigungsfrist rechnet Urlaub nur dann an, wenn sie unwiderruflich und unter ausdrücklicher Anrechnung erklärt wurde.
Verlängert eine Krankschreibung die Kündigungsfrist?
Nein. Die Kündigungsfrist läuft kalendermäßig ab und wird durch Arbeitsunfähigkeit weder gehemmt noch verlängert. Das gilt in beide Richtungen, also auch bei einer Eigenkündigung. Wer während der Frist krank wird, bleibt bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses beschäftigt und erhält Entgeltfortzahlung im Rahmen der sechs Wochen.
Darf mir der Arbeitgeber fristlos kündigen, weil ich zu oft krank bin?
Häufige Kurzerkrankungen rechtfertigen in aller Regel keine außerordentliche Kündigung, weil sie niemandem vorwerfbar sind. Die fristlose Kündigung setzt nach Paragraf 626 Absatz 1 BGB einen wichtigen Grund voraus und muss binnen zwei Wochen ab Kenntnis erklärt werden. In Betracht kommt sie vor allem bei vorgetäuschter Arbeitsunfähigkeit oder bei beharrlicher Verletzung der Anzeige- und Nachweispflichten.
Was kann ich tun, wenn die Frist schon abgelaufen ist?
Dann hilft nur noch der Antrag auf nachträgliche Zulassung der Klage nach Paragraf 5 KSchG. Er setzt voraus, dass ihr trotz aller zumutbaren Sorgfalt an der rechtzeitigen Klage gehindert wart — eine schwere Erkrankung kann dazu zählen, bloßes Vergessen nicht. Der Antrag ist selbst fristgebunden und gehört in die Hände eines Fachanwalts oder des gewerkschaftlichen Rechtsschutzes.
Fazit: Die Frist entscheidet, nicht der Krankenschein
Der gelbe Schein ändert nichts daran, dass ein Kündigungsschreiben zugehen kann — und er ändert nichts daran, dass ab diesem Tag drei Wochen laufen. Wer in dieser Zeit handelt, verliert nichts: Die Klage kann jederzeit zurückgenommen werden, und in vier von fünf Fällen endet das Verfahren ohnehin im Vergleich. Wer sie verstreichen lässt, hat auch die beste Begründung verschenkt.
Sortiert deshalb in dieser Reihenfolge: Zugangsdatum notieren, Betriebsgröße und Beschäftigungsdauer prüfen, Kündigungsschreiben und alle Bescheinigungen kopieren, Beratung suchen. Und meldet euch am Tag nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses bei der Agentur für Arbeit, damit beim Geld keine Lücke entsteht.
Wenn das Einkommen wegbricht, wird der Rest des Haushalts schnell zur zweiten Baustelle. Was ihr tun könnt, bevor der Versorger die Zahlung anmahnt, steht in unserem Ratgeber zur Stromsperre; wie eine rechtssichere Vertragskündigung aussieht, zeigt unsere Kündigung Vorlage. Tagesaktuelle Angebote für den Alltag findet ihr auf unserer Startseite.