Entnahmerate im Ruhestand: Wie viel ihr im Monat wirklich ausgeben könnt

Die Entnahmerate ist der Anteil eures Vermögens, den ihr im ersten Ruhestandsjahr entnehmt — bei der bekannten Vier-Prozent-Regel sind das aus 100.000 Euro genau 4.000 Euro im Jahr oder 333,33 Euro im Monat, danach jedes Jahr um die Inflation erhöht. Diese Faustformel stammt aus einer US-Studie von 1994 und beschreibt keinen Durchschnittsfall, sondern den schlechtesten Startjahrgang der US-Börsengeschichte. Wir rechnen vier eigene Szenarien durch, zeigen die Formel dahinter und ziehen ab, was Kapitalertragsteuer, Teilfreistellung und Vorabpauschale kosten. Stand: September 2026.

Das Wichtigste in KĂŒrze

  • Die Vier-Prozent-Regel geht auf William Bengen zurĂŒck (Journal of Financial Planning, Oktober 1994). Sein Wert war 4,15 Prozent, ermittelt an US-Aktien und US-Staatsanleihen im VerhĂ€ltnis 50:50 ĂŒber 30 Jahre.
  • Auf andere LĂ€nder ĂŒbertragen hĂ€lt die Regel nicht: In einer Auswertung ĂŒber 17 IndustrielĂ€nder wĂ€re eine reale Entnahme von vier Prozent nur in vier LĂ€ndern sicher gewesen. Deutschland gehört nicht dazu.
  • Eigene Rechnung: Aus 100.000 Euro lassen sich ĂŒber 30 Jahre bei zwei Prozent Rendite 368,71 Euro im Monat entnehmen, bei fĂŒnf Prozent 530,06 Euro. Mit jĂ€hrlichem Inflationsausgleich sinken die StartbetrĂ€ge auf 277,78 beziehungsweise 416,35 Euro.
  • Der Fiskus greift zweimal zu: jĂ€hrlich ĂŒber die Vorabpauschale (Basiszins 2026: 3,20 Prozent) und beim Verkauf ĂŒber 26,375 Prozent auf den Gewinnanteil, gemindert um 30 Prozent Teilfreistellung bei Aktienfonds.
  • 65-jĂ€hrige MĂ€nner haben nach der Sterbetafel 2023/2025 noch 18,0 Jahre vor sich, Frauen 21,1 Jahre. Das ist ein Mittelwert — die HĂ€lfte lebt lĂ€nger, und genau darauf muss die Laufzeit ausgelegt sein.

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Was ist die Entnahmerate — und wie viel könnt ihr im Monat ausgeben?

GlasgefĂ€ĂŸ mit weißen Kieselsteinen und eine Reihe einzeln abgelegter Steine daneben

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Die Entnahmerate ist die jÀhrliche Entnahme geteilt durch das Vermögen zu Beginn des Ruhestands. Vier Prozent aus 100.000 Euro sind 4.000 Euro im Jahr oder 333,33 Euro im Monat (eigene Rechnung). Diese Zahl ist ein Startwert: Sie wird im zweiten Jahr nicht neu auf den dann aktuellen Depotstand bezogen, sondern nur um die Inflation erhöht.

Genau dieser Punkt wird regelmĂ€ĂŸig falsch wiedergegeben. „Vier Prozent vom Depot“ und „vier Prozent vom Startvermögen plus Inflation“ sind zwei verschiedene Strategien: Die erste kann rechnerisch nie auf null fallen, liefert nach einem Crash aber abrupt weniger Geld; die zweite ist planbar und kaufkraftstabil, kann das Depot dafĂŒr leerlaufen lassen.

Die simpelste Gegenprobe braucht gar keine Rendite: Wer 100.000 Euro in 20 Jahren gleichmĂ€ĂŸig aufbraucht, hat 416,67 Euro im Monat, ĂŒber 30 Jahre 277,78 Euro. Die Vier-Prozent-Regel liegt mit 333,33 Euro zwischen diesen Werten — sie ist eine Aussage ĂŒber Laufzeit und Sicherheitspuffer.

Abzugrenzen ist die Entnahmerate von der Ersatzquote: Die Ersatzquote misst, welchen Anteil eures letzten Nettoeinkommens die laufende Rente ersetzt, die Entnahmerate, was das private Vermögen zusĂ€tzlich hergibt. Wie das staatlich geförderte GegenstĂŒck aussehen soll, steht im Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.

Woher die Vier-Prozent-Regel stammt — und worauf sie sich bezieht

Die Regel geht auf den US-Finanzberater William Bengen zurĂŒck, der sie im Oktober 1994 im Journal of Financial Planning (Ausgabe 7, Heft 4, Seiten 171 bis 180) unter dem Titel „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“ veröffentlichte. Sein Ergebnis war kein glatter Wert, sondern 4,15 Prozent — der höchste Startsatz, der in keinem einzigen historischen 30-Jahres-Zeitraum zur Pleite gefĂŒhrt hĂ€tte.

Wichtig sind die Rahmenbedingungen, die bei der Wiedergabe fast immer verschwinden. Bengen rechnete mit US-Daten ab 1926, mit dem S&P 500 und fĂŒnfjĂ€hrigen US-Staatsanleihen im VerhĂ€ltnis 50:50, mit einer Entnahmedauer von 30 Jahren und mit jĂ€hrlicher Inflationsanpassung. Der kritische Startjahrgang war 1966 — nicht 1929. Den Namen „Vier-Prozent-Regel“ hat ĂŒbrigens nicht Bengen vergeben, sondern die Rezeption danach.

Der Startjahrgang 1966 zeigt, worum es in der Studie eigentlich geht: um das Reihenfolgerisiko. Wer in den ersten Ruhestandsjahren entnimmt, wĂ€hrend die Kurse fallen, verkauft Anteile billig und hat sie spĂ€ter nicht mehr im Depot, wenn die Erholung kommt. Zwei RuhestĂ€ndler mit identischer Durchschnittsrendite ĂŒber 30 Jahre können deshalb völlig unterschiedlich dastehen — je nachdem, in welcher Reihenfolge gute und schlechte Jahre kamen.

4,15 Prozent sind deshalb keine Renditeannahme, sondern eine Worst-Case-Zahl: Selbst im ungĂŒnstigsten Einstiegsjahr hĂ€tte es gereicht, in allen anderen blieb Geld ĂŒbrig. Was hinter dem Depot steckt, aus dem entnommen wird, erklĂ€ren wir im ETF-Vergleich.

Gilt die Vier-Prozent-Regel auch in Deutschland?

Unbeschriftete Papier-Weltkarte auf dunklem Holztisch mit Zirkel und Lineal

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Nein, jedenfalls nicht als Sicherheitsversprechen. Der Finanzwissenschaftler Wade Pfau hat die Rechnung fĂŒr 17 IndustrielĂ€nder ĂŒber 109 Jahre Finanzmarktdaten bis 2008 wiederholt und kommt in seiner Studie im Journal of Financial Planning zu einem eindeutigen Befund. In der Zusammenfassung heißt es wörtlich: „From an international perspective, a 4 percent real withdrawal rate is surprisingly risky. Even with some overly optimistic assumptions, it would have only provided ‚safety‘ in 4 of the 17 countries.“ Auf Deutsch: Aus internationaler Sicht ist eine reale Entnahme von vier Prozent ĂŒberraschend riskant und wĂ€re nur in vier der 17 LĂ€nder sicher gewesen.

Deutschland gehört nicht zu diesen vier. In einer Fortschreibung derselben Rechnung ĂŒber 20 LĂ€nder hĂ€lt Pfau auf Retirement Researcher fest, dass die Vier-Prozent-Regel in LĂ€ndern wie Spanien, Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich in mehr als der HĂ€lfte der Startjahre gescheitert wĂ€re; in elf von zwanzig LĂ€ndern lag der sichere Höchstsatz unter drei Prozent. Der Grund ist kein deutsches Sonderproblem der Gegenwart, sondern die Datenbasis: Der untersuchte Zeitraum enthĂ€lt fĂŒr Kontinentaleuropa zwei Weltkriege und zwei WĂ€hrungsschnitte, wĂ€hrend die USA im 20. Jahrhundert ein außergewöhnlich gĂŒnstiges Renditeumfeld hatten.

FĂŒr die Praxis heißt das nicht „vier Prozent sind verboten“, sondern „vier Prozent sind eine Annahme, keine Zusage“. Deutsche Quellen benutzen die Zahl denn auch als Rechenbeispiel statt als Garantie: Der Entnahmeplan-Rechner der Stiftung Warentest fĂŒhrt in seiner Anleitung zum Pantoffel-Entnahmeplan vor, dass 80.000 Euro bei vier Prozent ĂŒber 20 Jahre rund 482 Euro im Monat ergeben. Unsere eigene Nachrechnung liefert 484,78 Euro — die kleine Abweichung stammt aus der Verzinsungsmethode, nicht aus einem Fehler. Dazu kommt ein Punkt, den keine US-Studie abbilden kann: Bengen rechnete vor Steuern, in Deutschland geht von jeder Depotentnahme ein Teil an den Fiskus.

Wie viel tragen 100.000 Euro? Vier Szenarien zum Nachrechnen

Aus 100.000 Euro lassen sich ĂŒber 20 Jahre bei zwei Prozent Rendite 505,03 Euro im Monat entnehmen, bei fĂŒnf Prozent 653,84 Euro — beides eigene Rechnungen, beides bis zum vollstĂ€ndigen Kapitalverzehr. Über 30 Jahre sinken die BetrĂ€ge auf 368,71 beziehungsweise 530,06 Euro. Wir legen die Formel offen, damit ihr sie mit euren eigenen Werten wiederholen könnt.

Gerechnet wird mit der AnnuitĂ€tenformel fĂŒr den Kapitalverzehr: Monatsbetrag gleich Kapital mal Monatszins, geteilt durch eins minus (eins plus Monatszins) hoch minus Monatszahl. Der Monatszins ist die zwölfte Wurzel aus dem Jahresfaktor, nicht der Jahreszins geteilt durch zwölf. Angenommen sind 100.000 Euro Startkapital, konstante Rendite, keine Kosten, keine Steuern; das Kapital ist am Laufzeitende exakt aufgebraucht.

Laufzeit Rendite Entnahme je Monat
20 Jahre 2 Prozent 505,03 €
20 Jahre 5 Prozent 653,84 €
30 Jahre 2 Prozent 368,71 €
30 Jahre 5 Prozent 530,06 €

Eigene Rechnung, Stand September 2026: Entnahme aus 100.000 Euro ohne Inflationsausgleich, konstante Rendite, vollstÀndiger Kapitalverzehr am Laufzeitende.

Diese BetrĂ€ge bleiben ĂŒber die Laufzeit nominal gleich. Wer die Kaufkraft halten will, muss die Zahlung jedes Jahr anheben — und startet dann zwangslĂ€ufig niedriger. Die zweite Tabelle zeigt denselben Fall mit einem jĂ€hrlichen Inflationsausgleich von zwei Prozent; angegeben ist jeweils der Betrag im ersten Monat.

Laufzeit Rendite Startbetrag je Monat
20 Jahre 2 Prozent 416,67 €
20 Jahre 5 Prozent 549,72 €
30 Jahre 2 Prozent 277,78 €
30 Jahre 5 Prozent 416,35 €

Eigene Rechnung, Stand September 2026: gleiche Annahmen, aber mit jÀhrlicher Erhöhung der Entnahme um zwei Prozent. Ausgewiesen ist der Betrag des ersten Monats, die Folgejahre steigen.

Drei Dinge fallen auf. Erstens kostet der Inflationsausgleich ĂŒber 30 Jahre bei fĂŒnf Prozent Rendite 113,70 Euro im Monat, also gut ein FĂŒnftel des Startbetrags — der Preis fĂŒr KaufkraftstabilitĂ€t ist hoch und wird selten beziffert. Zweitens ist der Fall „20 Jahre, zwei Prozent Rendite, zwei Prozent Inflation“ mit 416,67 Euro exakt das Ergebnis von 100.000 geteilt durch 240: Wenn Rendite und Inflation gleich hoch sind, ist der Realzins null und die Verzinsung fĂ€llt rechnerisch weg.

Drittens, und das ist der wichtigste Befund unserer Rechnung: Der Fall „30 Jahre, fĂŒnf Prozent Rendite, mit Inflationsausgleich“ entspricht einer Anfangsentnahmerate von glatt 5,0 Prozent — deutlich ĂŒber Bengens 4,15 Prozent. Der Unterschied liegt nicht am Rechenweg, sondern an der Annahme. Unsere Tabelle unterstellt eine konstante Rendite, Bengen den schlechtesten realen Verlauf. Wer mit Durchschnittswerten rechnet, bekommt systematisch zu hohe Entnahmeraten heraus. Wer Geld parallel zinssicher parken will, findet die Unterschiede in unserem Vergleich von Tagesgeld und Festgeld.

Wie lange muss das Geld reichen — und was die Inflation davon abzieht

Halb durchgelaufene Sanduhr aus Holz und Glas auf heller Leinentischdecke

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Die Laufzeit ist der stĂ€rkste Hebel in der ganzen Rechnung, und sie ist schlecht schĂ€tzbar. Nach der Sterbetafel 2023/2025 des Statistischen Bundesamts, veröffentlicht am 7. Juli 2026, haben 65-jĂ€hrige MĂ€nner in Deutschland noch eine fernere Lebenserwartung von 18,0 Jahren, Frauen von 21,1 Jahren. Bei Geburt liegt die Lebenserwartung bei 78,8 Jahren fĂŒr MĂ€nner und 83,4 Jahren fĂŒr Frauen.

Diese Zahlen sind Mittelwerte, und ein Mittelwert ist fĂŒr eine Entnahmeplanung die falsche GrĂ¶ĂŸe: Die HĂ€lfte der 65-jĂ€hrigen Frauen erlebt mehr als 21,1 weitere Jahre. Genau deshalb rechnen die Studien mit 30 Jahren und nicht mit 18 oder 21 — der Puffer ist Teil der Methode.

Der zweite Faktor ist die Teuerung. Die Inflationsrate lag im August 2026 bei 2,9 Prozent, die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie bei 2,4 Prozent; das meldet das Statistische Bundesamt in seiner Pressemitteilung Nr. 320 vom 10. September 2026. Hauptursache waren erneut die Energiepreise. Bei 2,9 Prozent mĂŒssten aus heutigen 333,33 Euro nach 20 Jahren 590,45 Euro werden, nach 30 Jahren 785,84 Euro, um dieselbe Kaufkraft zu haben (eigene Rechnung).

Was das fĂŒr die Reichweite bedeutet, haben wir ebenfalls selbst durchgerechnet: Eine mit 2,9 Prozent indexierte Jahresentnahme von 4.000 Euro aus 100.000 Euro trĂ€gt bei fĂŒnf Prozent nominaler Rendite 35 Jahre, bei vier Prozent 29 Jahre und bei zwei Prozent nur 23 Jahre. Die Faustformel funktioniert also — aber die Renditeannahme entscheidet ĂŒber zwölf Jahre Unterschied. Welche Schwankungsbreite hinter einer Aktienrendite steckt, zeigen wir am Beispiel des MSCI World ETF.

Kapitalertragsteuer, Teilfreistellung und Vorabpauschale: was vom Betrag ĂŒbrig bleibt

Heller runder Kuchen auf weißem Teller mit einem herausgeschnittenen StĂŒck daneben

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Auf KapitalertrĂ€ge fallen 25 Prozent Einkommensteuer an, zuzĂŒglich 5,5 Prozent SolidaritĂ€tszuschlag darauf, also 26,375 Prozent. § 32d Absatz 1 Satz 1 EStG formuliert es so: „Die Einkommensteuer fĂŒr EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen, die nicht unter § 20 Absatz 8 fallen, betrĂ€gt 25 Prozent.“ Besteuert wird dabei nicht die Entnahme, sondern nur der darin enthaltene Gewinn — dieser Unterschied ist der am hĂ€ufigsten ĂŒbersehene Punkt der ganzen Rechnung.

Bei Fondsanteilen mindert die Teilfreistellung die Last. § 20 Absatz 1 InvStG bestimmt: „Steuerfrei sind bei Aktienfonds 30 Prozent der ErtrĂ€ge (Aktienteilfreistellung).“ Bei Mischfonds ist es die HĂ€lfte davon, also 15 Prozent. Dazu kommt der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro je Person und 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung nach § 20 Absatz 9 EStG.

Die dritte GrĂ¶ĂŸe ist die Vorabpauschale, und sie trifft auch, wer gar nichts verkauft. Nach § 18 InvStG wird der RĂŒcknahmepreis zu Jahresbeginn mit 70 Prozent des Basiszinses multipliziert; das Ergebnis ist höchstens die tatsĂ€chliche Wertsteigerung des Jahres und gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen. Der Basiszins zum 2. Januar 2026 betrĂ€gt 3,20 Prozent, bekanntgegeben mit BMF-Schreiben vom 13. Januar 2026 (Aktenzeichen IV C 1 – S 1980/00230/012/001).

Daraus folgt fĂŒr ein Depot von 100.000 Euro in einem thesaurierenden Aktienfonds unsere eigene Beispielrechnung: 100.000 Euro mal 3,20 Prozent mal 0,7 ergibt einen Basisertrag von 2.240 Euro. Nach 30 Prozent Teilfreistellung bleiben 1.568 Euro steuerpflichtig, nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 Euro sind es 568 Euro. Darauf 26,375 Prozent macht 149,81 Euro Steuer — fĂ€llig, obwohl kein einziger Anteil verkauft wurde. Voraussetzung ist, dass der Fonds im betreffenden Jahr ĂŒberhaupt im Wert gestiegen ist.

Rechenschritt Grundlage Betrag
Basisertrag 3,20 Prozent 2.240,00 €
nach Teilfreistellung 30 Prozent 1.568,00 €
nach Pauschbetrag 1.000 Euro 568,00 €
Steuer 26,375 Prozent 149,81 €

Eigene Beispielrechnung zur Vorabpauschale 2026, Stand September 2026. Angenommen sind 100.000 Euro in einem thesaurierenden Aktienfonds, voller Sparer-Pauschbetrag, keine Kirchensteuer und eine Wertsteigerung ĂŒber dem Basisertrag.

Beim eigentlichen Verkauf kommt die zweite Ebene. Angenommen, von 4.000 Euro Jahresentnahme sind 50 Prozent Kursgewinn, dann sind 2.000 Euro Gewinn, davon nach Teilfreistellung 1.400 Euro steuerpflichtig und darauf 369,25 Euro Steuer fĂ€llig — rund 9,2 Prozent der Bruttoentnahme. Aus 333,33 Euro im Monat werden so 302,56 Euro netto. Doppelt besteuert wird dabei nichts: § 19 InvStG bestimmt, dass der VerĂ€ußerungsgewinn „um die wĂ€hrend der Besitzzeit angesetzten Vorabpauschalen zu vermindern“ ist.

Bei einer grĂ¶ĂŸeren Einmalzahlung kommt vorher noch die FĂŒnftelregelung ins Spiel — nachzulesen im Ratgeber zur Abfindung und Steuer.

Feste Entnahme oder flexible Leitplanken: was der RealitÀtscheck zeigt

Ein echter Stresstest ĂŒber fĂŒnf Jahre spricht fĂŒr die feste Entnahme. Die Stiftung Warentest hat ihren Pantoffel-Entnahmeplan vom 31. Juli 2017 bis zum 31. Juli 2022 mit 120.000 Euro Startkapital und 500 Euro monatlicher Entnahme nachgerechnet — das entspricht einer Anfangsentnahmerate von glatt 5,0 Prozent, also deutlich ĂŒber Bengens Wert. Im RealitĂ€tscheck vom 26. August 2022 heißt es wörtlich: „Trotz Corona-Krise und Ukraine-Krieg – wer sich fĂŒr ein Pantoffel-Portfolio mit ausgewogener Mischung (50 Prozent Aktien und 50 Prozent Tagesgeld) oder mit offensiver Mischung (75 Prozent Aktien und 25 Prozent Tagesgeld) mit 120 000 Euro Startvermögen entschieden und monatlich ĂŒber die vergangenen fĂŒnf Jahre 500 Euro entnommen hat, hat aktuell mehr Vermögen im Portfolio als zu Beginn.“ Das ausgewogene Depot lag danach bei rund 130.000 Euro, das offensive bei rund 150.000 Euro.

FĂŒnf Jahre sind allerdings kein Beweis fĂŒr 30 Jahre, und der Zeitraum enthielt neben zwei Krisen auch eine außergewöhnlich starke Aktienphase. Der Befund zeigt vor allem eines: Eine feste Entnahme funktioniert, solange die ersten Jahre nicht dauerhaft negativ laufen — genau das ist das Reihenfolgerisiko.

Als Antwort darauf gibt es Leitplanken-Modelle. Die Mechanik ist einfach: Man definiert vorab ein Band um die geplante Entnahmerate, etwa plus/minus 20 Prozent. Steigt die laufende Rate durch Kursverluste ĂŒber die obere Leitplanke, wird die Auszahlung um einen festen Prozentsatz gesenkt; fĂ€llt sie unter die untere, darf sie steigen. Wer im Crashjahr weniger entnimmt, verkauft weniger Anteile zu tiefen Kursen. Der Preis ist ein schwankendes Monatsbudget, das im Ernstfall auch tragbar sein muss.

Eine dritte Variante ist der Auszahlplan bei einer Bank. Die Verbraucherzentrale beschreibt in ihrem Ratgeber Rente aus Geldanlage die beiden Grundformen: mit Kapitalverzehr, bei dem Zins und Anlagesumme in gleichen Raten ausgezahlt werden, und ohne Kapitalverzehr, bei dem nur die Zinsen fließen und das Kapital vererbt wird. Beide sind planbar, weil der Zins festgeschrieben ist — dafĂŒr ohne Inflationsausgleich und ohne Wertsteigerung. MonsterDealz.de ist eine deutsche Deal-Community, die tĂ€glich geprĂŒfte SchnĂ€ppchen kuratiert und aktive Mitglieder ĂŒber das M-Coins-Bonusprogramm mit Amazon-Gutscheinen belohnt — wir rechnen hier Mechanik und GrĂ¶ĂŸenordnungen nach und geben keine Anlageempfehlung.

Ob ihr eine dieser Formen umsetzen könnt, hÀngt am Anbieter: Einen automatischen Verkaufsplan bietet nicht jeder. Die Unterschiede stehen im Ratgeber zum Depot eröffnen.

Vor- & Nachteile einer festen Entnahmerate

Vorteile Nachteile
Planbarer Monatsbetrag, im Beispiel 333,33 Euro Die 4,15 Prozent stammen aus US-Daten ab 1926
Inflationsausgleich ist von Anfang an eingebaut In 11 von 20 LĂ€ndern lag der sichere Satz unter 3 Prozent
Ohne Rendite tragen 100.000 Euro noch 277,78 Euro ĂŒber 30 Jahre Reihenfolgerisiko: frĂŒhe Verluste wirken ĂŒberproportional
Einfach nachrechenbar, eine Formel genĂŒgt Steuer und Vorabpauschale sind nicht eingepreist

HĂ€ufige Fragen zur Entnahmerate im Ruhestand

Wie wirkt sich die Inflation real auf meine Kaufkraft im Alter aus?

Sie halbiert die Wirkung eines festen Betrags ĂŒber eine typische Ruhestandsdauer nahezu. Bei der im August 2026 gemessenen Rate von 2,9 Prozent mĂŒsste eine Zahlung von 333,33 Euro nach 20 Jahren auf 590,45 Euro steigen und nach 30 Jahren auf 785,84 Euro, damit dieselbe Menge gekauft werden kann (eigene Rechnung). Wer ohne Inflationsausgleich plant, plant also eine schleichende KĂŒrzung ein. Umgekehrt kostet der Ausgleich Startbetrag: In unserer Tabelle sind es ĂŒber 30 Jahre bei fĂŒnf Prozent Rendite 113,70 Euro im Monat.

Muss ich die RentenbeitrÀge auf meine private Entnahme erneut versteuern?

Nein. Die Entnahme aus einem Wertpapierdepot ist kein Rentenbezug, sondern eine VerĂ€ußerung. Besteuert wird ausschließlich der darin enthaltene Kursgewinn mit 26,375 Prozent nach § 32d EStG, gemindert um Teilfreistellung und Sparer-Pauschbetrag. Was ihr frĂŒher an BeitrĂ€gen zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt habt, spielt dabei keine Rolle — das sind zwei getrennte Systeme. Getrennt zu betrachten sind auch die KrankenkassenbeitrĂ€ge: § 237 SGB V zĂ€hlt die beitragspflichtigen Einnahmen pflichtversicherter Rentner abschließend auf, KapitalertrĂ€ge stehen dort nicht; bei freiwillig Versicherten stellt § 240 SGB V dagegen auf die gesamte wirtschaftliche LeistungsfĂ€higkeit ab.

Ist eine Entnahmerate von 7 Prozent sicher?

Nach den vorliegenden Auswertungen nicht. Sieben Prozent aus 100.000 Euro sind 583,33 Euro im Monat — mehr als unsere Rechnung selbst im gĂŒnstigsten Szenario mit Inflationsausgleich hergibt (549,72 Euro ĂŒber 20 Jahre bei fĂŒnf Prozent Rendite). Ohne Ausgleich sind bei fĂŒnf Prozent Rendite ĂŒber 20 Jahre zwar 653,84 Euro möglich, also 7,85 Prozent; danach ist das Geld weg. Sieben Prozent sind damit eine Entnahme auf Zeit, kein dauerhafter Satz.

Welche Entnahmerate ist fĂŒr FIRE geeignet?

Das ist vor allem eine Laufzeitfrage. Bengens 4,15 Prozent beziehen sich ausdrĂŒcklich auf 30 Jahre; wer mit 45 aufhört, plant 45 bis 50 Jahre. Unsere Rechnung zeigt den Effekt schon zwischen 20 und 30 Jahren: bei zwei Prozent Rendite fĂ€llt der mögliche Monatsbetrag von 505,03 auf 368,71 Euro, also um gut ein Viertel.

Was ist der Unterschied zwischen Entnahmerate und Ersatzquote?

Die Ersatzquote setzt die laufende Rente ins VerhĂ€ltnis zum letzten Erwerbseinkommen und beschreibt damit die LĂŒcke. Die Entnahmerate beschreibt, wie viel privates Vermögen ihr jĂ€hrlich einsetzen könnt, um diese LĂŒcke zu schließen. Beide GrĂ¶ĂŸen zusammen ergeben das Budget: Wer 4.000 Euro im Jahr aus dem Depot entnimmt, hebt sein Jahresbudget um diesen Betrag ĂŒber die Rente hinaus. Wie sich die gesetzliche Seite 2027 entwickelt, steht in unserer Übersicht zur Rentenerhöhung 2027.

Was passiert, wenn die Börse im ersten Ruhestandsjahr einbricht?

Dann wirkt der Verlust doppelt, weil ihr zusĂ€tzlich Anteile zu niedrigen Kursen verkauft. Genau das ist der Grund fĂŒr Bengens niedrigen Wert: Sein kritischer Startjahrgang war 1966, nicht 1929. Zwei AnsĂ€tze begegnen dem — ein LiquiditĂ€tspuffer aus Tagesgeld oder ein Leitplanken-Modell. Beides verringert die VerkĂ€ufe im Tief, kostet aber Rendite oder Planbarkeit.

ZĂ€hlt die Vorabpauschale auch, wenn ich gar nichts verkaufe?

Ja. Sie fĂ€llt allein auf den Bestand an, sofern der Fondswert im Jahr gestiegen ist, und gilt nach § 18 Absatz 3 InvStG am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen — in unserem Beispiel 149,81 Euro. Sie wird beim Verkauf gegengerechnet, verschiebt aber LiquiditĂ€t nach vorn: Auf dem Verrechnungskonto sollte zum Jahreswechsel Geld liegen.

Fazit: Die richtige Zahl hÀngt an eurer Laufzeit, nicht an einer Faustregel

Die Vier-Prozent-Regel ist ein sinnvoller Ausgangspunkt und ein schlechter Endpunkt. Sie stammt aus US-Daten, unterstellt 30 Jahre Laufzeit, eine Mischung aus Aktien und Anleihen zu gleichen Teilen und rechnet vor Steuern; auf 17 LĂ€nder ĂŒbertragen hĂ€tte sie in nur vier gehalten. Unsere eigene Rechnung zeigt die Spannweite: zwischen 277,78 und 653,84 Euro im Monat aus denselben 100.000 Euro, je nach Laufzeit, Rendite und Inflationsausgleich.

Wer den Wert fĂŒr sich bestimmen will, braucht drei Entscheidungen und keine Regel: die Laufzeit, die ehrlich ĂŒber der durchschnittlichen Lebenserwartung liegen sollte, die Renditeannahme, die konservativ sein muss, und die Frage, ob der Betrag kaufkraftstabil bleiben soll. Danach kommt die Steuer, die mit Vorabpauschale und Abgeltungsteuer im Beispiel rund 520 Euro im Jahr ausmacht. Unter den 1.288 veröffentlichten Magazin-Ratgebern auf unserer Seite drehen sich 31 um Geldanlage, Depot und Rente — welche das sind und was sonst gerade gĂŒnstig ist, steht auf der MonsterDealz-Startseite. Wer parallel noch arbeitet, sollte zusĂ€tzlich die Regeln zur Teilrente ab 2027 kennen.

Über den Autor

Florian Silbereis

Ich bin Florian, 44 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und GrĂŒnder von MonsterDealz.de. Seit ĂŒber 17 Jahren spĂŒre ich tĂ€glich die besten Online-Deals, Preisfehler und Cashback-Aktionen auf — mein Wissen daraus steckt im Ratgeber „SchnĂ€ppchen richtig jagen: Der Insider-Guide fĂŒr smarte Online-KĂ€ufer“ (2026). Meine Spezialgebiete sind Mobilfunk-Tarife, Bonus-Deals, Tagesgeldkonten und das Finden echter Preisfehler bei großen Shops wie Amazon, MediaMarkt, Saturn und Otto. Mehr ĂŒber mich: interlynx.de, unterwegs bin ich auch auf Mastodon. Habt ihr Fragen oder einen heißen Deal-Tipp? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, PN,oder ĂŒber die Kontaktseite.

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