Altersvorsorgedepot 2027: Förderung, Anlage und alle Optionen im Überblick

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ablöst — ohne Beitragsgarantie, dafür mit ETFs, Fonds und bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr.

Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat am 8. Mai 2026 zugestimmt. Für diesen Ratgeber haben wir am 2. September 2026 zwölf Anbieterseiten geprüft: Bei dreien könnt ihr euch schon heute registrieren, aber kein einziger nennt bislang seine eigenen Kosten — und genau daran entscheidet sich, was am Ende bei euch ankommt. Stand: September 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Start am 1. Januar 2027 — Riester wird durch das Altersvorsorgedepot ersetzt
  • Grundzulage bis 540 € pro Jahr, plus 300 € Kinderzulage je Kind und 200 € Berufseinsteigerbonus
  • Anlage in ETFs und Fonds, in der Ansparphase komplett steuerfrei
  • Drei Varianten: freies Depot, Standarddepot (Kosten gedeckelt auf 1,0 %) und Garantieprodukt
  • Unsere Erhebung vom 2. September 2026: 3 von 9 auswertbaren Anbieterseiten sammeln bereits Daten, 0 nennen eigene Kosten

Anzeige / Transparenz: Dieser Artikel enthält Partner-Links zu unseren Deal-Übersichten. Kauft ihr über einen solchen Link, erhalten wir eine kleine Provision. Für euch bleibt der Preis identisch — zu den hier genannten Anbietern des Altersvorsorgedepots bestehen keine Provisionsvereinbarungen.

Was ist das Altersvorsorgedepot — und warum ersetzt es Riester?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, mit dem ihr langfristig fürs Alter spart und dabei am Kapitalmarkt anlegt — mit bis zu 540 Euro Zulage pro Jahr und ohne die Beitragsgarantie, die bei Riester Pflicht war. Rund 15 Millionen Riester-Verträge stagnierten jahrelang, weil das alte Modell als zu teuer, zu kompliziert und zu renditeschwach galt.

Der entscheidende Unterschied steckt in der weggefallenen Garantie. Weil ein Anbieter nicht mehr zusagen muss, dass am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge da sind, muss er auch nicht mehr den Großteil eures Geldes in niedrig verzinste Sicherheitsanlagen stecken. Damit ist die staatlich geförderte Altersvorsorge ETF-fähig geworden — zum ersten Mal überhaupt in Deutschland.

Für euch heißt das zweierlei: mehr Renditechance, aber auch mehr Verantwortung. Beim alten Riester war die Produktauswahl klein und die Rendite überschaubar, dafür konnte am Ende wenig schiefgehen. Beim neuen Altersvorsorgedepot entscheidet ihr selbst über Anlage und Anbieter — und damit über zwei Stellschrauben, die über Jahrzehnte einen fünfstelligen Unterschied machen können.

Wie ist der aktuelle Stand — was ist beschlossen und was fehlt noch?

Altersvorsorgedepot 2027 Ratgeber Schreibtisch mit Unterlagen

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Der Gesetzgebungsweg ist abgeschlossen: Der Bundestag beschloss das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu, Ende Mai 2026 trat es in Kraft. Wer nach dem aktuellen Stand des Gesetzentwurfs sucht, findet also kein laufendes Verfahren mehr, sondern geltendes Recht mit einem Startdatum.

Offen ist etwas anderes — und das wird in der Berichterstattung oft übersehen. Die Bundesregierung wurde ermächtigt, ein staatlich verwaltetes Standarddepot anzubieten; wer dieses öffentliche Angebot betreiben soll und zu welchen Konditionen, ist bis heute nicht festgelegt. Für die Verordnung dazu gibt es keinen veröffentlichten Termin. Wer auf ein günstiges Angebot des Staates wartet, plant also mit etwas, das zum Start am 1. Januar 2027 nicht gesichert ist.

Verkaufen dürfen Banken, Versicherer, Fondsgesellschaften und Broker das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 — keinen Tag früher. Alles, was ihr bis dahin seht, sind Ankündigungen und Registrierungsformulare, keine abschließbaren Verträge.

Wie hoch ist die staatliche Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Altersvorsorgedepot Foerderung Zulagen Paar baut Vermoegen auf

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Die Grundzulage beträgt maximal 540 Euro pro Jahr und wird beitragsproportional berechnet: Für jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro gibt der Staat 50 Cent dazu, für jeden weiteren Euro von 361 bis 1.800 Euro noch 25 Cent. Wer die vollen 1.800 Euro im Jahr spart, bekommt damit die maximalen 540 Euro — das sind 30 Prozent auf den geförderten Höchstbetrag.

Damit überhaupt Zulagen fließen, müsst ihr mindestens 120 Euro pro Jahr einzahlen, also 10 Euro im Monat. Der komplizierte Mindesteigenbeitrag aus der Riester-Welt, für den man erst sein Vorjahreseinkommen kennen musste, entfällt ersatzlos. Das ist der praktisch wichtigste Fortschritt der Reform: Die Zulage lässt sich künftig im Kopf ausrechnen.

Familien profitieren doppelt. Pro Kind gibt es 1 Euro Kinderzulage für jeden selbst gesparten Euro, maximal 300 Euro je Kind — die volle Kinderzulage erreicht ihr also schon mit 300 Euro Eigenbeitrag im Jahr, rund 25 Euro im Monat. Wer den Vertrag vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus obendrauf. Einzahlen dürft ihr bis zu 6.840 Euro pro Jahr, gefördert werden davon 1.800 Euro; alles darüber ist erlaubt, bringt aber keine zusätzliche Zulage. Alle Werte stehen so in den offiziellen FAQ des Bundesfinanzministeriums zur Reform der privaten Altersvorsorge.

Was bringt die Förderung konkret? Drei Rechenbeispiele

Ein Altersvorsorgedepot-Rechner ist eines der meistgesuchten Werkzeuge zum Thema — dabei lässt sich die Zulage mit der neuen Formel in drei Zeilen selbst nachrechnen. Wichtig ist nur, die beiden Stufen auseinanderzuhalten: 50 Cent je Euro bis 360 Euro, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro.

Eigenbeitrag pro Jahr Grundzulage Förderquote
120 € (10 € im Monat) 60 € 50 %
360 € (30 € im Monat) 180 € 50 %
1.800 € (150 € im Monat) 540 € 30 %

Eigene Berechnung nach der Zulagenformel des Altersvorsorgereformgesetzes (Grundzulage ohne Kinderzulage und ohne Berufseinsteigerbonus).

Die Zahlen zeigen einen Effekt, der in der Diskussion oft untergeht: Die Förderquote ist bei kleinen Sparraten am höchsten. Wer 30 Euro im Monat zurücklegt, bekommt vom Staat die Hälfte obendrauf; wer das Fünffache spart, bekommt nur noch 30 Prozent. Für Menschen mit kleinem Budget ist das Altersvorsorgedepot damit relativ gesehen attraktiver als für Gutverdiener — bei Riester war es wegen des einkommensabhängigen Mindesteigenbeitrags genau umgekehrt.

Kommen Kinder dazu, kippt die Rechnung noch deutlicher zugunsten kleiner Beiträge. Eine Familie mit zwei Kindern, die 660 Euro im Jahr einzahlt (360 Euro für sich, je 150 Euro je Kind), sammelt 180 Euro Grundzulage plus 300 Euro Kinderzulage — 480 Euro Förderung auf 660 Euro Eigenleistung. Was daraus über 30 Jahre wird, hängt allerdings an einer einzigen weiteren Größe: den Kosten. Dazu weiter unten mehr.

Welche Varianten des Altersvorsorgedepots gibt es?

Ab 2027 stehen drei Produktkategorien zur Wahl, und eine davon ist gesetzlich in ihren Kosten gedeckelt. Welche zu euch passt, hängt davon ab, wie viel Schwankung ihr aushaltet und wie viel ihr selbst entscheiden wollt.

  • Freies Altersvorsorgedepot: Ihr wählt die Anlagen selbst aus der gesetzlichen Positivliste. Maximale Renditechance, keine Garantie — geeignet für alle mit etwas Kapitalmarkt-Erfahrung und mindestens 15 Jahren Anlagehorizont.
  • Standarddepot: Die Einsteigervariante, die jeder Anbieter führen muss (oder auf das Standarddepot eines Partners verweisen muss). Es bespart zwei Fonds — einen vorsichtigen, einen chancenreichen — und schichtet vor Rentenbeginn automatisch um. Die Effektivkosten sind auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt.
  • Garantieprodukt: Für Sicherheitsorientierte, mit einer Beitragsgarantie von 80 oder 100 Prozent. Die 80-Prozent-Stufe lässt mehr Rendite zu, die 100-Prozent-Stufe schützt jeden eingezahlten Euro — kostet dafür aber genau die Renditechance, wegen der die Reform überhaupt gemacht wurde.

Der Kostendeckel gilt nur für das Standarddepot — das ist die Stelle, an der die meisten Zusammenfassungen ungenau werden. Beim freien Depot und beim Garantieprodukt darf der Anbieter verlangen, was er für durchsetzbar hält. Wer also liest „Kosten auf 1 Prozent begrenzt“, sollte immer nachsehen, um welche der drei Varianten es geht. Für das grundsätzliche Vorgehen bei der Depotwahl haben wir einen eigenen Ratgeber: Depot eröffnen in 6 Schritten.

Welche Anbieter haben ein Altersvorsorgedepot angekündigt?

Altersvorsorgedepot Anbieter vergleichen Unterlagen am Schreibtisch

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Wir haben am 2. September 2026 zwölf Anbieterseiten zum Altersvorsorgedepot abgerufen und ausgewertet — Direktbanken, Broker, Fondsgesellschaften und Versicherer. Neun davon lieferten auswertbaren Seiteninhalt, acht nennen den Starttermin 1. Januar 2027, und drei sammeln bereits vor dem Start persönliche Daten ein. Bei Zurich, Trade Republic und comdirect ließ sich keine öffentlich auswertbare Produktseite abrufen; deren Planungen sagt unsere Erhebung deshalb ausdrücklich nichts.

Anbieter Vormerkung möglich Eigene Kosten genannt
ING ja („Starteliste“) nein
Scalable Capital ja (Konto-Zusatz) nein
DKB ja (Newsletter) nein
Union Investment nein nein
Deutsche Bank nein nein
Alte Leipziger nein nein
Württembergische nein (Beratung) nein
Volksbanken Raiffeisenbanken nein nein

Eigene Erhebung der MonsterDealz-Redaktion, Abruf am 2. September 2026. „Eigene Kosten genannt“ heißt: beziffert der Anbieter seine eigenen Effektivkosten für sein Altersvorsorgedepot? Der gesetzliche 1,0-Prozent-Deckel für das Standarddepot zählt dabei nicht als eigene Angabe.

Das Ergebnis ist eindeutiger, als wir erwartet hatten: Kein einziger der neun auswertbaren Anbieter beziffert bislang, was sein Altersvorsorgedepot kosten wird. Genannt wird höchstens der gesetzliche Deckel von 1,0 Prozent für das Standarddepot — also eine Obergrenze, die für alle gilt, und kein Preis. Zum Vergleich: Scalable Capital wirbt auf derselben Seite sehr wohl mit konkreten Zahlen, etwa 2,60 Prozent Zinsen auf das Tagesgeld. Die Bereitschaft, Zahlen zu nennen, endet also genau dort, wo es um die eigene Marge geht.

Ein zweiter Befund betrifft den Vertriebsweg. Die Direktbanken und Broker im Feld führen euch auf ein Online-Formular, die Versicherer dagegen in ein Beratungsgespräch — die Württembergische etwa schreibt, der Abschluss solle „nicht ohne eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Beratung erfolgen“. Das ist rechtlich unangreifbar und für viele auch sinnvoll, führt aber in der Praxis zu provisionsbasierten Verkaufsgesprächen — und damit zu genau der Kostenfrage aus dem nächsten Abschnitt.

Was kostet ein Altersvorsorgedepot — und warum ist das die wichtigste Frage?

Altersvorsorgedepot Kosten mindern die Rendite zwei Glaeser im Vergleich

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Bei einem Anlagehorizont von 40 Jahren frisst schon der gesetzlich erlaubte Höchstsatz von 1,0 Prozent nach Rechnung der Verbraucherzentralen rund ein Drittel der Kapitalmarkterträge auf. Teurere Varianten, die als „Premium“ vermarktet werden, können nach deren Einschätzung bei 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr und darüber liegen — bei gleicher Anlage und gleicher Zulage bleibt davon am Ende erheblich weniger übrig.

Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, bringt es auf einen Satz:

„Kosten sind der zentrale Renditefaktor, weil sie langfristig einen erheblichen Teil der Kapitalmarkterträge auffressen können.“ — Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, zitiert nach biallo.de

Das ist keine Detailfrage für Feinschmecker, sondern die einzige Stellschraube, die ihr vor Vertragsabschluss vollständig kontrolliert. Die Rendite des Kapitalmarkts könnt ihr nicht beeinflussen, die Zulagen sind gesetzlich fixiert, eure Sparrate ist durch euer Einkommen begrenzt — die Kostenquote dagegen ist eine reine Anbieterentscheidung, die ihr mit der Auswahl trefft.

Achtet deshalb auf drei Posten, die zusammen die Effektivkosten ergeben: die laufende Depotgebühr, die Verwaltungskosten der enthaltenen Fonds und mögliche Abschluss- oder Vertriebskosten. Vor allem der letzte Punkt ist bei Riester teuer geworden — Abschlusskosten wurden dort oft auf die ersten Jahre verteilt und haben den Vermögensaufbau am Anfang ausgebremst. Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich, Verkaufsgespräche auf Provisionsbasis zu meiden und warnt auch vor Vermittlungsportalen, die über Provisionen am Abschluss verdienen.

Solltet ihr euch jetzt schon vormerken lassen?

Drei der neun von uns geprüften Anbieter sammeln bereits vor dem Start Kontaktdaten ein — die ING über eine „Starteliste“, Scalable Capital über einen Zusatz zum bestehenden Konto, die DKB über eine Newsletter-Anmeldung, die ausdrücklich die Bewerbung ausgewählter Produkte einschließt. Rechtlich ist daran nichts auszusetzen, alle drei sagen offen, worum es geht.

Der nüchterne Punkt ist ein anderer: Ihr gebt Daten für ein Produkt heraus, dessen Preis noch niemand kennt. Solange kein Anbieter seine Effektivkosten beziffert, könnt ihr die Angebote gar nicht vergleichen — eine Vormerkung sichert euch also keinen besseren Vertrag, sondern nur einen früheren Verkaufskontakt. Und weil das Depot ab dem 1. Januar 2027 dauerhaft angeboten wird, gibt es auch keine begrenzte Stückzahl, die man sich reservieren müsste.

Unsere Empfehlung ist deshalb pragmatisch: Wenn ihr ohnehin Kunde bei einem der Häuser seid und den Newsletter nicht als Last empfindet, spricht wenig dagegen. Wer dagegen unabhängig vergleichen will, wartet auf die konkreten Konditionen — realistisch im letzten Quartal 2026, wenn die Anbieter ihre Produkte final kalkuliert haben. Ein Wechsel des Anbieters ist auch später möglich; wie ein Umzug von Konto und Depot praktisch abläuft, steht im Ratgeber Bank wechseln.

Was darf ins Altersvorsorgedepot — und was nicht?

Erlaubt sind breit gestreute ETFs, Fonds und weitere Wertpapiere, die eine gesetzliche Positivliste abschließend festlegt — erstmals wird damit der Vermögensaufbau mit ETFs staatlich gefördert. In der alten Riester-Welt waren reine ETF-Sparpläne wegen der Beitragsgarantie praktisch ausgeschlossen; genau dieser Punkt ist der Kern der Reform.

Nicht auf die Liste kommen Kryptowährungen und hochriskante Hebelprodukte. Der Gedanke dahinter: Altersvorsorge soll planbar und langfristig sein. Auch Einzelaktien spielen in den bisher angekündigten Produkten keine Rolle — die Positivliste zielt erkennbar auf Streuung, nicht auf Einzelwetten.

Der größte Renditehebel bleibt ohnehin die Zeit. In der gesamten Ansparphase fallen weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale an: Erträge und Umschichtungen sind steuerfrei, versteuert wird erst die Auszahlung im Alter. Dieser Steuerstundungseffekt wirkt über Jahrzehnte wie eine zusätzliche Rendite — und er ist einer der Gründe, warum ein früher Start mehr bringt als eine hohe Sparrate spät. Wie ihr die passenden Fonds auswählt, erklären wir im Ratgeber ETF-Sparplan für Anfänger.

Wer ist förderberechtigt — Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige?

Förderberechtigt sind wie bisher alle rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer sowie Beamte und ihnen gleichgestellte Gruppen — neu hinzu kommen jetzt aber rund vier Millionen Selbstständige. Gewerbetreibende und Freiberufler mit Einkünften nach § 15 oder § 18 EStG, die eine Steuererklärung abgeben, sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke dürfen das Altersvorsorgedepot ab 2027 erstmals nutzen.

Für Beamte ändert sich an der Systematik nichts: Sie waren schon bei Riester unmittelbar zulageberechtigt und bleiben es. Wer verheiratet ist, profitiert von der bekannten Regel, dass eine unmittelbar berechtigte Person im Haushalt genügt — der Ehe- oder Lebenspartner kann dann mittelbar Zulagen bekommen, sofern er selbst mindestens 120 Euro im Jahr einzahlt.

Die Öffnung für Selbstständige ist der sozialpolitisch größte Schritt der Reform. Diese Gruppe hatte bisher praktisch keinen Zugang zu geförderter privater Altersvorsorge und ist gleichzeitig überdurchschnittlich von Altersarmut bedroht. Für Kinder gilt das Altersvorsorgedepot dagegen nicht — dafür ist die separat geplante Frühstart-Rente vorgesehen; wie ihr heute schon fürs Kind anlegt, steht im Junior-Depot-Ratgeber.

Was wird aus meinem Riester-Vertrag?

Riester Vertrag in Altersvorsorgedepot wechseln alter und neuer Ordner

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz — ihr müsst nichts tun, und keine bereits erhaltene Zulage muss zurückgezahlt werden. Ihr habt ab 2027 genau drei Möglichkeiten:

  • Weiterführen: Der alte Vertrag läuft mit der bisherigen Förderung unverändert weiter.
  • Nur die Förderung wechseln: Ihr behaltet den Vertrag, wechselt aber per Erklärung in die neue, meist einfachere und oft günstigere Fördersystematik.
  • Komplett wechseln: Ihr überführt das Guthaben in ein neues Produkt — ohne Rückzahlung der bisherigen Förderung, aber möglicherweise mit Wechsel-, Abschluss- oder Vertriebskosten.

Die mittlere Option wird in der Beratung am häufigsten übersehen, dabei ist sie für viele die beste: Ihr behaltet einen Vertrag, dessen Abschlusskosten längst bezahlt sind, und nehmt trotzdem die neue Zulagenformel mit. Ein kompletter Wechsel lohnt sich vor allem dann, wenn euer Altvertrag hohe laufende Kosten hat oder wegen der Beitragsgarantie fast ausschließlich in Sicherheitsanlagen steckt.

Die wichtigste Regel für die kommenden Monate: Kündigt euren Riester-Vertrag nicht vorschnell. Eine Riester-Rente in ein Altersvorsorgedepot umwandeln zu lassen, ist eine Rechenaufgabe, die ihr erst lösen könnt, wenn die neuen Konditionen auf dem Tisch liegen — und die liegen, wie unsere Erhebung zeigt, im September 2026 noch nirgends vor. Wer jetzt kündigt und später neu abschließt, zahlt im Zweifel zweimal Abschlusskosten.

Wie läuft die Auszahlung im Alter — Leibrente oder Auszahlplan?

Die Auszahlungsphase beginnt frühestens mit 65 und muss spätestens mit 70 starten. Ihr habt dabei die Wahl zwischen einer lebenslangen Leibrente und einem befristeten Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen muss — dazu dürft ihr einmalig bis zu 30 Prozent des Kapitals auf einen Schlag entnehmen.

Diese Wahlmöglichkeit ist neu und praktisch bedeutsam. Die lebenslange Leibrente schützt gegen das Risiko, sehr alt zu werden und das Geld zu überleben; der befristete Plan zahlt in den ersten Jahren mehr aus und vererbt Restkapital. Wer bereits eine gute gesetzliche Rente und eine Betriebsrente hat, fährt mit dem Auszahlungsplan oft besser — wer wenig andere lebenslange Einkünfte hat, mit der Leibrente.

Besteuert wird nachgelagert mit eurem persönlichen Steuersatz, der im Ruhestand bei den meisten niedriger liegt als im Berufsleben. Für bestimmte Zwecke — etwa den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie — könnt ihr Kapital auch vorher förderunschädlich entnehmen.

Wer fürs Alter vorsorgt, regelt irgendwann auch, was später damit passiert. Welche Form ein handschriftliches Testament braucht, steht in unserem Ratgeber Testament-Vorlage.

Wer sich für den Auszahlplan statt der Leibrente entscheidet, muss die Höhe selbst festlegen — und genau da wird es rechnerisch. Aus 100.000 Euro lassen sich über 30 Jahre bei fünf Prozent Rendite 530,06 Euro im Monat entnehmen, mit jährlichem Inflationsausgleich nur noch 416,35 Euro zum Start. Wie diese Zahlen zustande kommen und was Steuer und Vorabpauschale davon abziehen, steht im Ratgeber zur Entnahmerate im Ruhestand.

Inzwischen liegt dafür ein Regierungsentwurf vor: Für Kinder ab dem Geburtsjahrgang 2020 will der Bund vom 6. bis zum 18. Geburtstag 10 Euro im Monat in ein Standarddepot mit höchstens 1 Prozent Effektivkosten einzahlen, zusammen 1.440 Euro. Ab der Volljährigkeit kann derselbe Vertrag als geförderte Altersvorsorge weiterlaufen. Was davon schon feststeht, erklärt unser Ratgeber zur Frühstart-Rente.

Vor- & Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr Kein Anbieter nennt bisher seine Kosten
Endlich ETF- und Fonds-Sparen gefördert Kostendeckel gilt nur fürs Standarddepot
Ansparphase komplett steuerfrei Kapital erst ab 65 verfügbar
Jetzt auch für Selbstständige offen Staatliches Standarddepot noch nicht gesichert
Zulage endlich im Kopf ausrechenbar Auszahlung wird nachgelagert besteuert

Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot

Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?

Anbieter dürfen das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 verkaufen. Das Altersvorsorgereformgesetz ist bereits Ende Mai 2026 in Kraft getreten, bis zum Start konkretisieren Banken, Versicherer und Broker aber noch ihre Produkte und Konditionen. Verträge könnt ihr vorher nicht abschließen.

Was kostet ein Altersvorsorgedepot?

Das ist im September 2026 noch offen. Gesetzlich gedeckelt sind nur die Effektivkosten des Standarddepots bei 1,0 Prozent pro Jahr; für das freie Depot und das Garantieprodukt gibt es keine Obergrenze. In unserer Erhebung vom 2. September 2026 hat keiner der neun auswertbaren Anbieter eigene Kosten beziffert.

Gibt es beim Altersvorsorgedepot Auszahlplan-Varianten oder nur eine Rente?

Beides ist möglich. Ihr könnt eine lebenslange Leibrente wählen oder einen befristeten Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft. Zusätzlich dürft ihr einmalig bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals als Teilbetrag entnehmen.

Wie viel Geld muss ich mindestens einzahlen?

Für die Grundzulage genügen 120 Euro pro Jahr, also 10 Euro im Monat. Die volle Kinderzulage von 300 Euro je Kind erreicht ihr ab 300 Euro Eigenbeitrag im Jahr, rund 25 Euro monatlich. Maximal gefördert werden 1.800 Euro Eigenbeitrag pro Jahr.

Können auch Selbstständige und Beamte ein Altersvorsorgedepot abschließen?

Ja, beide Gruppen sind förderberechtigt. Beamte waren es schon bei Riester, Selbstständige mit Einkünften nach § 15 oder § 18 EStG kommen mit der Reform erstmals hinzu — ebenso Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke.

Was passiert mit meinem alten Riester-Vertrag?

Er genießt Bestandsschutz und läuft weiter. Ihr könnt ihn behalten, nur in die neue Fördersystematik wechseln oder das Guthaben komplett überführen — ohne bisherige Zulagen zurückzahlen zu müssen. Beim Komplettwechsel können allerdings Kosten anfallen, deshalb erst rechnen, dann kündigen.

Kann ich Kryptowährungen oder Einzelaktien ins Depot legen?

Nein. Kryptowährungen und spekulative Hebelprodukte sind ausgeschlossen; erlaubt ist, was eine gesetzliche Positivliste festlegt — im Kern breit gestreute ETFs und Fonds. Das Altersvorsorgedepot zielt auf planbaren, langfristigen Vermögensaufbau.

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot auch bei kleinem Einkommen?

Gerade dann. Jeder Eigenbeitrag bis 360 Euro wird mit 50 Cent pro Euro gefördert — das sind 50 Prozent Förderquote, deutlich mehr als die 30 Prozent beim Höchstbetrag. Dazu kommt die Kinderzulage von 1 Euro je Euro. Die Zulagen fließen direkt ins Depot, auch ohne Steuererklärung.

Gibt es ein staatliches Altersvorsorgedepot der Bundesregierung?

Geplant ja, gesichert nein. Die Bundesregierung wurde ermächtigt, ein öffentlich verwaltetes Standarddepot anzubieten, die nötige Verordnung steht aber aus und ein Termin ist nicht veröffentlicht. Zum Start 2027 solltet ihr nicht damit rechnen.

Fazit: Lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist die wichtigste Modernisierung der privaten Altersvorsorge seit der Riester-Einführung 2001: ETFs werden erstmals gefördert, die Zulagenformel ist im Kopf nachrechenbar, und Selbstständige sind endlich dabei. Ob sich das für euch auszahlt, entscheidet sich aber nicht am Produkt, sondern an drei Handgriffen:

  • 1️⃣ Auf die Effektivkosten warten, nicht auf die Vormerkung: solange kein Anbieter seinen Preis nennt, gibt es nichts zu vergleichen
  • 2️⃣ Früh anfangen statt hoch einzahlen: die Förderquote ist bei kleinen Raten am höchsten, und der Steuervorteil wirkt über die Zeit
  • 3️⃣ Riester nicht vorschnell kündigen: oft reicht der Wechsel der Fördersystematik im bestehenden Vertrag

Und während euer Altersvorsorgedepot ab 2027 langfristig arbeitet, lohnt sich der Blick auf das Geld, das kurzfristig verfügbar bleiben soll: In unserer Übersicht aktueller Tagesgeld- und Finanzdeals findet ihr regelmäßig Konten mit Zinsen und Prämien, und wer ohnehin ein neues Wertpapierdepot eröffnet, sollte vorher in unseren Ratgeber zur Depot-Prämie schauen — dort sind aktuell bis zu 150 Euro Wechselprämie drin. Wie ihr im Alltag zusätzlich Luft für die Sparrate schafft, zeigt Laufende Kosten senken. Tagesaktuelle Angebote aus allen Bereichen gibt es jederzeit auf der MonsterDealz Startseite.

Dieser Ratgeber stammt von der MonsterDealz-Redaktion — Schnäppchen-Experten seit 2009, bekannt aus den Medien. Stand: September 2026, Anbieter-Erhebung vom 2. September 2026.

Ăśber den Autor

Florian Silbereis

Ich bin Florian, 44 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und Gründer von MonsterDealz.de. Seit über 17 Jahren spüre ich täglich die besten Online-Deals, Preisfehler und Cashback-Aktionen auf — mein Wissen daraus steckt im Ratgeber „Schnäppchen richtig jagen: Der Insider-Guide für smarte Online-Käufer“ (2026). Meine Spezialgebiete sind Mobilfunk-Tarife, Bonus-Deals, Tagesgeldkonten und das Finden echter Preisfehler bei großen Shops wie Amazon, MediaMarkt, Saturn und Otto. Mehr über mich: interlynx.de, unterwegs bin ich auch auf Mastodon. Habt ihr Fragen oder einen heißen Deal-Tipp? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, PN,oder über die Kontaktseite.

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