Ratenkauf und „Später bezahlen“: Diese neuen Regeln gelten ab 20. November 2026 für Klarna, PayPal & Co.

Ab dem 20. November 2026 gelten für Ratenkauf und „Später bezahlen“ neue Regeln: Zinsfreie Zahlungsaufschübe, Kredite unter 200 Euro und kurze Kredite bis drei Monate fallen dann voll unter das Verbraucherkreditrecht des BGB, mit Kreditwürdigkeitsprüfung, Pflichtinformationen und 14 Tagen Widerrufsrecht. Das steht im Umsetzungsgesetz zur EU-Verbraucherkreditrichtlinie, verkündet im Bundesgesetzblatt am 18. Mai 2026. Für zinsfreie Kredite und Aufschübe ab 200 Euro galten Kreditwürdigkeitsprüfung und Widerrufsrecht schon bisher, die übrigen Kreditregeln aber nicht. Der klassische Kauf auf Rechnung direkt beim Händler bleibt in engen Grenzen ausgenommen, und einen festen Zinsdeckel gibt es nicht. Stand: Oktober 2026.

Das Wichtigste in KĂĽrze

  • Stichtag 20.11.2026, eine Woche vor dem Black Friday am 27.11.2026.
  • Neu voll erfasst: zinsfreie AufschĂĽbe, Kredite unter 200 Euro, Kurzkredite bis drei Monate.
  • Rechnungskauf beim Händler bleibt frei: bis 50 Tage, bei groĂźen Onlineshops bis 14 Tage.
  • Kein Zinsdeckel, aber Nichtigkeit ab doppeltem Marktzins oder zwölf Prozentpunkten darĂĽber.

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Ratenkauf neue Regeln: Was ändert sich ab 20. November 2026?

Leerer Kalender mit roter Stecknadel neben einem Versandkarton als Symbol fĂĽr den Stichtag der neuen Regeln

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Ab dem 20. November 2026 gilt das Verbraucherkreditrecht auch für Zahlungsarten, die bisher ganz oder teilweise davon ausgenommen waren: Laut Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 139 vom 18. Mai 2026 tritt das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 im Kern an diesem Tag in Kraft. Ein Ratenkauf ist dabei jede Vereinbarung, bei der ihr eine Ware sofort bekommt und den Preis später oder in Teilbeträgen zahlt; „Buy now, pay later“ (BNPL) ist der Oberbegriff für solche Zahlarten im Onlinehandel, vom Aufschub um 30 Tage bis zur Ratenzahlung über 24 Monate.

Wer beim Online-Shopping gern erst nach dem Auspacken zahlt, will vor allem eines wissen: ob das an der Kasse bald komplizierter wird oder ob ihr dadurch besser geschützt seid. Für diesen Ratgeber hat unsere Redaktion den Gesetzestext im Bundesgesetzblatt, den Regierungsentwurf, die FAQ des Bundesjustizministeriums, die EU-Richtlinie und die Umfrage der BaFin zu BNPL ausgewertet. Was „Später bezahlen“ rechtlich ist und warum dabei ein zweiter Vertrag entsteht, erklären wir in den Grundlagen Später zahlen: warum das ein Kredit ist; hier geht es nur um das, was sich zum Stichtag ändert.

Welches Gesetz steckt hinter den neuen Regeln?

Die EU hat die Verbraucherkreditrichtlinie 2023/2225 am 18. Oktober 2023 beschlossen. Laut Artikel 48 der Richtlinie (EU) 2023/2225, veröffentlicht im Amtsblatt der EU und abrufbar auf EUR-Lex, mussten die Mitgliedstaaten sie bis zum 20. November 2025 umsetzen und ab dem 20. November 2026 anwenden. Deutschland hat die erste Frist verpasst und die zweite gehalten: Der Bundestag beschloss das Gesetz am 17. April 2026, der Bundesrat ließ es am 8. Mai 2026 passieren, ohne den Vermittlungsausschuss anzurufen, so steht es in der Drucksache 209/26 des Bundesrats. Ausgefertigt wurde es am 12. Mai 2026.

Das Gesetz ändert vor allem das BGB, das Einführungsgesetz zum BGB, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und das Bundesdatenschutzgesetz. Dazu kommt ein neues Absatzfinanzierungsaufsichtsgesetz (AbsFinAG), nach dem sich Kreditgeber außerhalb der Banken bei der BaFin registrieren müssen. Für Verbraucherkredite zählt der 20. November 2026; nur wenige Teile, etwa die Förderregeln für E-Autos im selben Gesetz, gelten schon seit dem 19. Mai 2026.

Gelten die neuen Regeln auch für Käufe vor dem 20. November?

Nein. Nach der Übergangsvorschrift in Artikel 229 § 71 des Einführungsgesetzes zum BGB gilt für Verträge, die vor dem 20. November 2026 bestanden, das alte Recht weiter. Wer am 19. November in 30 Tagen bezahlen wählt, bekommt also noch keine der neuen Rechte. Wer am Black Friday bestellt, kauft dagegen schon unter dem neuen Recht: Der Black Friday fällt 2026 auf den 27. November, eine Woche nach dem Stichtag.

Welche Zahlarten fallen jetzt unter das Kreditrecht?

Neu erfasst sind drei Gruppen, die das BGB bis zum 19. November 2026 ausdrücklich ausnimmt: Kredite mit einem Nettodarlehensbetrag unter 200 Euro, Kredite, die binnen drei Monaten zurückzuzahlen sind und nur geringe Kosten haben, sowie unentgeltliche, also zins- und gebührenfreie Kredite und Zahlungsaufschübe. So beschreibt es das Bundesjustizministerium auf seiner Seite zum Gesetzgebungsverfahren, die „Buy-Now-Pay-Later“-Modelle ausdrücklich nennt.

Technisch passiert das über zwei Wörter. Der bisherige § 491 BGB gilt nur für „entgeltliche“ Darlehensverträge und nimmt Beträge unter 200 Euro aus. Der bisherige § 506 BGB erfasst nur den „entgeltlichen“ Zahlungsaufschub. In der neuen Fassung fehlt das Wort „entgeltlich“ an beiden Stellen, und die 200-Euro-Grenze ist gestrichen. Damit greift das Verbraucherkreditrecht auch bei einem Aufschub über 30 Tage, der keinen Cent kostet.

Ganz ungeregelt waren zinsfreie Angebote allerdings auch bisher nicht. Nach § 514 BGB gelten für unentgeltliche Darlehen eines Unternehmers an Verbraucher schon heute die Kreditwürdigkeitsprüfung und, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ein Widerrufsrecht, allerdings erst ab einem Nettodarlehensbetrag von 200 Euro. § 515 BGB überträgt das auf den unentgeltlichen Zahlungsaufschub. Neu ist deshalb vor allem zweierlei: Ab dem Stichtag gilt für diese Angebote das volle Verbraucherkreditrecht mit Pflichtinformationen, Form und Nachsicht bei Zahlungsproblemen, und die 200-Euro-Grenze entfällt.

Zahlart Bis 19.11.2026 Ab 20.11.2026
Ratenkauf mit Zinsen ab 200 € Kreditrecht Kreditrecht, strenger
Ratenkauf unter 200 € ausgenommen Kreditrecht
Zinsfreie Raten, 0 % Finanzierung ab 200 € teilweise Kreditrecht
Zinsfreier Aufschub durch Zahlungsdienst ab 200 € teilweise Kreditrecht
Rechnung direkt vom Händler ausgenommen ausgenommen, mit Fristen
Debitkarte mit Aufschub bis 40 Tage ausgenommen ausgenommen

Stand 17.10.2026, eigene Zusammenstellung nach §§ 491, 506, 514, 515 BGB in der alten und der ab 20.11.2026 geltenden Fassung (BGBl. 2026 I Nr. 139). Kreditrecht heißt: Kreditwürdigkeitsprüfung, vorvertragliche Information, Widerrufsrecht, Nachsicht bei Zahlungsproblemen. Teilweise heißt: nur Kreditwürdigkeitsprüfung und Widerrufsrecht nach §§ 514, 515 BGB, ohne Pflichtinformationen.

Bleibt der Kauf auf Rechnung beim Händler frei?

Ja, aber nur unter drei Bedingungen. Nach dem neuen § 506 Absatz 1 BGB ist ein Zahlungsziel keine Finanzierungshilfe, wenn der Händler es selbst einräumt, ohne dass ein Dritter einen Kredit oder Aufschub gewährt, wenn es unentgeltlich ist und höchstens 50 Tage nach Lieferung läuft und wenn bei Verzug nur begrenzte Kosten entstehen können. Für große Onlinehändler, die keine kleinen oder mittleren Unternehmen sind, ist die Frist auf 14 Tage nach Lieferung verkürzt, und zusätzlich darf kein Dritter die Finanzierungshilfe erwerben.

Ein Detail hat der Bundestag gegenüber dem Regierungsentwurf geändert. Im Entwurf hätte schon der Verkauf der Zahlungsforderung an einen Dritten die Ausnahme beendet. Nach der FAQ des Bundesjustizministeriums vom April 2026 bleibt der Rechnungskauf auch dann außerhalb der neuen Regeln, wenn große Onlinehändler ihren Zahlungsanspruch etwa per Factoring an Konzernunternehmen oder plattformeigene Zahlungsdienstleister abtreten. Ebenfalls ausgenommen bleiben Debitkarten, die Zahlungen bis zu 40 Tage zinsfrei sammeln.

Was gilt fĂĽr Klarna, PayPal und Amazon?

Entscheidend ist, wer euch den Aufschub gewährt. Bei der Bezahlung nach 30 Tagen von PayPal ist das PayPal selbst: Laut PayPal-Seite zu „Später bezahlen“ gilt sie für Einkäufe von 1 bis 3.000 Euro, vorbehaltlich einer Kreditwürdigkeitsprüfung, und lässt sich gegen Gebühr auf insgesamt 60 oder 84 Tage verlängern. Ein solcher Aufschub durch einen Dritten fällt nach dem Wortlaut des neuen § 506 BGB nicht unter die Händlerausnahme. Die PayPal-Ratenzahlung über 99 bis 10.000 Euro mit 11,49 Prozent effektivem Jahreszins für drei bis zwölf Monate war schon bisher ein Verbraucherkredit.

Bei Klarna hängt es an der Vertragsgestaltung im jeweiligen Shop: Gewährt Klarna den Aufschub selbst, gilt das neue Recht; kauft Klarna nur die Forderung eines Händlers, kommt es auf die Händlerausnahme an. Klarna wollte sich laut Stiftung Warentest vom 7. Oktober 2026 zu Nachfragen bislang nicht äußern. Bei Amazon gibt es PayPal nur noch als Ratenzahlung, die Details stehen im Ratgeber Amazon Ratenzahlung mit PayPal. Für Sammelrechnungen wie die Amazon Monatsabrechnung gilt: Ein Monat Sammeln plus 14 Tage Zahlungsziel liegt für die meisten Bestellungen über der 14-Tage-Grenze für große Onlinehändler. Eine Ankündigung, wie Amazon das zum Stichtag umsetzt, haben wir bis zum 17. Oktober 2026 nicht gefunden.

Warum der Gesetzgeber gerade beim zinsfreien Aufschub ansetzt, erklärt der Verbraucherzentrale Bundesverband in einem kurzen Video auf seinem offiziellen Kanal. Es stammt aus dem Herbst 2023, also aus der Zeit vor dem deutschen Gesetz, die Mechanik ist aber dieselbe:

Wird jetzt bei jedem Ratenkauf die SCHUFA abgefragt?

Messinglupe auf leeren Papierbögen neben einem Aktenordner als Symbol für die Kreditwürdigkeitsprüfung

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Nicht zwingend, aber jeder neu erfasste Kredit braucht eine Kreditwürdigkeitsprüfung: Nach Stiftung Warentest müssen Anbieter ab dem 20. November 2026 vor Vertragsschluss unabhängig von der Kreditsumme prüfen, und die BaFin schreibt in ihrem Fachartikel zu BNPL vom 2. Februar 2026, dass bei Kleinst- und Kurzzeitkrediten bisher keine Prüfung vorgeschrieben ist. Für zinsfreie Kredite und Aufschübe ab 200 Euro war sie nach §§ 514 und 515 BGB schon bisher Pflicht. Eine Abfrage bei einer Auskunftei wie der SCHUFA schreibt das Gesetz dabei nicht vor; der neue § 505b BGB erlaubt sie „erforderlichenfalls“.

Die Prüfung muss sich auf Einkommen, Ausgaben und andere finanzielle Umstände stützen, und zwar in einem Umfang, der zu Art, Laufzeit, Höhe und Risiko des Kredits passt. Ein Kredit darf nur noch vergeben werden, wenn die Rückzahlung wahrscheinlich ist. Wie tief die Prüfung bei einem Aufschub über 40 Euro ausfällt, legt das Gesetz nicht in Zahlen fest; laut BMJV hängt die Prüftiefe von Art, Laufzeit, Höhe und Risiko ab. Tabu sind Daten aus sozialen Netzwerken und besondere Kategorien nach Artikel 9 DSGVO, etwa Gesundheitsdaten.

Bei den großen Anbietern ändert sich in der Praxis weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen: PayPal macht die Bezahlung nach 30 Tagen schon heute von einer Prüfung „online und in Echtzeit“ abhängig. Neu ist, dass die Prüfung auch für Aufschübe unter 200 Euro zur Pflicht wird und dokumentiert sein muss; ab 200 Euro verlangte § 515 BGB sie schon bisher. Was eine Anfrage oder ein laufender Ratenvertrag mit eurem Score macht und wie ihr eure gespeicherten Daten kostenlos einseht, erklärt der Ratgeber zur kostenlosen SCHUFA-Selbstauskunft.

Welche Daten dĂĽrfen in den Score einflieĂźen?

Weniger als bisher. Der neue § 37a des Bundesdatenschutzgesetzes verbietet für Scorewerte unter anderem das Alter, das Geschlecht, den Namen, Daten aus sozialen Netzwerken, Informationen über Zahlungseingänge und -ausgänge auf Bankkonten und Anschriftendaten; für Minderjährige dürfen gar keine Scorewerte erstellt werden. Auskunfteien müssen euch außerdem innerhalb von 30 Tagen informieren, wenn sie einen Zahlungsrückstand bei einem Kredit eintragen.

Was passiert, wenn die Zahlungsoption abgelehnt wird?

Dann habt ihr zwei neue Rechte aus § 30 des Bundesdatenschutzgesetzes. Stützt sich die Ablehnung auf die Auskunft einer Auskunftei, muss der Anbieter euch unverzüglich darüber und über die berücksichtigten Datenkategorien unterrichten. Lief die Prüfung automatisiert, könnt ihr das Eingreifen einer Person verlangen, eine verständliche Erläuterung der Entscheidung bekommen und euren eigenen Standpunkt darlegen.

Welche Rechte habt ihr nach dem Kauf auf Raten?

Das wichtigste neue Recht ist der Widerruf: Nach § 495 BGB könnt ihr einen Verbraucherkredit binnen 14 Tagen ohne Begründung widerrufen, und ab dem 20. November 2026 gilt das auch für den Kredit unter 200 Euro, für den zinsfreien Aufschub in dieser Höhe und für Kurzkredite. Zinsfreie Kredite und Aufschübe ab 200 Euro konntet ihr nach §§ 514 und 515 BGB schon bisher widerrufen. Artikel 26 der EU-Richtlinie spricht von „14 Kalendertagen“.

Das Widerrufsrecht für den Kredit steht neben dem Widerrufsrecht für den Kauf. Habt ihr die Ware online gekauft, könnt ihr wie bisher den Kaufvertrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen; der verbundene Kreditvertrag fällt dann mit weg. Neu ist eine Sonderregel für großzügige Händler: Gewährt ein Shop ein Rückgaberecht mit voller Erstattung für mehr als 14 Tage, verlängert sich die Widerrufsfrist für den verbundenen Kredit bis zum Ende dieser Rückgabefrist.

  • Vorvertragliche Information: fĂĽr zins- und gebĂĽhrenfreie Kredite, Beträge unter 200 Euro und Kurzkredite bis drei Monate / ein verkĂĽrztes Informationsblatt auf einer Seite / laut BMJV gab es dafĂĽr bisher keinerlei Informationspflichten.
  • Form: Allgemein-Verbraucherkredite brauchen kĂĽnftig Textform statt Schriftform / eine E-Mail genĂĽgt / bei Immobiliendarlehen bleibt die Unterschrift Pflicht.
  • Einwände gegen den Händler: die bisherige 200-Euro-Grenze in § 359 BGB entfällt / Mängel der Ware könnt ihr auch bei kleinen Beträgen dem Kreditgeber entgegenhalten / wichtig bei Retouren mit laufender Zahlung.
  • Widerrufsfrist bei Fehlern: endet spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss / nur wenn ihr ordnungsgemäß ĂĽber das Widerrufsrecht belehrt wurdet / das „ewige Widerrufsrecht“ entfällt fĂĽr diese Kredite.

Ist Ratenzahlung ohne Zinsen wirklich kostenlos?

In Euro meist ja, solange ihr pünktlich zahlt; die Kosten entstehen bei Verlängerungen, Mahnungen und Verzug. Genau dort setzt die Informationspflicht an: Auch beim zinsfreien Aufschub gehören laut neuem Artikel 247 § 3 EGBGB der Verzugszinssatz, etwaige Verzugskosten und ein Warnhinweis zu den Folgen verspäteter Zahlungen auf das Informationsblatt. Bei der Händlerausnahme für den Rechnungskauf dürfen bei Verzug ohnehin nur „begrenzte Kosten“ entstehen. Eine 0-Prozent-Finanzierung bleibt eine Liquiditätsentscheidung: Ihr zahlt den vollen Preis und verzichtet oft auf Rabatte, die es beim Barkauf gäbe; wie sich das rechnet, zeigt unser Rechencheck zur Apple Finanzierung.

Wie hoch darf der Zinsaufschlag beim Ratenkauf maximal sein?

Einen festen Zinsdeckel führt Deutschland nicht ein; stattdessen ist ein Allgemein-Verbraucherkredit nach dem neuen § 492 Absatz 9 BGB nichtig, wenn sein effektiver Jahreszins den marktüblichen um 100 Prozent oder um zwölf Prozentpunkte überschreitet. Das ist die Regel, mit der Deutschland Artikel 31 der EU-Richtlinie umsetzt, der Maßnahmen gegen übermäßig hohe Zinsen und Kosten verlangt.

Im Regierungsentwurf vom September 2025 begründet die Bundesregierung den Verzicht auf eine feste Obergrenze mit dem Aufwand: Für die vielen Kreditformen müssten jeweils passende Referenzzinssätze festgelegt und regelmäßig fortgeschrieben werden. Die neue Vorschrift schreibt deshalb fest, was die Gerichte bisher aus der Wucher-Generalklausel des § 138 BGB abgeleitet haben, nämlich das „auffällige Missverhältnis“ zum Marktzins. Neu ist, dass die Schwelle jetzt im Gesetz steht. Kritiker im Bundestag hielten das für zu wenig; der Grünen-Abgeordnete Stefan Schmidt nannte den Schutz vor Wucherzinsen in der Debatte vom 17. April 2026 laut Bericht von beck-aktuell „nur halbherzig“.

Was ändert sich bei der Werbung für Ratenkäufe?

Sie muss ehrlicher werden. Der neue Anhang Nummer 23e des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb erklärt Kreditwerbung ohne klaren Kostenhinweis für unzulässig und gibt die Formulierung gleich vor: „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“ oder eine gleichwertige Formulierung. Verboten ist außerdem Werbung, die suggeriert, ein Kredit verbessere die finanzielle Lage, ersetze Ersparnisse oder hebe den Lebensstandard, und Werbung mit dem Versprechen, laufende Kredite oder Einträge in Datenbanken spielten für die Zusage kaum eine Rolle. Erlaubt bleibt laut BMJV die Werbung mit einer schnellen Kreditentscheidung.

Was passiert, wenn ihr eine Rate nicht zahlen könnt?

Zwei Teetassen, Notizblock und Sparschwein auf einem Besprechungstisch als Symbol fĂĽr die Beratung bei Zahlungsproblemen

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Dann muss der Kreditgeber euch künftig entgegenkommen, bevor er vollstrecken darf: Der neue § 497a BGB verpflichtet ihn, bei Zahlungsschwierigkeiten auf Schuldnerberatungsdienste zu verweisen und vor einem Zwangsvollstreckungsverfahren angemessene Nachsicht walten zu lassen. Laut der BaFin-Umfrage vom April 2025 unter 4.936 Personen waren 21 Prozent der BNPL-Nutzer schon einmal mit einer Rate im Rückstand.

Nachsicht kann zum Beispiel eine längere Laufzeit, eine andere Vertragsart, ein Aufschub einzelner Raten oder eine Umschuldung sein. Laut BMJV soll der Kreditgeber sie grundsätzlich schon vor einer Kündigung anbieten, spätestens mit der Fristsetzung. Weil § 506 BGB diese Regel auf Zahlungsaufschübe überträgt, gilt sie ab dem 20. November 2026 auch für den Aufschub über 30 Tage, nicht nur für den klassischen Ratenkredit.

Praktisch heiĂźt das: Meldet euch vor Fristablauf und fragt ausdrĂĽcklich nach einer NachsichtsmaĂźnahme. MahngebĂĽhren sind damit nicht abgeschafft; 26 Prozent der von der BaFin befragten Nutzer hatten schon einmal welche gezahlt.

Welche neuen Rechte gibt es beim Dispo?

Drei. Laut FAQ des Bundesjustizministeriums gibt es beim Dispositionskredit künftig ein Widerrufsrecht, die Bank kann ihn nicht mehr mit sofortiger Wirkung kündigen, sondern nur mit einer Frist von mindestens zwei Monaten, und vor einer Zwangsvollstreckung muss sie anbieten, den genutzten Betrag in zwölf gleichen Monatsraten ohne zusätzliche Kosten zurückzuzahlen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hebt außerdem hervor, dass Banken künftig auch beim Dispo prüfen müssen, ob ihr den Kredit in angemessener Zeit zurückzahlen könnt. Warum der Dispo trotzdem die teuerste Form der Überbrückung bleibt, steht im Ratgeber Dispokredit: Werkzeug für Tage, nicht für Monate.

Was bedeutet das fĂĽr den Black Friday 2026?

Schwarz verpackte Geschenkkartons neben einem leeren Blatt Papier als Symbol fĂĽr die Black Week

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Wer in der Black Week mit „Später bezahlen“ einkauft, tut das zum ersten Mal unter dem neuen Recht, und das betrifft viele: Laut BaFin nutzen 20 Prozent der 18- bis 60-Jährigen BNPL beim Online-Einkauf, 14 Prozent der Nutzer haben schon einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren, bei den Unter-30-Jährigen 24 Prozent. Mehr Geld als geplant ausgegeben haben 24 Prozent, bei den Unter-30-Jährigen 38 Prozent.

Wie dicht die Angebote dann kommen, zeigen unsere eigenen Zahlen. In der Black-Friday-Woche 2025 vom 24. November bis 1. Dezember sind auf MonsterDealz.de 291 Deals und Userdeals erschienen, 53 davon allein am Black Friday, dem 28. November 2025 (Auswertung unserer Beitragsdatenbank, Stand: 17. Oktober 2026). Bei diesem Tempo summieren sich kleine AufschĂĽbe schnell. Termine und Shop-Starts fĂĽr dieses Jahr sammelt der Ratgeber Black Friday 2026.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die neuen Prüfpflichten. vzbv-Vorständin Ramona Pop sagte nach dem Bundestagsbeschluss laut Meldung des vzbv vom 17. April 2026: „Ein kleiner Kredit wirkt harmlos, wird aber zu einem echten Problem, wenn sich die Forderungen anhäufen und der Überblick verloren geht.“ Wie die Anbieter die Vorgaben im Checkout umsetzen, wird sich laut Stiftung Warentest erst nach dem Stichtag zeigen. Rechnet damit, dass einzelne Zahloptionen häufiger nicht angezeigt oder abgelehnt werden.

  1. Offene Posten notieren: Betrag, Anbieter und Fälligkeit jedes Aufschubs in eine Liste, bevor ihr den nächsten Warenkorb abschickt.
  2. Kosten der Verlängerung prüfen: Gebühren für 60 oder 84 Tage stehen vor dem Abschluss im Konto; zinsfrei ist nur die erste Frist.
  3. Retouren melden: beim Shop und beim Zahlungsdienst, damit die Forderung angepasst wird, bevor sie fällig ist.
  4. Widerruf im Blick behalten: 14 Tage für den Kredit, unabhängig vom Rückgaberecht des Shops.

Vor- & Nachteile im Ăśberblick

Vorteile Nachteile
14 Tage Widerruf auch beim Aufschub unter 200 € Kein fester Zinsdeckel, nur Wuchergrenze
Kreditprüfung bremst Schuldenspiralen Zahloptionen werden öfter abgelehnt
Nachsicht vor Vollstreckung wird Pflicht Mahngebühren bleiben möglich
Rechnungskauf beim Händler bleibt einfach Altverträge vor dem 20.11. bleiben im alten Recht

Häufige Fragen zu den neuen Regeln beim Ratenkauf

Ab wann gelten die neuen Regeln fĂĽr Klarna und PayPal?

Für alle Verträge, die ab dem 20. November 2026 geschlossen werden. Wer vorher eine Zahlung aufschiebt oder einen Ratenkauf abschließt, bleibt nach Artikel 229 § 71 EGBGB im alten Recht, auch wenn die Raten noch Monate laufen.

Welche Auswirkungen hat eine Ratenzahlung auf meine SCHUFA-Bonität?

Das Gesetz regelt nicht, wann ein Anbieter an eine Auskunftei meldet, sondern wie geprüft und gescort wird. Ob ein Vertrag bei der SCHUFA gespeichert wird, hängt vom Anbieter ab; ein laufender Ratenkredit fließt in den Score ein, eine Ablehnung ist kein Negativeintrag. Neu ist, dass ihr innerhalb von 30 Tagen benachrichtigt werdet, wenn ein Zahlungsrückstand eingetragen wird.

Was passiert bei einem Zahlungsausfall während der laufenden Raten?

Ab Verzug fallen Verzugszinsen und gegebenenfalls Mahnkosten an. Ab dem 20. November 2026 muss der Kreditgeber euch bei Zahlungsschwierigkeiten aber auf Schuldnerberatung verweisen und vor einer Zwangsvollstreckung Nachsicht prüfen, etwa eine Stundung oder eine längere Laufzeit.

Gibt es eine Obergrenze fĂĽr Zinsen beim Ratenkauf?

Keine feste. Ein Kredit ist aber nach § 492 Absatz 9 BGB in der Regel nichtig, wenn sein effektiver Jahreszins doppelt so hoch ist wie der marktübliche oder ihn um zwölf Prozentpunkte übersteigt. Dann ist der Vertrag unwirksam, nicht nur der Zins.

Ist der Kauf auf Rechnung jetzt ein Kredit?

Nicht, wenn der Händler ihn selbst und kostenlos anbietet und ihr spätestens 50 Tage nach Lieferung zahlen müsst, bei großen Onlinehändlern spätestens 14 Tage danach. Übernimmt ein Zahlungsdienst den Aufschub selbst, gilt das Kreditrecht.

Kann ich einen zinsfreien Aufschub widerrufen?

Ja, ab dem 20. November 2026 unabhängig vom Betrag innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung. Ab 200 Euro gab es nach §§ 514 und 515 BGB schon bisher ein Widerrufsrecht, neu ist es für kleinere Beträge. Das Widerrufsrecht für den Kauf selbst bleibt davon unabhängig bestehen.

Gilt das auch fĂĽr Kreditkarten und Debitkarten?

Kreditkarten mit Ratenfunktion waren schon bisher Verbraucherkredite. Debitkarten, die Zahlungen bis zu 40 Tage zinsfrei sammeln, bleiben ausgenommen; das hat der Rechtsausschuss des Bundestags laut Meldung hib 296/2026 gegenüber dem Regierungsentwurf ergänzt.

Fazit: Mehr Schutz an der Kasse, aber kein Freibrief

Ab dem 20. November 2026 ist „Später bezahlen“ in Deutschland auch dann ein vollwertiger Verbraucherkredit, wenn es nichts kostet und unter 200 Euro liegt. Ihr bekommt in jedem Fall eine Kreditprüfung, Pflichtinformationen, 14 Tage Widerruf und Nachsicht bei Zahlungsproblemen. Was ihr nicht bekommt, ist ein Zinsdeckel oder eine Garantie, dass die Zahloption an der Kasse angeboten wird.

  • Stichtag 20.11.2026 merken; Käufe davor laufen nach altem Recht.
  • Im Black-Friday-Rausch offene AufschĂĽbe aufschreiben und VerlängerungsgebĂĽhren prĂĽfen.
  • Bei Zahlungsproblemen frĂĽh melden und ausdrĂĽcklich nach Nachsicht fragen.

Wer neben dem Ratenkauf auch einen Handyvertrag mit Gerät plant, findet die Bonitätsfragen dazu im Ratgeber Handyvertrag trotz Schufa. MonsterDealz.de ist eine deutsche Deal-Community, die täglich geprüfte Schnäppchen kuratiert und aktive Mitglieder über das M-Coins-Bonusprogramm mit Amazon-Gutscheinen belohnt. Unsere aktuell geprüften Angebote für die Black Week findet ihr auf der Startseite von MonsterDealz.

Ăśber den Autor

Florian Silbereis

Ich bin Florian, 44 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und Gründer von MonsterDealz.de. Seit über 17 Jahren spüre ich täglich die besten Online-Deals, Preisfehler und Cashback-Aktionen auf — mein Wissen daraus steckt im Ratgeber „Schnäppchen richtig jagen: Der Insider-Guide für smarte Online-Käufer“ (2026). Meine Spezialgebiete sind Mobilfunk-Tarife, Bonus-Deals, Tagesgeldkonten und das Finden echter Preisfehler bei großen Shops wie Amazon, MediaMarkt, Saturn und Otto. Mehr über mich: interlynx.de, unterwegs bin ich auch auf Mastodon. Habt ihr Fragen oder einen heißen Deal-Tipp? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, PN,oder über die Kontaktseite.

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