Kerzen selber machen 2026: Wachs, Docht und was wirklich brennt
Kerzen selber machen scheitert selten am Wachs, sondern fast immer am Docht: Ist er zu dünn, ertrinkt die Flamme im eigenen Wachssee, ist er zu dick, rußt sie und frisst die Kerze in Stunden weg. Wer die vier gängigen Wachsarten und ihre Schmelzpunkte kennt und die Dochtstärke am Kerzendurchmesser ausrichtet, bekommt aus alten Kerzenresten Kerzen, die sauber und gleichmäßig brennen. Kerzen selber machen heißt dabei nichts anderes als: Wachs schonend schmelzen, einen passenden Docht in einer Form fixieren und das flüssige Wachs eingießen. Dieser Ratgeber zeigt euch Wachsvergleich, Dochtregel, Restverwertung und die Sicherheitsregeln – Stand: September 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Wachsarten dominieren: Paraffin, Stearin, Sojawachs und Bienenwachs – Schmelzpunkte zwischen 46 und 68 Grad.
- Faustregel Docht: Flachdocht 3×4 bis 22 mm Durchmesser, 3×9 bis 50 mm, 3×15 für 60 bis 80 mm.
- Kerzenreste sind Rohstoff, kein Müll – sortiert nach Wachsart einschmelzen, nicht wild mischen.
- Wachs gehört ins Wasserbad, nie direkt auf die Platte – und brennendes Wachs niemals mit Wasser löschen.
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Was ihr zum Kerzengießen wirklich braucht
Die Grundausstattung besteht aus fünf Dingen: Wachs, Docht, Gefäß oder Form, ein Topf fürs Wasserbad und etwas zum Zentrieren des Dochts. Das ist wenig gemessen am Verbrauch: In Deutschland gehen laut kraut & rüben rund 2,2 Kilogramm Kerzen pro Kopf und Jahr durch – das Rohmaterial für den Einstieg steht bei den meisten also schon als Rest im Schrank (Stand: September 2026).
Für das Wachs reicht ein alter Topf, ein Marmeladenglas oder eine Konservendose. Das Wachs muss darin nur schmelzen, nicht kochen. Wer sauber arbeiten will, nimmt ein Gefäß, das später ausschließlich für Wachs benutzt wird – ausgekochtes Wachs bekommt man aus einem Topf nie wieder vollständig heraus.
Beim Docht kommt es auf die Bauart an. Für Gläser und runde Formen gibt es Flachdochte mit Metallplättchen, für Bienenwachs eher Runddochte. Dazu ein Holzstäbchen oder eine Wäscheklammer, um den Docht mittig über der Form zu halten, bis das Wachs fest ist.
Für diesen Ratgeber hat unsere Redaktion die Angaben der bayerischen Verbraucherinformation, die Materialdaten der Kerzenhersteller und die Dochttabellen der Fachhändler nebeneinandergelegt und auf Widersprüche geprüft. Wo sich zwei Quellen unterscheiden, steht das im Text. MonsterDealz.de ist eine deutsche Deal-Community, die täglich geprüfte Schnäppchen kuratiert und aktive Mitglieder über das M-Coins-Bonusprogramm mit Amazon-Gutscheinen belohnt.
Wer den DIY-Einstieg breiter angehen will: Die Werkstatt-Ausstattung überschneidet sich stark mit der aus unserem Ratgeber Seife selber machen – Wasserbad, Thermometer und hitzefeste Gefäße braucht ihr dort genauso.
Welches Wachs eignet sich am besten? Paraffin, Stearin, Soja und Bienenwachs im Vergleich

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz
Es gibt kein bestes Wachs, sondern vier Kandidaten mit klar unterschiedlichen Schmelzbereichen: Paraffin liegt laut der Materialübersicht von Distrebution bei 46 bis 68 Grad, Stearin bei 52 bis 65 Grad, Sojawachs bei 46 bis 54 Grad und Bienenwachs bei 62 bis 65 Grad (Stand: September 2026). Rapswachs als fünfte Option liegt dort bei 57 bis 61 Grad.
Paraffin ist der Standard und der günstigste Einstieg. Es stammt aus Erdöl; laut Wikipedia ist die Kerzenindustrie weltweit sein größter Abnehmer. Hartparaffin schmilzt dort mit 50 bis 60 Grad, Weichparaffin bereits bei etwa 45 Grad. Gut aufgereinigtes Paraffin verbrennt sauber und rußarm, es ist formbar und verzeiht Anfängerfehler.
Stearin wird aus pflanzlichem Palmöl oder tierischem Fett gewonnen und ist biologisch abbaubar. Sein Schmelzbereich liegt je nach Zusammensetzung zwischen 55 und 70 Grad. Stearin ist formstabiler, aber spröder – es bröckelt beim Entformen leichter als Paraffin.
Sojawachs ist der Favorit für Kerzen im Glas. Es brennt langsam und gleichmäßig und nimmt bis zu 10 Prozent Duftöl auf. Wegen des niedrigen Schmelzpunkts eignet es sich schlecht für freistehende Stumpenkerzen – die verlieren im Sommer die Form.
Bienenwachs ist das teuerste Material und hat laut kraut & rüben unter 1 Prozent Marktanteil. Es riecht von selbst nach Honig, braucht aber wegen des hohen Schmelzpunkts und der zähen Konsistenz einen deutlich dickeren Docht als Paraffin.
Stand 03.09.2026. Schmelzpunkte nach Distrebution; die Wikipedia-Angaben für Paraffin (50–60 °C hart, 45 °C weich) und Stearin (55–70 °C) liegen innerhalb dieser Spannen. Allrounder heißt: verzeiht Temperaturfehler beim Gießen. Die Materialnamen führen zu den jeweiligen Materialbeschreibungen.
Schmelzpunkt und Brennverhalten: was die Grad-Zahl im Alltag bedeutet
Der Schmelzpunkt entscheidet nicht nur über die Gießtemperatur, sondern über die Formstabilität im Regal. Paraffinkerzen erweichen laut Wikipedia oft schon ab etwa 40 Grad und verbiegen sich bei direkter Sonneneinstrahlung, während Stearin bis zum Schmelzpunkt weitgehend fest bleibt (Stand: September 2026).
Praktisch heißt das: Eine Sojawachs-Kerze mit 46 Grad Schmelzpunkt gehört ins Glas, nicht auf die sonnige Fensterbank. Eine Stearinkerze mit 65 Grad hält den Sommer aus, verlangt beim Gießen aber mehr Hitze und kühlt schneller aus – wer zu langsam eingießt, bekommt Kaltschweißnähte in der Kerze.
Der zweite Effekt betrifft den Wachssee. Je höher der Schmelzpunkt, desto mehr Energie muss die Flamme liefern, um genug flüssiges Wachs für den Docht zu erzeugen. Deshalb braucht Bienenwachs bei gleichem Durchmesser einen dickeren Docht als Sojawachs – die Grad-Zahl aus dem Datenblatt ist also gleichzeitig eine Vorgabe für die Dochtwahl.
Ein dritter Punkt wird gern übersehen: Duft- und Farbzusätze verändern das Brennverhalten mit. Wachs, das 10 Prozent Duftöl aufgenommen hat, ist nicht mehr dasselbe Material wie das Ausgangswachs – auch das verschiebt die nötige Dochtstärke nach oben.
Wie finde ich die richtige Dochtstärke für meinen Kerzendurchmesser?

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz
Die Dochtstärke richtet sich nach dem Durchmesser der Kerze, nicht nach ihrer Höhe. Der Fachhändler Kerzen und Seife staffelt Flachdochte so: 3×4 für Durchmesser bis 22 Millimeter, 3×5 und 3×6 bis 30 Millimeter, 3×7 bis 3×9 bis 40 Millimeter, 3×9 und 3×10 bis 50 Millimeter, 3×11 bis 3×13 bis 60 Millimeter, 3×15 für 60 bis 80 Millimeter und 3×18 bis 3×20 für 70 bis 100 Millimeter (Stand: September 2026).
Der WWF kommt in seiner Gieß-Anleitung auf dieselben Größenordnungen und nennt als Kurzform: dünner Flachdocht 3×12 für Kerzen bis etwa 6 Zentimeter, dicker 3×16 bis etwa 8 Zentimeter, sehr dick 3×20 über 10 Zentimeter. Zwei unabhängige Quellen, dieselbe Kurve – die Zuordnung ist damit belastbar.
Daraus lässt sich eine merkbare Regel bauen: Die zweite Zahl der Flachdocht-Bezeichnung entspricht ungefähr dem Kerzendurchmesser in Zentimetern mal zwei. Für eine 4-Zentimeter-Kerze landet ihr bei 3×8, für 6 Zentimeter bei 3×12, für 8 Zentimeter bei 3×16. Das trifft nicht auf den Millimeter, führt aber zuverlässig in das richtige Fenster – und aus diesem Fenster heraus korrigiert ihr mit dem Testbrand.
Zwei Korrekturen kommen obendrauf. Nach oben: bei stark gefärbtem, stark beduftetem oder stearinhaltigem Wachs eine Nummer größer. Nach oben ebenfalls: bei Bienenwachs, Raps- und Sojawachs, weil diese Wachse zäher fließen. Nach unten korrigiert man praktisch nie – ein zu dicker Docht lässt sich nach dem Anzünden kürzen, ein zu dünner ist verloren.
Zu dünn oder zu dick: woran ihr einen falschen Docht erkennt
Ein falscher Docht zeigt sich innerhalb der ersten zwei Brennstunden. Ist er zu dünn, bildet sich eine Rußknospe an der Spitze – Kerzen und Seife beschreibt den Mechanismus so: „Eine Rußknospe verhindert, dass ausreichend Wachs verdampft und zur Flamme gelangt. Die Flamme wird klein und schwächelt.“ Am Ende steht der Docht in einer Wachspfütze und erlischt (Stand: September 2026).
Der umgekehrte Fall ist lauter: Ein zu dicker Docht erzeugt eine hohe, unruhige Flamme, die schwarz rußt, den Rand mit abschmilzt und die Kerze auslaufen lässt. Bei Kerzen im Glas erkennt man ihn daran, dass das Glas heiß wird und innen grau anläuft.
Die einfachste Gegenprobe ist die Dochtlänge. Das Verbraucherinformationssystem Bayern rät, „darauf achten, dass der Docht nicht länger als 10 bis 15 Millimeter wird“. Brennt eure Kerze bei korrekt gekürztem Docht immer noch mit hoher, rußender Flamme, liegt es nicht an der Länge, sondern an der Stärke.
Der zweite Indikator ist der Wachssee. Nach zwei Stunden sollte er bis zum Rand reichen und etwa 5 bis 10 Millimeter tief sein. Bleibt ein fester Wachsrand stehen, ist der Docht zu dünn – der berüchtigte Tunnel. Ist der See tiefer als einen Zentimeter, ist er zu dick.
Kerzenreste einschmelzen statt wegwerfen: so geht es Schritt für Schritt

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Kerzenreste sind der günstigste Rohstoff überhaupt, weil sie schon bezahlt sind. Da laut kraut & rüben der Großteil der in Deutschland verkauften Kerzen aus Paraffin besteht und Stearin die zweithäufigste Sorte ist, ist die Restekiste in aller Regel eine Paraffin-Stearin-Kiste – zwei Materialien, die sich gut vertragen (Stand: September 2026).
Der Ablauf ist kurz: Reste nach Farbe und, soweit erkennbar, nach Wachsart sortieren. Alte Dochtstücke, Metallplättchen, Streichholzköpfe und Staub entfernen. Der WWF beschreibt den Kern der Anleitung so: alte Kerzenreste in einen alten Topf füllen und diesen ins Wasserbad stellen, bis die Reste zu schmelzen beginnen.
Danach das flüssige Wachs durch ein feines Sieb oder ein Stück Küchenkrepp in das Gießgefäß abseihen. Dieser Schritt ist der Unterschied zwischen einer Kerze, die brennt, und einer, die nach zehn Minuten erstickt: Ruß- und Dochtreste setzen sich im neuen Docht fest und verstopfen ihn.
Zum Schluss den neuen Docht mittig einhängen, langsam eingießen und vollständig auskühlen lassen. Bei Paraffin bildet sich beim Abkühlen fast immer eine Senke um den Docht – die füllt ihr nach einigen Stunden mit einem zweiten Guss auf. Ohne diesen Nachguss bleibt eine Hohlstelle, in der sich später der Wachssee sammelt.
Rechnerisch ergeben rund 100 Gramm Reste eine Kerze im kleinen Marmeladenglas. Wer ein Jahr lang sammelt, hat bei durchschnittlichem Kerzenverbrauch genug Material für die halbe Adventszeit.
Darf man verschiedene Wachse mischen?
Mischen ist erlaubt, aber nicht beliebig – entscheidend ist der Abstand der Schmelzpunkte. Zwischen Sojawachs mit 46 bis 54 Grad und Bienenwachs mit 62 bis 65 Grad liegen nach den Angaben von Distrebution bis zu 19 Grad, und genau solche Kombinationen erstarren ungleichmäßig und reißen (Stand: September 2026).
Als Faustregel funktioniert: Wachse mischen, deren Schmelzbereiche sich überlappen. Paraffin und Stearin tun das, ebenso Soja- und Rapswachs. Bienenwachs mit Sojawachs zu strecken, geht dagegen selten gut – das Ergebnis wird fleckig und brennt unsauber.
Der zweite Punkt betrifft den Docht. Kerzen und Seife formuliert die Regel knapp: „Umso mehr Farbe, Duft oder Stearin man dem Wachs beimischt, umso größer muss der Docht sein.“ Jede Mischung ist also auch eine Entscheidung über die Dochtstärke, nicht nur über die Optik.
Praktisch heißt das für die Restekiste: Paraffin- und Stearinreste dürfen zusammen in den Topf, Bienenwachs kommt in einen eigenen. Wer unsicher ist, macht eine Testkerze im Teelichtbecher – die kostet zehn Minuten und beantwortet die Frage endgültig.
Wie färbe ich Kerzenreste ein, ohne dass sie rußen?
Farbe gehört zu den häufigsten Ursachen für rußende Selbstgemachte, weil Pigment den Docht zusetzt. Kerzen und Seife formuliert es so: „Pigmentierung und Stärke der Wachsfarbe beeinflussen das Brennverhalten. Eine stark pigmentierte Kerze kann den Docht verstopfen … In solchen Fällen ist es ratsam, einen dickeren Docht zu wählen.“ Wer also von 3×8 auf 3×9 oder 3×10 geht, hat das Problem meist gelöst (Stand: September 2026).
Wichtiger als die Dochtnummer ist aber die Wahl des Farbmittels. Lebensmittelfarbe ist wasserbasiert und lässt sich in Wachs nicht lösen – sie sinkt ab, verklumpt und brennt schlecht. Wachsmalstifte sind fettbasiert und mischen sich zwar, enthalten aber Füllstoffe und Pigmente in Mengen, die für eine Kerze nie gedacht waren.
Für ein sauberes Ergebnis nehmt ihr entweder Farbpigmente, die ausdrücklich für Kerzenwachs verkauft werden, oder ihr färbt gar nicht und sortiert stattdessen die Reste nach Farbe. Der zweite Weg ist der günstigere: Eine Kiste roter Adventskerzenreste ergibt eine rote Kerze, ohne dass ein Gramm Zusatz nötig wäre.
Und noch ein Hinweis zur Dosierung: Was in der Schmelze kräftig aussieht, wird nach dem Erstarren deutlich heller. Wer die Farbtiefe der flüssigen Phase trifft, hat garantiert zu viel Pigment drin – und damit wieder ein Dochtproblem.
Wachs sicher schmelzen: Wasserbad statt direkter Hitze

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Das Wasserbad ist keine Bequemlichkeit, sondern eine Temperaturbremse: Siedendes Wasser bleibt bei 100 Grad stehen, während die Wachse mit 46 bis 68 Grad Schmelzpunkt weit darunter liegen. Zwischen Schmelzpunkt und Siedepunkt liegen also mindestens 32 Grad Puffer – auf der direkten Platte gibt es diesen Puffer nicht, dort steigt die Wachstemperatur ungebremst weiter.
Genau das ist die Gefahr. Überhitztes Wachs beginnt zu dampfen, und diese Dämpfe sind brennbar. Ein Wachsbrand verhält sich dann wie ein Fettbrand: Nach der Darstellung zum Fettbrand ist brennendes Fett oder Öl bereits bei seiner Entzündung mehrere hundert Grad Celsius heiß und damit heißer als siedendes Wasser (Stand: September 2026).
Deshalb gilt: niemals mit Wasser löschen. Wasser ist dichter als Wachs, sinkt zu Boden, verdampft dort schlagartig und schleudert das brennende Wachs als feinen Nebel in den Raum – eine Verpuffung. Richtig ist: Deckel drauf, Hitze aus, Topf stehen lassen. Eine Löschdecke oder ein Feuerlöscher der Brandklasse F gehört in jede Küche, in der regelmäßig Wachs geschmolzen wird.
Vier weitere Regeln, die den Unterschied machen: kein Wasser ins Wachs (schon ein Tropfen spritzt beim Eingießen), das Wachs nie unbeaufsichtigt lassen, keine Kunststoffgefäße im Wasserbad, und die Fläche vorher freiräumen. Der WWF ergänzt für den Familieneinsatz: „Beim Kerzenbasteln sollte immer eine erwachsene Person dabei sein.“
Kerzen verzieren ohne Brandgefahr: Trockenblumen und Wachsplatten
Dekoration in der Kerze ist der Teil, bei dem aus einem Bastelprojekt eine Brandlast wird – Blüten, Zweige und Gewürze sind organisches Material mitten im Brennbereich. Die Grundregel folgt aus der Dochtlänge: Wenn der Docht laut dem Verbraucherinformationssystem Bayern maximal 10 bis 15 Millimeter lang sein soll, darf im Umkreis des Wachssees schlicht nichts Brennbares liegen (Stand: September 2026).
Praktisch heißt das: Blüten und Zweige gehören in die äußeren Millimeter der Kerze und mindestens zwei Zentimeter vom Docht entfernt, besser drei. Sie müssen vollständig mit Wachs überzogen sein – ein herausstehendes Blütenblatt ist ein Zünder. Und sie müssen vollständig getrocknet sein: Restfeuchte spritzt beim Eingießen und schimmelt später im Wachs.
Die sicherere Variante ist, den Schmuck außen anzubringen statt einzugießen: Motive aus dünnen Wachsplatten ausschneiden und auf die fertige Kerze drücken. Diese Deko schmilzt mit dem Wachs ab, statt zu brennen, und lässt sich auf jeder gekauften Stumpenkerze genauso anwenden.
Für die klassische Frage, welches Wachs sich für Trockenblumen eignet: Nehmt ein Wachs mit niedrigem Schmelzpunkt, also Soja oder weiches Paraffin. Es fließt schonender über die Blüten und verfärbt sie weniger als Bienenwachs bei 65 Grad. Wie ihr die fertigen Kerzen sicher auf einem Gesteck befestigt, steht in unserem Ratgeber Adventskranz selber machen.
Was kostet eine selbstgemachte Kerze – und wann lohnt der Kauf?
Aus Resten gegossen kostet eine Kerze faktisch nur den Docht, also wenige Cent. Kauft ihr Wachs neu, liegt der Materialpreis je nach Sorte deutlich höher – und dann konkurriert das Selbstgemachte mit Angeboten: In unserem eigenen Beitragsbestand stehen 27 Beiträge mit „Kerze“ im Titel, 15 redaktionelle Deals und 12 User-Deals, unter insgesamt 76.264 erfassten Beiträgen (Stand: 3. September 2026).
Die ehrliche Rechnung sieht so aus: Bei neu gekauftem Sojawachs, Duftöl und Gläsern landet ihr pro Kerze schnell im Bereich einer Marken-Duftkerze aus dem Angebot. Der Preisvorteil entsteht nur bei Restverwertung oder bei größeren Gebinden.
Was ihr dafür bekommt, ist trotzdem etwas anderes: Größe, Farbe, Duft und Gefäß bestimmt ihr selbst, und die Kerze ist ein Geschenk mit Aufwand statt eines Kaufobjekts. Wer nur Kerzen braucht, kauft günstiger. Wer etwas Bestimmtes will, macht es selbst.
Ein Zwischenweg funktioniert gut: Gekaufte Standardkerzen im Angebot bevorraten und die eigenen Gießaktionen auf das beschränken, was es nicht zu kaufen gibt – Duftkombinationen, ungewöhnliche Gefäße, Kerzen in Farben, die zur eigenen Deko passen.
Wann lohnt sich der Einstieg? Die Saison beginnt im Oktober
Kerzen sind ein Saisonthema, und die Zahlen aus dem eigenen Haus zeigen wann: Von 25 datierten Kerzen-Beiträgen in unserem Bestand fallen 19 – also 76 Prozent – in die Monate Oktober, November und Dezember, mit dem Höhepunkt im November (Stand: 3. September 2026). Der Rest verteilt sich dünn über das ganze Jahr.
Für euch heißt das zweierlei. Erstens: Material und Zubehör sind ab Oktober breit verfügbar, aber auch am teuersten. Wer im Sommer kauft, zahlt weniger, findet dafür weniger Auswahl. Zweitens: Wenn ihr Kerzen verschenken wollt, fangt im Oktober an – Wachs muss auskühlen, Nachgüsse brauchen Stunden, und Testbrände kosten einen Abend.
Der zweite Beschaffungszeitpunkt ist der Januar. Direkt nach Weihnachten werden Kerzen, Gläser und Deko abverkauft, und gleichzeitig fällt die größte Menge Kerzenreste des Jahres an. Wer beides zusammenbringt, hat das Material für die nächste Saison praktisch geschenkt.
Wann die Deko-Saison insgesamt startet und wann sich der Kauf lohnt, haben wir in Weihnachtsdeko ab wann aufgeschlüsselt.
Vor- & Nachteile im Überblick
Zusammengefasst über die vier Wachsarten und die Dochtregel: Selbstgemachtes gewinnt bei Restverwertung und Individualität, verliert bei Zeitaufwand und Reproduzierbarkeit.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Reste kosten nichts, nur der Docht | Dochtwahl braucht Testbrände |
| Duft, Farbe und Größe frei wählbar | Neues Wachs ist selten günstiger |
| Kein Kunststoff, kein Verpackungsmüll | Wachs erfordert Aufsicht und Wasserbad |
| Gute Geschenkidee ab Oktober | Nachguss und Auskühlen dauern Stunden |
Häufige Fragen zu Kerzen selber machen
Ist Paraffin oder Sojawachs besser für die Dekoration geeignet?
Für eingegossene Dekoration ist Sojawachs die schonendere Wahl, weil es mit 46 bis 54 Grad deutlich kühler gegossen wird als Paraffin mit bis zu 68 Grad. Trockenblumen verfärben sich dadurch weniger. Für aufgelegte Deko und freistehende Kerzen ist Paraffin besser, weil es formstabiler bleibt und sich sauberer entformen lässt.
Wie groß muss der Abstand der Blumen zum Docht sein um Brandgefahr zu vermeiden?
Rechnet mit mindestens zwei Zentimetern, besser drei. Ausschlaggebend ist der Wachssee: Er reicht bei brennender Kerze bis zum Rand, und alles, was in diesem Bereich aus dem Wachs herausragt, kann Feuer fangen. Die sicherste Lösung ist, den Docht in einem blütenfreien Kreis in der Mitte zu halten und die Deko in die äußeren Millimeter zu legen.
Verstopft die Verwendung von Wachsmalstiften den Docht beim Abbrennen?
Ja, das ist der Regelfall. Wachsmalstifte enthalten Pigmente und Füllstoffe, die nicht mitverbrennen, sondern sich im Dochtgeflecht absetzen. Die Flamme wird kleiner, rußt und erlischt irgendwann. Wenn ihr sie trotzdem einsetzt, nehmt sehr wenig Farbe und wählt den Docht mindestens eine Nummer größer als von der Durchmessertabelle vorgegeben.
Warum brennen Kerzen ungleichmäßig nach dem Hinzufügen von Lebensmittelfarbe?
Lebensmittelfarbe ist wasserbasiert, Wachs ist es nicht. Die Farbe löst sich deshalb nicht, sondern bildet Tröpfchen und Klumpen, die sich beim Erstarren ungleich verteilen. Der Docht saugt an diesen Stellen anders, die Flamme schwankt und die Kerze brennt schief ab. Für Wachs braucht ihr fettlösliche Farbmittel oder Pigmente, die als Kerzenfarbe verkauft werden.
Welchen Docht brauche ich für Kerzen im Glas?
Messt den Innendurchmesser des Glases, nicht die Höhe. Ein Marmeladenglas mit 6 Zentimetern Innendurchmesser braucht nach der Staffel von Kerzen und Seife einen Flachdocht 3×11 bis 3×13, ein schmales Teelichtglas mit 4 Zentimetern einen 3×7 bis 3×9. Verwendet Dochte mit Metallplättchen, sonst kippt der Docht beim Eingießen um.
Wie lange muss selbstgegossenes Wachs aushärten?
Rechnet mit mindestens vier Stunden bis zur Formstabilität und 24 Stunden bis zum ersten Anzünden. Bei Paraffin bildet sich beim Abkühlen eine Senke um den Docht, die ihr nach etwa zwei bis drei Stunden mit einem zweiten Guss auffüllt. Duftkerzen aus Sojawachs profitieren von mehreren Tagen Ruhe, bevor der Duft sein volles Profil hat.
Kann man Kerzen mit Kindern selber machen?
Ja, aber mit klarer Aufgabenteilung. Das Schmelzen und Eingießen des heißen Wachses bleibt Erwachsenensache, Kinder übernehmen Sortieren, Dochtzuschnitt, Gefäßdeko und das Verzieren fertiger Kerzen mit Wachsplatten. Der WWF formuliert die Regel knapp: Beim Kerzenbasteln sollte immer eine erwachsene Person dabei sein.
Was mache ich mit Kerzenresten, in denen noch Dochtstücke und Streichhölzer stecken?
Grob mit der Hand vorsortieren und den Rest beim Umfüllen abseihen. Metallplättchen und Dochtstücke lassen sich nach dem Schmelzen mit einem feinen Sieb oder einem Stück Küchenkrepp herausfiltern. Dieser Schritt entscheidet über die Brennqualität – Rußpartikel aus alten Dochten setzen den neuen Docht innerhalb weniger Stunden zu.
Muss man Wachs mit einem Thermometer überwachen?
Im Wasserbad nicht zwingend, weil die Temperatur dort auf rund 100 Grad gedeckelt ist und keines der vier Wachse darüber liegt. Ein Thermometer hilft trotzdem bei Duftkerzen: Duftöl wird typischerweise wenige Grad über dem Schmelzpunkt eingerührt, damit es sich bindet, ohne zu verdampfen. Auf der direkten Herdplatte ist ein Thermometer dagegen Pflicht.
Fazit: Wachs wählen, Docht messen, Reste retten
Wer die drei Kernzahlen im Kopf hat, macht kaum noch etwas falsch: Schmelzpunkte zwischen 46 und 68 Grad je nach Wachsart, Dochtlänge maximal 10 bis 15 Millimeter, und Dochtstärke nach Durchmesser statt nach Gefühl. Alles andere ist Übung.
- Wachs nach Zweck: Soja ins Glas, Stearin oder Paraffin für freistehende Kerzen.
- Docht nach Durchmesser: zweite Flachdocht-Zahl ungefähr Durchmesser in Zentimetern mal zwei, bei Farbe und Duft eine Nummer größer.
- Reste sortiert einschmelzen: Paraffin und Stearin zusammen, Bienenwachs separat, immer abseihen.
Wenn ihr über das Kerzengießen hinaus in die Adventsdeko einsteigen wollt, ist unser Ratgeber Adventskranz selber machen der nächste logische Schritt – dort geht es um Halterungen, Materialien und den sicheren Abstand zwischen Flamme und Gesteck. Und wenn ihr für Zubehör, Gläser oder fertige Kerzen lieber auf ein gutes Angebot wartet: Die aktuellen Schnäppchen findet ihr jederzeit auf MonsterDealz.de.