Quishing: So erkennt ihr gefÀlschte QR-Codes an Parkautomat, LadesÀule, Brief und Mail

Quishing ist Phishing per QR-Code: BetrĂŒger verstecken die Adresse einer gefĂ€lschten Seite in einem Code, den ihr auf einem Brief, einem Aufkleber am Parkautomaten oder in einer Mail scannt, und kommen so an BankzugĂ€nge und Kartendaten. Allein zwischen August und Oktober 2026 haben drei Polizeibehörden in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen vor gefĂ€lschten Bankbriefen mit QR-Code gewarnt. Hier steht, wo die Codes gerade auftauchen, woran ihr sie vor dem Antippen erkennt und was ihr tun mĂŒsst, wenn ihr schon gescannt habt. Stand: November 2026.

Das Wichtigste in KĂŒrze

  • Quishing setzt sich aus QR-Code und Phishing zusammen. Der Code selbst ist harmlos, gefĂ€hrlich ist die Seite, auf die er fĂŒhrt.
  • Aktuellste Welle: gefĂ€lschte Bankbriefe, gemeldet von der Polizei SĂŒdosthessen (11. August 2026), Euskirchen (22. Oktober 2026) und Leer/Emden (26. Oktober 2026).
  • Am Parkautomaten und an der LadesĂ€ule zahlt ihr nie ĂŒber einen Aufkleber, sondern ĂŒber die selbst installierte App, die Karte oder das Display der SĂ€ule.
  • Daten eingegeben? Sofort Bank anrufen, Zugang ĂŒber den Sperr-Notruf 116 116 sperren, Anzeige erstatten, Brief oder Aufkleber als Beweis aufheben.

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Was ist Quishing, und warum funktioniert die Masche so gut?

HĂ€nde halten ein Smartphone vor einen ausgedruckten QR-Code

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Quishing ist laut Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik Phishing ĂŒber QR-Codes, bei dem schĂ€dliche Links in Codes hinterlegt und in glaubwĂŒrdig wirkende Nachrichten verpackt werden. Im BSI-Newsletter „Einfach Cybersicher“ vom 1. April 2026 nennt die Behörde als Hauptziel Zugangsdaten fĂŒr Bankkonten und schreibt, dass besonders Kundinnen und Kunden deutscher Banken betroffen sind und Smartphones den TĂ€tern als Einstiegspunkt dienen.

Wer einen solchen Code gescannt hat, sorgt sich vor allem um eines: dass Fremde unbemerkt an Konto oder Daten kommen. Diese Sorge ist berechtigt, denn der Trick nutzt eine SchwÀche, die jeder QR-Code hat. Eine gefÀlschte Internetadresse in einer Mail könnt ihr lesen, bevor ihr klickt. Ein Quadratmuster dagegen kann kein Mensch lesen, die Adresse dahinter seht ihr erst nach dem Scan, und viele tippen sie dann an, ohne hinzusehen.

Die Polizeiinspektion Leer/Emden beschreibt das in ihrer Warnung vom 26. Oktober 2026 so: „Das GefĂ€hrliche an dieser Betrugsmasche ist, dass QR-Codes auf den ersten Blick unverdĂ€chtig wirken.“ Dazu kommt laut Polizei, dass gefĂ€lschte Seiten auf dem kleinen Smartphone-Bildschirm schwerer auffallen als am Rechner. Die Adresszeile ist verkĂŒrzt, Logos und Farben der Bank lassen sich ohne Aufwand kopieren.

Ein zweiter Grund ist der Ort. Ein Code auf Briefpapier mit Bank-Logo, am stĂ€dtischen Parkautomaten oder an der LadesĂ€ule wirkt offiziell, weil der TrĂ€ger offiziell ist. Genau diesen Vertrauensvorschuss nutzen die TĂ€ter. Sie mĂŒssen keine Mail durch einen Spamfilter bringen, sie brauchen nur einen Drucker, ein Kuvert oder einen Aufkleber.

FĂŒr diesen Ratgeber hat unsere Redaktion am 5. November 2026 die Warnungen von BSI, Verbraucherzentrale, ADAC, der Stadt Stuttgart und vier Polizeibehörden gelesen, die Erstattungsregeln im BGB und das EuGH-Urteil vom 15. Oktober 2026 ausgewertet und das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale NRW auf neue FĂ€lle durchgesehen. Wie ihr einen QR-Code ĂŒberhaupt scannt und welche Kamera-Funktionen iPhone und Android haben, steht in unserem Ratgeber QR-Code scannen.

GefÀlschte Bankbriefe mit QR-Code: die Welle im Herbst 2026

Geöffneter Brief mit QR-Code, Lupe und Haftzettel „Vorsicht“ auf einem Holztisch

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Die aktuell hĂ€ufigste Form ist der Brief, angeblich von der eigenen Bank, mit einem QR-Code zur „BestĂ€tigung“ oder „Aktualisierung“. Die Polizeiinspektion Leer/Emden meldete am 26. Oktober 2026, dass Kunden eines örtlichen Instituts zwischen dem 13. und dem 19. Oktober 2026 solche Schreiben bekommen haben, in denen sie ihre Daten per QR-Code bestĂ€tigen sollten.

Die Masche ist nicht neu, sie wird aber breiter. Laut Verbraucherzentrale wurden erste Briefe dieser Art Ende August 2024 gemeldet, damals angeblich von der Commerzbank, Mitte September 2025 folgte ein Àhnlicher Brief in Velbert, und Mitte 2026 kamen weitere Briefe mit anderen Banken als angeblichem Absender. Seitdem hÀufen sich die Polizeimeldungen:

  • SĂŒdosthessen, 11. August 2026: Laut PolizeiprĂ€sidium SĂŒdosthessen verschickten Kriminelle Schreiben im Namen einer Bank in Dreieich und Offenbach, angeblich zur Verifizierung des Online-Bankings. Der Code fĂŒhrte auf eine tĂ€uschend echte Anmeldeseite mit Bank-Logo.
  • Euskirchen, 22. Oktober 2026: Laut Polizei Euskirchen trafen die Briefe Firmenkunden der VR Bank Nordeifel. Sie sollten ihre Gewerbeanmeldung per QR-Code digital bestĂ€tigen, teils unter Androhung einer Kontosperrung.
  • Leer/Emden, 26. Oktober 2026: Laut Polizeiinspektion Leer/Emden sollten Kunden einer Bank aus der Region persönliche Daten und Online-Banking-Zugangsdaten auf einer nachgebauten Seite eingeben.

Im Phishing-Radar der Verbraucherzentrale NRW stehen zwischen dem 29. Oktober und dem 5. November 2026 sechs neue Warnungen, alle zu Phishing-Mails, keine zu QR-Briefen (Stand 5. November 2026). Briefe tauchen dort seltener auf, weil sie regional verteilt werden und zuerst bei der Polizei vor Ort landen. Eine bundesweite Zahl, wie viele solche Briefe im Umlauf sind, veröffentlicht keine der genannten Stellen.

Woran erkennt ihr einen gefÀlschten Bankbrief?

Am sichersten daran, dass er euch auffordert, per QR-Code Online-Banking-Daten einzugeben. Die Commerzbank beschreibt auf ihrer Hilfeseite Briefe im Namen verschiedener Banken, deren Code angeblich fĂŒr einen Aktualisierungsprozess nötig ist und auf eine gefĂ€lschte Webseite fĂŒhrt. Dort sollen EmpfĂ€nger ihre Zugangsdaten eingeben und eine Kopie der photoTAN-Aktivierungsgrafik teilen. Diese Grafik dient dazu, ein GerĂ€t fĂŒr das photoTAN-Verfahren zu aktivieren, in fremden HĂ€nden also womöglich ein GerĂ€t der TĂ€ter.

Weitere Warnzeichen aus den Polizeiwarnungen: eine kurze Frist, die Drohung mit einer Kontosperrung wie bei den Briefen in Euskirchen und die Aufforderung, Daten zu „bestĂ€tigen“, die eure Bank lĂ€ngst kennt. Die Verbraucherzentrale rĂ€t außerdem, eine Telefonnummer aus dem Brief nie zu benutzen, sondern eine selbst recherchierte. Keines dieser Merkmale ist allein ein Beweis, denn gute FĂ€lschungen haben euren Namen und das echte Logo. Die eine PrĂŒfung, die immer funktioniert: Ruft eure Bank ĂŒber die Nummer auf der Karte oder in der Banking-App an und fragt, ob das Schreiben echt ist.

Warum folgt auf den Brief oft ein Anruf?

Weil die TĂ€ter mit Zugangsdaten allein meist noch keine Überweisung schaffen, dafĂŒr braucht es die Freigabe in der TAN-App. Laut Polizei SĂŒdosthessen riefen nach den Briefen angebliche Sicherheitsmitarbeiter der Bank an und verlangten unter dem Vorwand einer SicherheitsĂŒberprĂŒfung weitere Daten oder die Freigabe von Transaktionen. In EinzelfĂ€llen wurden dadurch Zahlungen autorisiert.

Die Polizei Euskirchen rĂ€t deshalb ausdrĂŒcklich, unerwartete Freigabeanfragen in der VR SecureGo plus App nicht zu bestĂ€tigen. Das gilt fĂŒr jede TAN-App: Eine Freigabe, die ihr nicht selbst ausgelöst habt, lehnt ihr ab. Wie diese Anrufe ablaufen und wie ihr reagiert, steht in unserem Ratgeber zu Smishing und Vishing.

Parkautomat, LadesĂ€ule, Strafzettel: Quishing im Straßenverkehr

Finger hebt einen ĂŒberklebten QR-Code-Aufkleber an einem Parkscheinautomaten an

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Am Parkautomaten kleben die TĂ€ter einen eigenen Code ĂŒber den echten, der eigentlich zur Park-App fĂŒhren soll. Die Stadt Stuttgart warnte am 8. Juni 2026 erneut vor Aufklebern mit dem Hinweis „Direktzahlung“ an einigen Automaten im Stadtgebiet, die auf eine betrĂŒgerische Seite mit Abfrage von Bankdaten fĂŒhren.

Die Stadt stellt dabei klar: „Die Stadt weist darauf hin, dass der Bezahlvorgang nicht ĂŒber QR-Code-Aufkleber gestartet wird.“ Bezahlt wird in Stuttgart ĂŒber die Park-Apps EasyPark, mobilet, Yellowbrick/flowbird, PayByPhone, Parkster und PARCO, die ihr aus dem App Store oder Google Play ladet. Der ADAC hatte schon am 27. Juni 2025 ĂŒber professionell gestaltete Aufkleber in Bad Harzburg, Goslar, Celle, Hannover, Köln und Dortmund berichtet, die einen Sofort-Bezahlvorgang vortĂ€uschen, den EasyPark gar nicht anbietet.

Die Regel fĂŒr den Parkplatz ist deshalb einfach: Wer eine Park-App nutzt, startet sie selbst und scannt am Automaten gar nichts. Wer keine hat, zahlt bar oder mit Karte am Automaten, wie es der ADAC empfiehlt, oder lĂ€dt die App direkt im Store. Ein Aufkleber, der sich mit dem Fingernagel anheben lĂ€sst oder leicht erhaben ĂŒber dem Aufdruck sitzt, ist ein Grund, den Code zu meiden und den Automaten der Stadt zu melden. Wie die gefĂ€lschten SMS im Namen von Park-Apps aussehen, die oft parallel laufen, zeigt unser Ratgeber zum Park-App-Betrug.

LadesÀule: lieber Display, App oder Ladekarte

An E-Auto-LadesĂ€ulen warnte die Verbraucherzentrale erstmals im August 2024 vor ĂŒberklebten Codes, die zur Bezahlseite fĂŒhren sollten. Neuere FĂ€lle mit Datum haben wir fĂŒr 2026 nicht gefunden. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rĂ€t: Hat die SĂ€ule ein Display, scannt ihr den Code nur dort, einen ĂŒberklebten Code lasst ihr unangetastet, und mit Lade-App oder Ladekarte mĂŒsst ihr gar nicht scannen.

Das hat auch einen Spar-Effekt: Ad-hoc-Laden ohne Vertrag war im ADAC-Preisvergleich an Autobahnen bis zu 62 Prozent teurer als ein vertragsbasierter Tarif beim selben Anbieter. Welche Preise an der SĂ€ule gelten und wann sich eine Ladekarte lohnt, zeigt unser Ratgeber zu den Kosten beim E-Auto-Laden.

Falscher Strafzettel unter dem Scheibenwischer

Laut Verbraucherzentrale gab es auch Berichte ĂŒber gefĂ€lschte Strafzettel mit QR-Code, unter anderem aus Berlin, ein Datum nennt sie dafĂŒr nicht. Ein echtes Verwarnungsgeld stellt eine Behörde aus, keine Internetseite hinter einem Aufkleber. Die Verbraucherzentrale rĂ€t, im Zweifel mit dem Zettel zur Polizei zu gehen, statt den Code zu scannen.

Quishing per E-Mail, Plakat und Paketzettel

In E-Mails gibt es Quishing seit mindestens 2021: Laut Verbraucherzentrale tauchten die ersten Phishing-Mails mit QR-Code Anfang 2021 auf, oft mit Bank-Logos. Der Vorteil fĂŒr die TĂ€ter: Ein Link als Bild im Anhang oder im Mailtext wird von Spamfiltern schlechter erkannt als eine anklickbare Adresse.

Zuletzt beschreibt die Verbraucherzentrale Mails, die angeblich vom ADAC stammen und fĂŒr eine Umfrage ein Dankesgeschenk versprechen. Das BSI nennt im April-Newsletter gefĂ€lschte QR-Codes in angeblichen Bank-Mails als typisches Beispiel. Ein QR-Code in einer Mail ist fast immer ein Warnzeichen, denn wer die Mail auf dem Rechner liest, muss zum Scannen erst das Handy holen und wechselt damit vom besser geschĂŒtzten Rechner aufs Smartphone. Echte Firmen setzen in Mails einen normalen Link.

Auch im Nahverkehr gab es FĂ€lle: Am 10. Dezember 2024 warnte die Rheinbahn in DĂŒsseldorf laut Verbraucherzentrale vor Plakaten in Bussen und Bahnen, die Deutschlandtickets versprachen und per QR-Code Daten abfragten. Die Verbraucherzentrale rĂ€t, bei solchen Plakaten das Personal zu fragen.

Zu Paketzetteln im Briefkasten, die per QR-Code eine angeblich verpasste Zustellung melden, haben wir bei Polizei und Verbraucherzentrale keine eigene, datierte Warnung gefunden. Das Muster ist aber dasselbe wie bei Paket-SMS: Wer eine GebĂŒhr fĂŒr eine Zustellung verlangt, die ihr nicht erwartet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Paketdienst. PrĂŒft die Sendung ĂŒber die App des Zustellers oder die Sendungsnummer aus eurer BestellbestĂ€tigung.

Wie erkenne ich bösartige QR-Codes, bevor ich sie öffne?

HĂ€nde mit Smartphone auf einer Parkbank neben einem Flyer mit QR-Code und dem Schild „PrĂŒfen“

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Ihr erkennt sie an der Adresse, die euer Handy nach dem Scan anzeigt, bevor ihr sie antippt. Laut Google-Hilfe zur Kamera-App erscheint nach dem Scan ein Banner, auf das ihr erst klicken mĂŒsst, das iPhone blendet ebenfalls eine Mitteilung ein. Dieser eine Moment zwischen Scan und Antippen ist eure PrĂŒfung.

Das BSI formuliert die Grundregel im April-Newsletter so: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten QR-Codes nur aus vertrauenswĂŒrdigen Quellen scannen und wachsam bleiben.“ Praktisch heißt das, fĂŒnf Dinge zu prĂŒfen:

  1. Ort: Klebt der Code auf etwas anderem auf? LĂ€sst er sich anheben, sitzt er schief oder leicht erhaben? Dann nicht scannen.
  2. Domain: Lest die Adresse von rechts nach links bis zum ersten einzelnen Punkt. Bei „bank.de-sicherheit.com“ ist „de-sicherheit.com“ die eigentliche Seite, nicht eure Bank. Die Verbraucherzentrale warnt besonders vor Bindestrichen vor der Domainendung.
  3. Zeichen: Die Commerzbank nennt kleine Abweichungen wie eine Null statt eines „o“ und auslĂ€ndische Endungen als typische FĂ€lschungsmerkmale.
  4. Kurzlinks: Bei verkĂŒrzten Links seht ihr das eigentliche Ziel nicht, darauf weist die Verbraucherzentrale Niedersachsen hin. Ein Bank- oder Bezahlcode mit Kurzlink ist verdĂ€chtig.
  5. Abfrage: Verlangt die Seite nach dem Scan Kartennummer, PIN, TAN oder Online-Banking-Login, brecht ab und öffnet den Dienst selbst ĂŒber App oder eingetippte Adresse.

Die Polizei Leer/Emden ergĂ€nzt den wichtigsten Rat: Ruft eure Bank immer direkt ĂŒber die bekannte Adresse oder die offizielle App auf. Wer sich das angewöhnt, braucht bei Bankbriefen gar keinen QR-Code mehr und ist gegen FĂ€lschungen geschĂŒtzt, egal wie gut sie gemacht sind.

Wie die Masche in der Praxis aussieht, zeigt die Polizeiliche KriminalprÀvention der LÀnder und des Bundes in einem kurzen ErklÀrvideo vom 16. Oktober 2026:

Nicht jeder QR-Code ist verdĂ€chtig, und das Scannen allein richtet keinen Schaden an. In unserer Deal-Datenbank tragen von allen veröffentlichten und abgelaufenen Deals und Userdeals genau zwei Angebote einen QR-Code im Titel, darunter ein Gratis-Trikot von Coca-Cola vom 4. Mai 2026, fĂŒr das ihr Codes von der Verpackung scannen solltet (eigene AuszĂ€hlung, Stand 5. November 2026). Seriöse Aktionen drucken den Code auf das Produkt oder die offizielle Werbung und fragen danach keine Bankdaten ab. Wer echte Aktionen sucht, findet sie geprĂŒft bei uns. Wo im Netz außerdem gefĂ€lschte Seiten lauern, erklĂ€rt unser Ratgeber Fake-Shops erkennen.

Was passiert, wenn ich einen bösartigen QR-Code gescannt habe?

Solange ihr nur gescannt und nichts eingegeben habt, ist in der Regel nichts passiert. Laut allen drei ausgewerteten Polizeiwarnungen vom August bis Oktober 2026 entsteht der Schaden erst durch die Eingabe von Zugangsdaten, PIN oder TAN oder durch eine Freigabe in der TAN-App.

Ein QR-Code enthĂ€lt nur Text, meist eine Internetadresse. GefĂ€hrlich wird es, wenn die Seite dahinter euch zu etwas bringt: Daten eingeben, eine Zahlung bestĂ€tigen oder eine App installieren. Werdet ihr nach dem Scan aufgefordert, eine App oder ein Profil zu installieren, lehnt ihr ab und schließt die Seite.

Ihr habt Daten eingegeben

Jetzt zÀhlt Tempo, nicht VollstÀndigkeit. Aus den Warnungen der Polizei Euskirchen, der Polizei Leer/Emden und der Verbraucherzentrale ergibt sich diese Reihenfolge:

  1. Bank informieren: sofort, ĂŒber die Nummer auf der Karte oder in der App, nicht ĂŒber die Nummer im Brief.
  2. Sperren: Online-Banking und betroffene Karten sperren lassen, auch ĂŒber den Sperr-Notruf 116 116. Er ist rund um die Uhr erreichbar und sperrt neben girocard und Kreditkarte auch den Online-Banking-Zugang, dafĂŒr braucht ihr IBAN oder Kontonummer und Bankleitzahl. Aus dem Ausland wĂ€hlt ihr +49 116 116.
  3. Anzeige erstatten: bei der Polizei vor Ort oder ĂŒber die Online-Wache eures Bundeslandes, wie es die Verbraucherzentrale empfiehlt.
  4. Beweise sichern: Brief, Umschlag, Foto vom Aufkleber und Screenshots der Seite aufbewahren.
  5. Passwörter Ă€ndern: fĂŒr das Online-Banking und ĂŒberall dort, wo ihr dasselbe Passwort nutzt.

Ihr habt Kartendaten am Parkautomaten eingegeben

Dann sperrt ihr die Kreditkarte vorsorglich, erstattet Anzeige und behaltet die Kontobewegungen im Blick, so rÀt es der ADAC. Nach der Sperre können die TÀter mit den erbeuteten Kartendaten nichts mehr anfangen, Zahlungen nach eurer Sperranzeige muss nach Paragraf 675v Absatz 5 BGB die Bank tragen.

Bekommt ihr euer Geld nach Quishing zurĂŒck?

Bei einer Zahlung, die ihr nicht autorisiert habt, muss die Bank zunĂ€chst erstatten, und zwar laut Paragraf 675u BGB unverzĂŒglich, spĂ€testens bis zum Ende des GeschĂ€ftstags, der auf eure Meldung folgt. Euer Eigenanteil liegt nach Paragraf 675v BGB bei höchstens 50 Euro, solange ihr nicht betrĂŒgerisch, vorsĂ€tzlich oder grob fahrlĂ€ssig gehandelt habt.

Seit dem 15. Oktober 2026 ist dabei die Reihenfolge europaweit geklĂ€rt. Laut Pressemitteilung Nr. 147/26 des Gerichtshofs der EuropĂ€ischen Union zum Urteil C-70/25 entbindet grobe FahrlĂ€ssigkeit des Kunden die Bank nicht von der Pflicht, den Betrag sofort zu erstatten. Die einzige Ausnahme ist der begrĂŒndete Verdacht, der Kunde selbst betrĂŒge, und den muss die Bank der zustĂ€ndigen Behörde schriftlich mitteilen. Ob ihr grob fahrlĂ€ssig gehandelt habt, klĂ€rt sich erst danach, wenn die Bank ihr Geld zurĂŒckfordert.

Der Fall vor dem EuGH passt genau auf Quishing: Eine Kundin hatte ihre Online-Banking-Daten auf einer nachgebauten Bankseite eingegeben, der TĂ€ter ĂŒberwies etwa 700 Euro. Heikler ist die Variante, die die Polizei SĂŒdosthessen beschreibt, bei der Opfer nach einem Anruf eine Zahlung selbst in der TAN-App freigegeben haben. Ob eine solche Zahlung rechtlich als von euch autorisiert gilt, ist eine Einzelfallfrage, die im Streit ein Gericht entscheidet. Meldet den Schaden trotzdem sofort und fordert die Erstattung schriftlich.

Wichtig ist die Ă€ußerste Frist: Nach Paragraf 676b BGB verliert ihr eure AnsprĂŒche, wenn ihr die Bank nicht spĂ€testens 13 Monate nach der Belastung informiert. Wie ihr die Erstattung formuliert, was ihr tut, wenn die Bank ablehnt, und wann die Schlichtungsstelle hilft, steht in unserem Ratgeber Phishing: Geld zurĂŒck.

Situation Wer trÀgt den Schaden? Norm
Nur gescannt, nichts eingegeben kein Schaden —
Daten eingegeben, TĂ€ter ĂŒberweist zuerst die Bank, ihr max. 50 € § 675u, § 675v Abs. 1
Grob fahrlĂ€ssig gehandelt Bank erstattet, fordert spĂ€ter zurĂŒck EuGH C-70/25, § 675v Abs. 3
Zahlung nach der Sperranzeige die Bank § 675v Abs. 5

Stand 05.11.2026. Quellen: Paragrafen 675u, 675v und 676b BGB, Pressemitteilung Nr. 147/26 des EuGH vom 15. Oktober 2026. Keine Rechtsberatung, im Streitfall helfen Verbraucherzentrale oder Anwalt.

QR-Codes im Alltag nutzen: Vor- & Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Scannen allein richtet keinen Schaden an Ziel-Adresse ist vor dem Scan unsichtbar
Handy zeigt die Adresse vor dem Öffnen an Aufkleber sind kaum vom Original zu unterscheiden
Bank muss nach EuGH-Urteil zuerst erstatten Selbst freigegebene Zahlungen sind schwer zurĂŒckzuholen
Sperr-Notruf 116 116 rund um die Uhr erreichbar GefÀlschte Seiten fallen auf dem Handy schwerer auf

HĂ€ufige Fragen zu Quishing

Was bedeutet Quishing?

Das Wort setzt sich aus „QR-Code“ und „Phishing“ zusammen. Gemeint ist der Versuch, euch ĂŒber einen manipulierten QR-Code auf eine gefĂ€lschte Seite zu locken, auf der ihr Zugangsdaten, Kartendaten oder TANs eingeben sollt. Erste FĂ€lle mit QR-Codes in Phishing-Mails tauchten laut Verbraucherzentrale Anfang 2021 auf.

Können QR-Codes Zahlungen ohne meine BestÀtigung auslösen?

Nein. Ein QR-Code enthĂ€lt nur Daten, etwa eine Adresse oder bei einem Überweisungscode die EmpfĂ€nger- und Betragsangaben. Eine Zahlung entsteht erst, wenn ihr auf der Seite oder in der Banking-App bestĂ€tigt oder eine TAN freigebt. Genau dazu versuchen euch die TĂ€ter zu bringen, oft mit einem Anruf nach dem Brief.

Wie deaktiviere ich das automatische Öffnen von Links beim Scannen?

Mit der vorinstallierten Kamera mĂŒsst ihr nichts deaktivieren: Laut Google-Hilfe öffnet sich der Link erst, wenn ihr auf das Banner nach dem Scan tippt, beim iPhone tippt ihr auf die eingeblendete Mitteilung. Nutzt ihr eine Scanner-App, stellt sie laut Verbraucherzentrale Niedersachsen so ein, dass sie den Link zuerst anzeigt und nicht sofort öffnet. Eine App, die das nicht kann, löscht ihr besser.

Warum sind Drittanbieter-Apps oft gefÀhrlicher als die vorinstallierte Kamera?

Weil sie zusĂ€tzliche Berechtigungen verlangen, Werbung einblenden und teils eigene Weiterleitungen zwischen euch und das Ziel schalten, wĂ€hrend die Systemkamera nur die Adresse anzeigt. iPhone und Android lesen QR-Codes seit Jahren ohne Zusatz-App. Welche Apps wir trotzdem fĂŒr vertretbar halten, steht in unserem Ratgeber zum QR-Code-Scannen.

Schickt meine Bank Briefe mit QR-Code?

Manche Banken nutzen QR-Codes, etwa zur Aktivierung eines TAN-Verfahrens. Ein Brief, der euch per QR-Code auf eine Seite schickt, auf der ihr Online-Banking-Login, PIN oder TAN eingeben sollt, ist aber nach allen Polizeiwarnungen von 2026 ein Warnsignal. PrĂŒft das Schreiben immer ĂŒber die Nummer auf eurer Bankkarte oder im echten Online-Banking.

Wo zeige ich Quishing an?

Bei der örtlichen Polizei oder ĂŒber die Online-Wache eures Bundeslandes. Einen gefĂ€lschten Aufkleber am Parkautomaten meldet ihr zusĂ€tzlich der Stadt, die ihn entfernen lĂ€sst, so beschreibt es die Stadt Stuttgart. GefĂ€lschte Bankbriefe leitet ihr außerdem an eure Bank weiter, damit sie andere Kunden warnen kann.

Fazit: Nicht der Code ist gefÀhrlich, sondern das, was danach abgefragt wird

Quishing funktioniert, weil ein QR-Code offiziell aussieht, wo er klebt oder gedruckt ist. Die Herbstwelle 2026 mit gefĂ€lschten Bankbriefen in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zeigt, dass die TĂ€ter inzwischen gezielt per Post arbeiten und mit einem Anruf nachfassen. Wer drei Regeln befolgt, ist trotzdem geschĂŒtzt:

  • Bank und Bezahldienste: nie ĂŒber einen QR-Code, immer ĂŒber die eigene App oder die selbst eingetippte Adresse öffnen.
  • Parkautomat und LadesĂ€ule: keine Aufkleber scannen, sondern Park-App, Karte, Ladekarte oder Display der SĂ€ule nutzen.
  • Ernstfall: Bank anrufen, ĂŒber den Sperr-Notruf 116 116 sperren, Anzeige erstatten, Erstattung schriftlich fordern.

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Über den Autor

Florian Silbereis

Ich bin Florian, 44 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und GrĂŒnder von MonsterDealz.de. Seit ĂŒber 17 Jahren spĂŒre ich tĂ€glich die besten Online-Deals, Preisfehler und Cashback-Aktionen auf — mein Wissen daraus steckt im Ratgeber „SchnĂ€ppchen richtig jagen: Der Insider-Guide fĂŒr smarte Online-KĂ€ufer“ (2026). Meine Spezialgebiete sind Mobilfunk-Tarife, Bonus-Deals, Tagesgeldkonten und das Finden echter Preisfehler bei großen Shops wie Amazon, MediaMarkt, Saturn und Otto. Mehr ĂŒber mich: interlynx.de, unterwegs bin ich auch auf Mastodon. Habt ihr Fragen oder einen heißen Deal-Tipp? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, PN,oder ĂŒber die Kontaktseite.

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