Streichpreise 2026: Was die 30-Tage-Regel wirklich bedeutet
Wer mit einer Preisermäßigung wirbt, muss den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angeben — der Rabatt ist auf diesen Wert zu beziehen, nicht auf eine unverbindliche Preisempfehlung. Das steht in der Preisangabenverordnung und ist der Grund, warum ein „minus 50 Prozent“ ohne diesen Bezug nichts wert ist. FĂĽr euch heiĂźt das: Der Streichpreis auf der Seite ist eine ĂĽberprĂĽfbare Angabe geworden — und wo er fehlt oder anders begrĂĽndet wird, lohnt der zweite Blick. Stand: August 2026.
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Bezugspunkt eines Rabatts ist der niedrigste Preis der letzten 30 Tage.
- Ein Vergleich mit der UVP ist etwas anderes und muss als solcher erkennbar sein.
- Bei laufend steigenden Rabatten gilt der Preis vor Beginn der Aktion.
- Die Preishistorie prüft ihr in Sekunden — sie ist der einzige verlässliche Maßstab.
Anzeige / Transparenz: Dieser Artikel enthält Partner-Links. Kauft ihr über einen solchen Link, erhalten wir eine kleine Provision. Für euch bleibt der Preis identisch.
Was die Regel besagt

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz
Bei jeder Bekanntgabe einer Preisermäßigung für Waren ist der niedrigste Gesamtpreis anzugeben, den der Händler innerhalb der letzten 30 Tage vor der Ermäßigung angewendet hat (§ 11 PAngV). Der beworbene Rabatt muss sich auf diesen Wert beziehen.
Die Wirkung ist erheblich. Vorher konnte ein Händler den Preis kurz anheben und anschließend eine hohe Ersparnis ausweisen. Heute zählt der niedrigste Preis des Vormonats — ein kurzfristig hochgesetzter Preis hilft dabei nicht.
Für laufend steigende Ermäßigungen gibt es eine Sonderregel: Wird der Rabatt während einer Aktion schrittweise erhöht, ist der niedrigste Preis vor Beginn der Aktion maßgeblich. Auch das verhindert eine rechnerische Aufwertung des Nachlasses.
Ebenfalls wichtig: Die Regel gilt je Händler. Maßgeblich ist der Preis, den dieser Anbieter verlangt hat — nicht der Preis anderer Shops. Ein Händler, der ein Produkt seit Monaten teuer anbietet, darf einen Rabatt auf seinen eigenen hohen Preis ausweisen, auch wenn die Konkurrenz durchgehend günstiger war. Formal korrekt, für euch trotzdem kein gutes Angebot.
Daraus folgt der wichtigste praktische Schluss dieses Artikels: Die Regel schützt vor manipulierten Vorpreisen, nicht vor einem schlechten Grundpreis. Beides zu verwechseln ist der häufigste Denkfehler beim Einkaufen.
Nicht betroffen sind reine Preisangaben ohne Ermäßigungsbehauptung. Wer schlicht einen Preis nennt, muss keinen Vergleichswert liefern — die Pflicht entsteht erst mit der Werbung für einen Nachlass.
UVP, Streichpreis, Statt-Preis
Drei Begriffe, die im Alltag durcheinandergehen. Sie bedeuten Verschiedenes, und nur einer davon ist die geregelte Ermäßigung.
| Angabe | Bezugspunkt |
|---|---|
| Ermäßigung | eigener 30-Tage-Tiefstpreis |
| UVP-Vergleich | Empfehlung des Herstellers |
| Marktpreis-Vergleich | Preise anderer Händler |
Ein UVP-Vergleich ist zulässig, sofern klar erkennbar ist, dass es sich um eine Herstellerempfehlung handelt — er sagt aber nichts darüber, ob ihr gerade günstig kauft. Bei vielen Produkten liegt der reale Marktpreis dauerhaft weit unter der UVP.
Deshalb der praktische Merksatz: Eine Prozentzahl ohne Bezugspunkt ist bedeutungslos. Fragt immer, worauf sich die Ersparnis bezieht — und ob dieser Wert jemals gezahlt wurde.
Besonders bei Produkten, die selten zur UVP verkauft werden, ist die Angabe irrefĂĽhrend, ohne falsch zu sein. Genau dort ist der Blick in die Preishistorie wichtiger als jede Auszeichnung.
So prĂĽft ihr einen Rabatt in einer Minute

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz
Ihr braucht dafĂĽr keine Rechtskenntnisse, sondern nur einen Blick auf den Preisverlauf.
- Preisverlauf ansehen. Ein Preisvergleichsportal zeigt, was das Produkt in den letzten Monaten gekostet hat.
- Tiefstpreis suchen. Liegt der aktuelle Preis darĂĽber, ist die Aktion nicht besonders.
- Auf das Muster achten. Wiederkehrende Aktionen zum immer gleichen Preis sind kein Sonderangebot, sondern der Normalpreis.
- Versand einrechnen. Ein niedriger Preis mit hohen Versandkosten ist kein niedriger Preis.
- Alarm setzen statt sofort kaufen, wenn ihr es nicht dringend braucht.
Wie ihr Preisverläufe systematisch nutzt, steht in unserem Ratgeber Preisvergleich-Portale; einen Alarm richtet ihr nach der Anleitung unter Preisalarm einrichten ein.
Nützlich ist außerdem ein Blick auf die Zahl der Händler, die ein Produkt führen. Ist ein Artikel nur bei einem einzigen Anbieter gelistet, gibt es keinen Marktpreis, an dem ihr euch orientieren könnt — dann bleibt nur der zeitliche Verlauf bei diesem einen Händler. Genau das ist die Konstellation, in der Streichpreise am wirkungsvollsten eingesetzt werden.
Achtet zusätzlich auf die Zeitfenster. Rund um große Aktionstage steigen die Ausgangspreise in manchen Sortimenten vorher an — auch wenn die 30-Tage-Regel das erschwert, lohnt der Blick auf den Verlauf über mehrere Monate statt über vier Wochen.
Was noch geregelt ist
Neben der Ermäßigung enthält die Preisangabenverordnung weitere Punkte, die euch im Alltag begegnen.
- Gesamtpreis. Anzugeben ist der Preis einschlieĂźlich Umsatzsteuer und aller sonstigen Preisbestandteile.
- Versandkosten. Es muss erkennbar sein, ob und in welcher Höhe zusätzliche Liefer- oder Versandkosten anfallen.
- Grundpreis. Bei Waren nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche ist zusätzlich der Preis je Mengeneinheit anzugeben — der eigentlich nützlichste Wert im Supermarkt.
Der Grundpreis ist die unterschätzteste Angabe überhaupt. Er macht Packungsgrößen vergleichbar und entlarvt die klassische Falle, dass die größere Packung teurer je Einheit ist. Wer im Regal nur auf ihn schaut, spart ohne jede weitere Mühe.
Nützlich ist der Grundpreis auch beim Vergleich unterschiedlicher Darreichungsformen: Konzentrat gegen fertige Lösung, Nachfüllpackung gegen Spender, Vorratspackung gegen Einzelportion. Erst je Mengeneinheit wird sichtbar, was tatsächlich billiger ist — und erstaunlich oft ist es nicht die größere Packung.
Gerade bei Aktionsware lohnt der Blick: Eine Sonderpackung mit auffälligem Rabattaufkleber ist im Grundpreis nicht selten teurer als die Standardgröße daneben.
Was ihr tun könnt, wenn etwas nicht stimmt

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz
Verstöße gegen die Preisangabenverordnung sind kein Kavaliersdelikt, aber ihr seid nicht die Durchsetzungsinstanz. Sinnvoll ist ein pragmatisches Vorgehen.
- Belegen. Screenshot mit Datum, am besten inklusive sichtbarem Preis und Rabatthinweis.
- Händler ansprechen. Oft ist es ein Fehler in der Preispflege und wird korrigiert.
- Verbraucherzentrale einschalten. Sie nimmt Hinweise entgegen und geht Mustern nach.
- Nicht kaufen. Der wirksamste Einzelschritt bleibt, ein unklares Angebot liegen zu lassen.
Eine Anmerkung zum Erwartungsmanagement: Wettbewerbsrechtliche Verstöße werden in Deutschland überwiegend von Mitbewerbern und Wettbewerbsverbänden verfolgt, nicht von einzelnen Verbrauchern. Ihr habt daraus keinen unmittelbaren Zahlungsanspruch — was ihr habt, ist die Information, um eine Kaufentscheidung besser zu treffen.
Für euch persönlich ist der letzte Punkt der wichtigste: Ihr müsst nicht recht bekommen, ihr müsst nur nicht zu viel zahlen. Ein Blick in die Preishistorie erledigt das schneller als jede Beschwerde.
Und behaltet im Kopf: Ein korrekt ausgewiesener Rabatt ist trotzdem kein guter Preis, wenn das Produkt vorher monatelang gĂĽnstiger war und der Tiefstpreis nur knapp auĂźerhalb des 30-Tage-Fensters liegt.
Vor- und Nachteile der Regelung
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Rabatte sind ĂĽberprĂĽfbar geworden | Das 30-Tage-Fenster ist kurz |
| Kurzfristiges Hochsetzen bringt nichts mehr | UVP-Vergleiche bleiben zulässig |
| Grundpreis macht Packungen vergleichbar | Durchsetzung liegt nicht bei euch |
| Gesamtpreis inklusive Steuer ist Pflicht | Ausnahmen und Sonderfälle sind komplex |
Die Regel hat die schlimmsten Auswüchse beseitigt, ersetzt aber keinen Preisvergleich. Sie sorgt dafür, dass die Zahl stimmt — nicht dafür, dass das Angebot gut ist.
Häufige Fragen
Worauf muss sich ein Rabatt beziehen?
Auf den niedrigsten Preis, den derselbe Händler in den letzten 30 Tagen vor der Ermäßigung verlangt hat.
Ist Werbung mit der UVP verboten?
Nein, sie ist zulässig, wenn klar ist, dass es sich um eine Herstellerempfehlung handelt. Sie ist aber kein Beleg für ein gutes Angebot.
Was gilt bei schrittweise steigenden Rabatten?
Dann ist der niedrigste Preis vor Beginn der gesamten Aktion maĂźgeblich, nicht der jeweils vorherige Zwischenstand.
Gilt die Regel auch im Laden?
Ja, die Preisangabenverordnung gilt für Waren gegenüber Verbrauchern — online wie stationär.
Was ist mit Rabatten auf das gesamte Sortiment?
Allgemeine Rabattaktionen ohne produktbezogene Ermäßigungsangabe sind anders zu beurteilen. Entscheidend ist, ob für ein konkretes Produkt mit einer Preissenkung geworben wird.
Muss der Grundpreis immer stehen?
Bei Waren, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche angeboten werden, ja. Es gibt Ausnahmen für bestimmte Fälle.
Woher weiĂź ich den echten Tiefstpreis?
Aus dem Preisverlauf eines Preisvergleichsportals. Er zeigt mehr als 30 Tage und macht Muster sichtbar.
Gilt die Regel auch fĂĽr Dienstleistungen?
Die 30-Tage-Regel bezieht sich auf Waren. Für Dienstleistungen gelten andere Anforderungen an die Preisangabe — Werbung mit Ermäßigungen darf aber auch dort nicht irreführend sein.
Was mache ich bei einem offensichtlichen VerstoĂź?
Screenshot sichern, Händler ansprechen, gegebenenfalls die Verbraucherzentrale informieren — und das Angebot liegen lassen.
Fazit: Die Zahl stimmt, das Angebot muss es nicht
Die 30-Tage-Regel hat Preiswerbung ehrlicher gemacht: Ein Rabatt bezieht sich heute auf einen Wert, den es tatsächlich gab. Was sie nicht leistet, ist eine Aussage darüber, ob ihr gerade günstig kauft — dafür braucht es weiterhin den Preisverlauf.
Drei Handgriffe vor dem nächsten Kauf:
- Fragen, worauf sich die Prozentzahl bezieht — UVP oder eigener Vorpreis.
- Den Preisverlauf ĂĽber mehrere Monate ansehen, nicht nur ĂĽber vier Wochen.
- Im Supermarkt konsequent auf den Grundpreis schauen.
Wie ihr echte Schnäppchen von inszenierten unterscheidet, steht in unserem Ratgeber Schnäppchenjagd. Aktuelle, geprüfte Angebote sammeln wir laufend auf MonsterDealz.de.