Altes Geschirr verkaufen 2026: Was Omas Porzellan wirklich bringt

Altes Geschirr verkaufen heißt, gebrauchtes Porzellan, Steingut, Keramik oder Glas einzeln oder als Service an PrivatkĂ€ufer, HĂ€ndler oder AuktionshĂ€user abzugeben — und genau daran scheitern die meisten ErbstĂŒcke. Gefragt sind wenige Marken, seltene Dekore und makellose Einzelteile, nicht das komplette Zwölf-Personen-Service. Wer verkaufen will, braucht drei Dinge: die Bodenmarke, eine ehrliche ZustandsprĂŒfung und den Unterschied zwischen SchĂ€tzwert, Angebotspreis und tatsĂ€chlich erzieltem Preis. Stand: September 2026.

Das Wichtigste in KĂŒrze

  • Ein Angebotspreis im Internet ist keine Wertangabe — verkauft ist erst, was jemand bezahlt hat.
  • Die Bodenmarke nennt Hersteller und ungefĂ€hre Epoche, sie ist aber kein Preisschild.
  • Ein Haarriss entwertet ein SammlerstĂŒck fast vollstĂ€ndig — Verschweigen macht den GewĂ€hrleistungsausschluss nach Paragraf 444 BGB unwirksam.
  • GegenstĂ€nde des tĂ€glichen Gebrauchs sind nach Paragraf 23 EStG ausdrĂŒcklich von der Besteuerung ausgenommen.
  • Plattformen melden euch ans Bundeszentralamt fĂŒr Steuern, sobald ihr 30 VerkĂ€ufe oder 2.000 Euro erreicht.

Anzeige / Transparenz: Dieser Artikel enthĂ€lt Partner-Links. Kauft ihr ĂŒber einen solchen Link, erhalten wir eine kleine Provision. FĂŒr euch bleibt der Preis identisch.

Warum die meisten Geschirr-ErbstĂŒcke nichts einbringen

Die ehrliche Ausgangslage zuerst: Ein vollstĂ€ndiges Speiseservice aus den 1960er- oder 1970er-Jahren ist in aller Regel kein Vermögenswert, sondern ein Platzproblem. Der Sammlermarkt sucht nach Seltenheit, ManufakturqualitĂ€t und makellosem Zustand — ein industriell in hoher Auflage gefertigtes Service erfĂŒllt keines dieser drei Kriterien. Genau deshalb stehen dieselben Dekore jahrelang in Anzeigen, ohne den Besitzer zu wechseln.

Alter Vitrinenschrank voller weißem Speiseservice mit schlichtem Goldrand

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Dazu kommt ein Formatproblem. Moderne Haushalte kaufen Einzelteile und stapeln sie in kleinen KĂŒchen, wĂ€hrend ein altes Service aus Terrine, Sauciere, Platte, Vorlegebesteck und Dutzenden Tellern besteht. Was sich verkauft, ist fast nie das Set, sondern das EinzelstĂŒck, das jemandem in seiner Sammlung fehlt: ein Ersatzteller, eine Tasse ohne Untertasse, ein Deckel.

Wertvoll wird ein StĂŒck durch vier Faktoren, und die wirken multiplikativ: Hersteller, Seltenheit des Dekors, VollstĂ€ndigkeit und Zustand. FĂ€llt einer aus, bricht der Preis — ein seltenes Dekor mit Haarriss ist nicht „etwas weniger wert“, sondern praktisch unverkĂ€uflich. Handarbeit ist dabei der stĂ€rkste Hebel: Aufglasurmalerei, die man mit dem Fingernagel als leichte Erhebung spĂŒrt, ReliefrĂ€nder und unregelmĂ€ĂŸige, also gemalte Linien sprechen fĂŒr Manufakturware, ein völlig gleichmĂ€ĂŸiger Druck unter der Glasur fĂŒr Massenfertigung.

Belastbare öffentliche Preisstatistiken fĂŒr gebrauchtes Haushaltsporzellan gibt es nicht. Weder das Statistische Bundesamt noch ein Verband erhebt, was Privatleute fĂŒr alte Teller zahlen. Jede Zahl, die euch als „Marktwert“ begegnet, stammt aus einer laufenden Anzeige oder aus der SchĂ€tzung eines HĂ€ndlers — beides ist etwas anderes als ein erzielter Preis. Dieser Artikel nennt deshalb bewusst keine Euro-Spannen, sondern zeigt, wie ihr die Zahl fĂŒr euer StĂŒck selbst ermittelt.

MonsterDealz.de ist eine deutsche Deal-Community, die tĂ€glich geprĂŒfte SchnĂ€ppchen kuratiert und in Ratgebern erklĂ€rt, wie Preise zustande kommen. Wir haben dafĂŒr im eigenen Bestand nachgezĂ€hlt: Von 1.226 Magazin-Ratgebern drehen sich 24 um den Verkauf gebrauchter Dinge, von PokĂ©mon-Karten ĂŒber BĂŒcher bis Gold (Stand 14.09.2026). Die Methodik ist immer dieselbe — Schritt fĂŒr Schritt steht sie im Ratgeber PokĂ©mon-Karten verkaufen.

Hersteller und Alter an der Bodenmarke bestimmen

Die Bodenmarke ist der Einstieg in jede Bewertung, und sie steht fast immer auf der Unterseite: eingepresst, aufgestempelt oder unter der Glasur aufgemalt. Dreht das StĂŒck um, legt es auf ein weiches Tuch, nehmt Tageslicht und eine Lupe und fotografiert die Marke formatfĂŒllend — dieses Foto ist die Grundlage jeder Anfrage bei HĂ€ndler oder Museum.

Umgedrehte weiße Porzellantasse mit leerer Unterseite neben einer Leselupe

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Die bekanntesten deutschen Marken sind die gekreuzten blauen Schwerter der Meissener Manufaktur und das Zepter der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Beide sind zugleich die am hĂ€ufigsten nachgeahmten Zeichen ĂŒberhaupt, weshalb eine Schwertermarke allein kein Echtheitsnachweis ist. Es zĂ€hlt das Zusammenspiel aus Marke, Malerzeichen, Formnummer, ScherbenqualitĂ€t und Verarbeitung.

FĂŒr die zeitliche Einordnung helfen Herkunftsangaben. Eine Ware, die neben der Marke das Wort „Germany“ trĂ€gt, ist in aller Regel nach 1891 entstanden, als die Vereinigten Staaten eine Herkunftskennzeichnung fĂŒr Importe verlangten. „US-Zone Germany“ verweist auf die amerikanische Besatzungszone zwischen 1945 und 1949, „Western Germany“ auf die Zeit bis 1990. Das sind Anhaltspunkte fĂŒr die Epoche, keine Beweise und erst recht keine Wertangaben.

Wer weiterkommen will, fragt dort, wo geforscht wird. Das Porzellanikon mit seinen Standorten in Selb und Hohenberg an der Eger bezeichnet sich als Europas grĂ¶ĂŸtes Museum fĂŒr Porzellan und beschreibt seine Aufgabe so: „Als staatliches Museum bewahren, erforschen und vermitteln wir die einzigartige Geschichte, Kunst und Technik des Porzellans.“ Museen erstellen keine Verkehrswertgutachten, aber sie ordnen Marken und Epochen ein — und das kostet nichts.

Zustand bewerten: Haarriss, Craquelé, Abrieb und Goldrand

Der Zustand ist der Faktor, bei dem PrivatverkĂ€ufer am freundlichsten mit sich selbst sind. PrĂŒft jedes Teil einzeln bei Tageslicht und dreht es gegen das Licht: Feine Haarrisse zeichnen sich als dunkle Linie ab, die in der Glasur weiterlĂ€uft. Die Klangprobe ist der zweite Test — ein unbeschĂ€digter Teller, den ihr am Rand anschlagt, klingt hell und lange nach, ein gerissener dumpf und kurz.

CraquelĂ© wird damit oft verwechselt. Gemeint ist ein feines Netz aus Rissen in der Glasur, das bei manchen Keramiken Alterserscheinung und bei anderen gewolltes Gestaltungsmittel ist. FĂŒr den Preis zĂ€hlt, ob die Risse nur in der Glasur sitzen oder durch den Scherben gehen — Letzteres ist ein Schaden.

Zwei AlltagsschĂ€den entwerten leise. SpĂŒlmaschinengĂ€nge greifen Aufglasurdekor und GoldrĂ€nder an: Der Glanz wird matt, die Kante bekommt Fehlstellen, Farben verblassen. Und Besteckspuren auf dem Tellerspiegel, also graue kratzerĂ€hnliche Striche, lassen sich zwar teilweise entfernen, mindern aber jede Bewertung. Beschreibt beides offen, statt es wegzufotografieren.

SchÀtzwert, Angebotspreis, erzielter Preis: drei Zahlen ohne Zusammenhang

Hier entstehen die meisten Fehlerwartungen, denn die drei Zahlen beschreiben völlig verschiedene Dinge — und nur eine davon ist Geld, das jemand wirklich bezahlt hat. Die Verbraucherzentrale rĂ€t beim Secondhand-Verkauf, den Preis ĂŒber Ă€hnliche Artikel auf verschiedenen Verkaufsplattformen zu vergleichen; der entscheidende Zusatz lautet: an verkauften Artikeln, nicht an laufenden Anzeigen.

Drei identische weiße Teller nebeneinander in HolzstĂ€ndern vor grauer Wand

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Zahl Was sie aussagt Woher sie kommt
SchÀtzwert Erwartung vor dem Verkauf HÀndler, Auktionskatalog, Gutachten
Angebotspreis Wunsch des Anbieters laufende Anzeige oder Auktion
Erzielter Preis tatsÀchlich gezahltes Geld abgeschlossener Verkauf, Zuschlag

Nur die dritte Zeile ist ein Marktergebnis. Ein SchĂ€tzwert ist eine Prognose, ein Angebotspreis eine Forderung — beide können jahrelang unverĂ€ndert im Netz stehen, ohne dass ein einziges StĂŒck verkauft wurde. Und vom Zuschlag bei einer Auktion geht die Provision des Auktionshauses ab, bevor beim Einlieferer Geld ankommt.

Praktisch heißt das: Filtert bei der Recherche auf abgeschlossene VerkĂ€ufe, sammelt fĂŒnf bis zehn Treffer derselben Serie im selben Zustand und nehmt den Median, nicht den Höchstwert. Ein einzelner Ausreißer nach oben ist kein Preis, sondern ein Zufall aus zwei Bietern.

Bei HÀndlern und Haushaltsauflösern gilt die zweite Regel: Ein Ankaufangebot ist ein Einkaufspreis, kein Verkehrswert. Der HÀndler muss lagern, bewerben, verpacken und GewÀhrleistung tragen, sein Angebot liegt also zwangslÀufig unter dem, was er spÀter verlangt. Holt mehrere Angebote ein. Dieselbe Logik erklÀren wir am Beispiel Edelmetall im Ratgeber Gold verkaufen.

Welcher Verkaufsweg passt — und was davon ĂŒbrig bleibt

Es gibt nicht den einen besten Weg, sondern eine Zuordnung nach StĂŒckwert und Menge. Je höher der Einzelwert, desto eher lohnt ein spezialisierter Kanal mit Publikum; je grĂ¶ĂŸer die Menge bei kleinem Wert, desto mehr zĂ€hlen Tempo und Abholung vor Ort. Kleinanzeigen-Portale, Vinted, eBay, AuktionshĂ€user, AntiquitĂ€tenhĂ€ndler, Haushaltsauflöser, Sammlerbörsen und SozialkaufhĂ€user decken zusammen das ganze Feld ab.

Umzugskarton mit einzeln in Seidenpapier gewickelten Tellern und Polstermaterial

Symbolbild — KI-generiert / MonsterDealz

Weg Passt bei Was davon abgeht
Kleinanzeigen vor Ort Service, schwere Konvolute Zeit, Besichtigungen, Verhandlung
Online-Marktplatz gesuchte Einzelteile Verkaufsprovision, Versand, Bruchrisiko
Auktionshaus belegbare Manufakturware Provision, Wartezeit bis zur Auktion
HĂ€ndler oder Auflöser ganze Haushalte deutlicher Abschlag fĂŒr den Aufwand
Sammlerbörse, Flohmarkt SerienlĂŒcken, Ersatzteile StandgebĂŒhr, ein ganzer Tag

Zuordnung nach StĂŒckwert und Menge. Die rechte Spalte ist der Grund, warum derselbe Teller ĂŒber drei Wege drei verschiedene Auszahlungen ergibt. Wer zusĂ€tzlich Möbel und Hausrat abgibt, findet die AblĂ€ufe im Ratgeber zu gebrauchten Möbeln.

Geschirr ist die unangenehmste Warengruppe im Versandhandel, weil Gewicht und Bruchrisiko hoch sind. Rechnet vor dem Einstellen gegen: Verkaufsprovision, ZahlungsgebĂŒhr, Versandkosten, Verpackungsmaterial und einen realistischen Anteil BruchfĂ€lle. Bleiben unter dem Strich weniger als etwa zehn Euro pro Paket, gehört das StĂŒck in ein Konvolut zur Abholung statt in den Versand.

Wie eine Plattform im Detail abrechnet, haben wir am Beispiel Vinted und im Ratgeber BĂŒcher verkaufen aufgeschlĂŒsselt; die Mechanik aus GebĂŒhr, Versand und KĂ€uferschutz ist bei Geschirr identisch. Dieselbe Deckungsrechnung fĂŒhren wir fĂŒr Elektronik im Vergleich Handy verkaufen vor.

Steuern und Meldepflicht beim privaten Verkauf

FĂŒr normales Haushaltsgeschirr ist die Antwort einfach: Es bleibt steuerfrei. Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes erfasst private VerĂ€ußerungsgeschĂ€fte bei anderen WirtschaftsgĂŒtern nur, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt — und stellt ausdrĂŒcklich klar: „Ausgenommen sind VerĂ€ußerungen von GegenstĂ€nden des tĂ€glichen Gebrauchs.“ Ein geerbtes Service, das jahrzehntelang im Schrank stand, erfĂŒllt beide Ausnahmen gleich doppelt.

Anders liegt der Fall bei SammlerstĂŒcken, die ihr gezielt gekauft und binnen eines Jahres wieder verkauft habt. Dann greift die Jahresfrist, und erst die Freigrenze entlastet: Gewinne bleiben steuerfrei, wenn der Gesamtgewinn aus allen privaten VerĂ€ußerungsgeschĂ€ften im Kalenderjahr weniger als 1.000 Euro betrĂ€gt. Eine Freigrenze ist kein Freibetrag — wer sie reißt, versteuert den gesamten Gewinn, nicht nur den ĂŒbersteigenden Teil.

Davon getrennt zu betrachten ist die Meldepflicht der Plattformen. Nach Paragraf 4 des Plattformen-Steuertransparenzgesetzes ist nur freigestellt, wer „in weniger als 30 FĂ€llen relevante TĂ€tigkeiten [
] erbracht und dadurch insgesamt weniger als 2 000 Euro als VergĂŒtung gezahlt oder gutgeschrieben bekommen hat“. Beide Bedingungen mĂŒssen zusammen erfĂŒllt sein; wer eine davon ĂŒberschreitet, wird gemeldet. Das Bundeszentralamt fĂŒr Steuern weist darauf hin, dass diese Meldepflichten seit Januar 2024 bestehen und erstmals die Daten fĂŒr den Meldezeitraum 2023 ĂŒbermittelt wurden. Eine Meldung ist keine Steuerforderung, sondern eine Information ans Finanzamt — die Details stehen im Ratgeber bei eBay verkaufen.

Ein Haushalt, der nach und nach geleert wird, reißt die 30er-Schwelle schneller als gedacht. Die Verbraucherzentrale nennt als Anzeichen fĂŒr gewerbliches Handeln regelmĂ€ĂŸige VerkĂ€ufe von 12 bis 25 Angeboten monatlich oder den Einkauf von Artikeln zum Wiederverkauf. Wer nur den eigenen Nachlass auflöst, bleibt privat, sollte die Herkunft der StĂŒcke aber dokumentieren.

Sicher verkaufen — und wissen, wann sich der Aufwand nicht lohnt

Als PrivatverkĂ€ufer habt ihr deutlich weniger Pflichten als ein HĂ€ndler: kein Widerrufsrecht, keine Informationspflichten, keine Gewerbeanmeldung. Den GewĂ€hrleistungsausschluss formuliert die Verbraucherzentrale in ihrem Ratgeber wörtlich so: „Dies ist ein Privatverkauf. Die Ware wird unter Ausschluss jeglicher GewĂ€hrleistung verkauft.“

Dieser Ausschluss hat eine harte Grenze, und sie ist bei Geschirr besonders relevant. Nach Paragraf 444 BGB kann sich der VerkĂ€ufer auf eine solche Vereinbarung nicht berufen, soweit er den Mangel arglistig verschwiegen hat. Ein bekannter Haarriss, der auf keinem Foto zu sehen ist und in der Beschreibung fehlt, ist genau dieser Fall. Fotografiert SchĂ€den einzeln und benennt sie im Text — das schĂŒtzt euch besser als jede Klausel.

Bleibt der Zahlungsweg. Die Verbraucherzentrale beschreibt mehrere Maschen, die gezielt VerkĂ€ufer treffen: gefĂ€lschte Bezahlseiten nach angeblich fehlgeschlagener Kartenzahlung, QR-Codes als vermeintliche ZahlungsbestĂ€tigung, nachgebaute „Sicher bezahlen“-Seiten, Zahlungen von gehackten Konten und die Transportkosten-Falle, bei der ein angeblicher KĂ€ufer euch Vorkasse fĂŒr den Spediteur abnimmt. Das Ergebnis fasst die Verbraucherzentrale trocken zusammen: „Die Transportkosten werden nie erstattet, die Ware wird nie bezahlt.“ Nutzt ausschließlich die Bezahlfunktion innerhalb der Plattform, folgt keinem Link aus einer Nachricht und leistet nie Vorkasse fĂŒr Nebenkosten. Bei Abholung bleibt Bargeld gegen Ware der sicherste Weg; wie der plattformeigene Schutz funktioniert, steht im Ratgeber Kleinanzeigen sicher bezahlen.

Setzt euch vor dem ersten Foto eine Untergrenze. Bringt ein Konvolut nach Abzug von Fahrt, Verpackung und GebĂŒhren weniger als einen halben Arbeitstag ein, ist Verkaufen die falsche Entscheidung. FĂŒr diese StĂŒcke gibt es bessere Wege als den RestmĂŒll: SozialkaufhĂ€user, UmsonstlĂ€den, Verschenk-Rubriken und Theatergruppen nehmen brauchbares Geschirr an. Landet doch etwas in der Entsorgung, gehören Porzellan und Keramik in den RestmĂŒll und nicht in den Altglascontainer — ihre Schmelztemperatur liegt ĂŒber der von BehĂ€lterglas, weshalb schon wenige Scherben eine Charge unbrauchbar machen können. Wer zusĂ€tzlich Möbel abgeben will, findet die Wege unter IKEA Second Hand.

Ein Fall, der gerade viele Haushalte betrifft: Kahla Porzellan hört nach 182 Jahren auf, gebrannt wird nur noch bis Ende Oktober 2026. Wer ein Kahla-Service ergÀnzen statt verkaufen will, findet Fristen und Bezugsquellen im Artikel Kahla Porzellan stellt die Produktion ein.

Altes Geschirr verkaufen: Vor- & Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Alltagsgeschirr ist nach Paragraf 23 EStG steuerfrei Komplette Service finden kaum noch KĂ€ufer
Einzelne Ersatzteile haben eine echte Nachfrage Bruchrisiko und Portokosten fressen den Erlös
Die Bodenmarke ordnet Hersteller und Epoche ein Ein Haarriss entwertet ein SammlerstĂŒck fast vollstĂ€ndig
Keine GewÀhrleistung, kein Widerruf, kein Gewerbe nötig Ab 30 VerkÀufen oder 2.000 Euro erfolgt die Meldung

HĂ€ufige Fragen zum Verkauf von altem Geschirr

Wie unterscheide ich industrielle Massenware von Manufaktur-Porzellan?

Achtet auf die Fertigungsspuren. Aufglasurmalerei fĂŒhlt sich unter dem Fingernagel leicht erhaben an und zeigt minimale UnregelmĂ€ĂŸigkeiten, ein Druckdekor liegt völlig glatt und ist auf allen Teilen identisch. Manufakturware trĂ€gt außerdem hĂ€ufig zusĂ€tzliche Zeichen neben der Bodenmarke: Malernummern, Formnummern, Jahresstempel. Fehlen die und ist der Scherben dick und schwer, spricht das fĂŒr Serienfertigung.

Welche Rolle spielen Chips und Haarrisse fĂŒr den Wiederverkaufswert?

Eine unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig große. Im Gebrauchssegment senkt ein kleiner Abplatzer den Preis; im Sammlersegment nimmt ihn ein Haarriss praktisch vollstĂ€ndig weg, weil Sammler nach VollstĂ€ndigkeit und Makellosigkeit kaufen. Verschweigen ist keine Option: Nach Paragraf 444 BGB greift der vereinbarte GewĂ€hrleistungsausschluss nicht, wenn ihr einen Mangel arglistig verschwiegen habt.

Welche Rolle spielen Markenpunzen und Herstellerstempel fĂŒr den Preis?

Sie sind die Eintrittskarte, nicht der Preis. Die Marke sagt, wer das StĂŒck gemacht hat und grob wann — erst zusammen mit Serie, Dekor, Zustand und aktueller Nachfrage ergibt sich daraus eine Zahl. Umgekehrt gilt: Ohne lesbare Marke ist ein StĂŒck auf dem Sammlermarkt kaum zu platzieren, weil die Zuordnung fehlt.

Wie unterscheide ich hochwertiges Bleikristall von einfachem Pressglas?

Drei PrĂŒfungen helfen ohne Labor. Bleikristall ist bei gleicher GrĂ¶ĂŸe spĂŒrbar schwerer, es klingt beim Anschlagen hell und lange nach, und seine Schliffkanten sind scharf, weil sie geschnitten wurden. Pressglas hat stattdessen abgerundete Musterkanten und hĂ€ufig feine PressnĂ€hte an den Seiten. Einen Bleigehalt in Prozent könnt ihr zu Hause nicht ermitteln — dafĂŒr braucht es eine Messung beim FachhĂ€ndler.

Wie verpacke ich zerbrechliches Porzellan sicher fĂŒr den Versand?

Jedes Teil einzeln in Papier oder Luftpolsterfolie wickeln, Teller hochkant statt flach stellen, HohlrĂ€ume wie Tassen und Terrinen ausstopfen und rundherum mindestens fĂŒnf Zentimeter Polster zur Kartonwand lassen. Kein Teil darf ein anderes direkt berĂŒhren, und der geschlossene Karton darf beim SchĂŒtteln nicht klappern. Die Verbraucherzentrale empfiehlt Polstermaterial ausdrĂŒcklich, um TransportschĂ€den zu vermeiden.

Muss ich den Verkauf von Omas Geschirr versteuern?

In aller Regel nicht. GegenstĂ€nde des tĂ€glichen Gebrauchs sind nach Paragraf 23 EStG von privaten VerĂ€ußerungsgeschĂ€ften ausgenommen, und bei geerbten StĂŒcken liegt die Anschaffung ohnehin weit mehr als ein Jahr zurĂŒck. Steuerpflichtig wird es erst, wenn ihr SammlerstĂŒcke kauft und binnen eines Jahres mit mehr als 1.000 Euro Gesamtgewinn im Kalenderjahr wieder abgebt.

Ist versilbertes Besteck etwas wert?

Deutlich weniger, als viele erwarten. Versilberte Teile tragen nur eine dĂŒnne Auflage auf unedlem Grundmetall, der Materialwert ist entsprechend gering; gezahlt wird eher fĂŒr Form, VollstĂ€ndigkeit und Zustand. Massivsilber erkennt ihr an Feingehaltsangaben wie 800 oder 925 — dort zĂ€hlt tatsĂ€chlich das Gewicht.

Fazit: erst bestimmen, dann bewerten, dann verkaufen

Die Reihenfolge entscheidet ĂŒber das Ergebnis. Fotografiert zuerst die Bodenmarke und klĂ€rt Hersteller und Epoche, prĂŒft danach jedes Teil einzeln auf Risse und Abrieb und sucht erst dann nach Vergleichspreisen — ausschließlich an verkauften StĂŒcken. Wer diese drei Schritte einhĂ€lt, landet fast immer bei einer nĂŒchterneren Zahl, als die Schlagzeile ĂŒber Omas Porzellan verspricht, aber bei einer, die trĂ€gt.

Und trennt die Ziele: Was Sammler suchen, geht einzeln in den Versand; was nur Platz wegnimmt, geht als Konvolut zur Abholung oder ins Sozialkaufhaus. Weitere Ratgeber rund ums Verkaufen und tagesaktuelle Angebote findet ihr auf unserer Startseite.

Über den Autor

Florian Silbereis

Ich bin Florian, 44 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und GrĂŒnder von MonsterDealz.de. Seit ĂŒber 17 Jahren spĂŒre ich tĂ€glich die besten Online-Deals, Preisfehler und Cashback-Aktionen auf — mein Wissen daraus steckt im Ratgeber „SchnĂ€ppchen richtig jagen: Der Insider-Guide fĂŒr smarte Online-KĂ€ufer“ (2026). Meine Spezialgebiete sind Mobilfunk-Tarife, Bonus-Deals, Tagesgeldkonten und das Finden echter Preisfehler bei großen Shops wie Amazon, MediaMarkt, Saturn und Otto. Mehr ĂŒber mich: interlynx.de, unterwegs bin ich auch auf Mastodon. Habt ihr Fragen oder einen heißen Deal-Tipp? Schreibt mir gerne in den Kommentaren, PN,oder ĂŒber die Kontaktseite.

Kommentare

Kommentar verfassen

Bild zum Kommentar hinzufĂŒgen (JPG, PNG)

Mit Absenden des Formulars akzeptiere ich die DatenschutzerklÀrung und die Nutzungsbedingungen.